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EZB ändert ihr Inflationsziel auf exakt zwei Prozent

·Lesedauer: 4 Min.
EZB in Frankfurt am Main

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihr Inflationsziel geändert und auf exakt zwei Prozent festgelegt. Bei der Zielvorgabe handele es sich nun um ein "symmetrisches Inflationsziel", erklärte die EZB am Donnerstag. Abweichungen nach oben und nach unten sollen künftig somit gleichermaßen verhindert werden. Die EZB hatte seit 1998 ein Inflationsziel von unter zwei Prozent verfolgt, seit 2003 gilt das Mantra "unter, aber nahe zwei Prozent".

"Der EZB-Rat geht davon aus, dass Preisstabilität mit einem Inflationsziel von zwei Prozent auf mittlere Sicht am besten erreicht werden kann", hieß es in der Erklärung. "Das könnte auch bedeuten, dass es zu einer Übergangsperiode mit Inflationsraten leicht über dem anvisierten Ziel kommen kann". Die Kursänderung bei der EZB ist das Ergebnis einer internen Prüfung der eigenen Geldpolitik, mit der im Januar 2020 begonnen worden war.

Der EZB-Rat bestätigte außerdem, dass die EZB-Zinsraten das primäre geldpolitische Instrument der Zentralbank bleiben werden. Andere geldpolitische Maßnahmen, wie der Aufkauf von Anleihen und langfristige Refinanzierungsinstrumente, blieben jedoch weiterhin ein "integraler Bestandteil des Instrumentenkastens der EZB".

Zukünftig will die EZB außerdem auch die Wohnkosten von Hauseigentümern mit in die Inflationsrate einberechnen. Dies sei jedoch ein "mehrjähriges Projekt", erklärte die EZB. In der Zwischenzeit werde die EZB vorläufige Schätzungen der Wohnkosten von Menschen mit Eigenheim in ihre Inflationsberechnung einbeziehen.

Ein weiteres wichtiges Thema für die Zentralbank wird künftig der Klimawandel sein. Der EZB-Rat habe einen Aktionsplan beschlossen, um "Überlegungen zur ökologischen Nachhaltigkeit systematischer in seiner Geldpolitik zu berücksichtigen".

EZB-Präsidentin Christine Lagarde begrüßte die neue Strategie der Zentralbank als "starkes Fundament, das unsere Geldpolitik in den nächsten Jahren leiten wird". Die neue geldpolitische Strategie sei vom EZB-Rat einstimmig beschlossen worden.

Ein Grund für die Neuformulierung des Inflationsziels sei das Bedürfnis nach mehr Klarheit in der Kommunikation gewesen, sagte Lagarde weiter. Die vorherige Formulierung sei "häufig als zu komplex wahrgenommen" worden und habe teilweise zu "Missverständnissen" geführt.

Das neue Inflationsziel sei hingegen "klar, einfach zu kommunizieren und ein starker Anker für Inflationserwartungen". Es ermögliche außerdem eine gute Balance und ausreichend Spielraum für geldpolitische Entscheidungen. Lagarde betonte, dass es sich bei dem Ziel von zwei Prozent nicht um eine Obergrenze handele.

Der Ökonom Friedrich Heinemann vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim warnte, das neue Ziel bereite höheren Inflationsraten den Weg. Das neue Inflationsziel werde es dem EZB-Rat noch leichter machen, "in den kommenden Jahren eine Fortdauer der extrem lockeren Geldpolitik und der Anleihekäufe zu rechtfertigen", erklärte er. Die EZB nehme damit zu viel Rücksicht auf die Absicherung hoher Schuldenstände einzelner Euro-Staaten, kritisierte er.

Die Einbeziehung der Wohnungskosten auch bei selbst genutzten Immobilien in die Inflationsberechnung begrüßte Heinemann hingegen "uneingeschränkt". Preissteigerungen auf dem europäischen Wohnungsmarkt seien bisher "noch nicht ausreichend in der Inflationsmessung berücksichtigt" worden.

Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Christian Ossig, bedauerte, dass sich Wirtschaft und Sparer im Euroraum auch zukünftig auf Negativzinsen einstellen müssten. "Um ungewollte Nebenwirkungen der Negativzinsen zu vermeiden, ist es jetzt umso wichtiger, dass die EZB die Freibeträge für Banken endlich erhöht", forderte Ossig.

Ossig mahnte angesichts der vergrößerten geldpolitischen Spielräume der EZB außerdem eine klare Kommunikation der Zentralbank an. "Sie muss ihre mittelfristigen Einschätzungen laufend klar und überzeugend vermitteln, um Unsicherheiten und zusätzliche Risikoaufschläge an den Finanzmärkten zu vermeiden", erklärte er. Auch eine mittelfristige Perspektive für den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik der EZB werde dringend benötigt.

Der Strategiewechsel sei "weder der große Bringer noch der totale Reinfall", urteilte die Bürgerbewegung Finanzwende. Die Anpassung der Inflationsziele sei ein wichtiger Schritt, um der EZB mehr Spielraum zu geben. Den Klima-Aktionsplan der EZB begrüßte der Verein, auch wenn dieser "ziemlich schwammig" bleibe.

Auch die Umweltorganisation Greenpeace begrüßte den Aktionsplan der EZB zum "Kampf gegen die Klimakrise". Es komme nun darauf an, "diese Bekenntnisse mit Leben zu füllen". Die Zentralbank solle klimaschädliche Unternehmen in ihren Anleihekaufprogrammen künftig nicht mehr berücksichtigen, forderte Greenpeace. "Die EZB wird sich nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten messen lassen müssen".

fho/jm

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