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EY verliert Prüfmandat bei der Deutschen Telekom

Fröndhoff, Bert Greive, Martin
·Lesedauer: 3 Min.

Die Prüfungsgesellschaft verliert mit dem Bonner Konzern einen weiteren Prestigekunden. Der Schritt folgt auf Druck des Bundes als Telekom-Hauptaktionär.

Die in die Kritik geratene Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hat ihr Prüfmandat bei der Deutschen Telekom verloren. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Demnach haben die Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat der Telekom darauf gedrungen, das Prüfunternehmen zu wechseln.

Der Bund hält direkt und über die staatliche Förderbank KfW 32 Prozent der Telekom-Anteile und entsendet deshalb auch Vertreter in den Aufsichtsrat, der den Abschlussprüfer bestellt. EY sollte ursprünglich das Bilanztestat bei der Deutschen Telekom für das bereits laufende Geschäftsjahr 2021 übernehmen.

Die nun anstehende Trennung ist als Reaktion auf die Vorwürfe zu sehen, denen sich EY als langjähriger Abschlussprüfer der Wirecard AG seit deren Untergang im Sommer 2020 ausgesetzt sieht. Demnach soll EY angeblich die Bilanzen des Skandalkonzerns seit 2016 nicht ordnungsgemäß geprüft haben.

Die Gesellschaft wehrt sich gegen die Vorwürfe und sieht kein Fehlverhalten ihrer Mitarbeiter. Doch der Verdacht gegen EY hat sich zuletzt verstärkt: Die staatliche Wirtschaftsprüferaufsicht Apas startete im Mai 2020 ein ordentliches Verfahren gegen zwei für das Wirecard-Mandat verantwortliche Prüfer, die bei EY beschäftigt sind oder waren. Die Untersuchungen mündeten im Herbst in eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft München. Nun laufen die Ermittlungen.

Auch bei der Aufklärung des Wirecard-Skandals durch den Untersuchungsausschuss des Bundestags spielen die Prüfungshandlungen von EY eine zentrale Rolle: Im November traten dort mehrere EY-Vertreter auf, verweigerten aber in den zentralen Fragen die Antwort, weil sie sich an die Verschwiegenheitspflicht von Prüfern gebunden sehen.

EY berät mehrere Ministerien

Im politischen Berlin hat das für scharfe Kritik gesorgt. Die Opposition zeigt Unverständnis darüber, dass die Bundesregierung weiter eng mit der Firma zusammenarbeite. Mehrere Ministerien haben EY als Beratungsunternehmen engagiert.

EY verliert damit ein weiteres neues Prestigemandat. Die Telekom ist nicht das erste Unternehmen, dass sich von EY als Abschlussprüfer im Zuge des Wirecard-Skandals trennt. So hatten die Commerzbank, die Fondgesellschaft DWS und die staatseigene KfW die Gesellschaft zunächst als neuen Prüfer bestimmt. Sie haben mittlerweile aber einen Rückzieher gemacht.

Der Grund: Die Finanzunternehmen sehen sich als Geschädigte im Fall Wirecard und prüfen deswegen auch Klagen gegen EY. Sie wollten aber nicht in die Situation geraten, möglicherweise gegen ihren eigenen Abschlussprüfer gerichtlich vorgehen zu müssen.

Die KfW hatte im Dezember das eigentlich ab 2022 geltende Mandat für EY gekündigt und stattdessen den Konkurrenten Deloitte zu ihrem Abschlussprüfer ernannt.

EY wollte zu den Informationen am Donnerstag nicht Stellung nehmen. Die Prüfungsgesellschaft hatte Anfang 2020 die Ausschreibung des Abschlussprüfer-Mandats der Telekom gewonnen. Auf der Hauptversammlung des Dax-Konzerns im Juni 2021 sollte EY von den Anteilseignern bestätigt werden.

Die Gesellschaft sollte den langjährigen Telekom-Abschlussprüfer PwC ersetzen, von dem sich der Bonner Konzern im Zuge der gesetzlich vorgeschriebenen Rotation trennen muss. PwC hatte das Unternehmen seit der Börsennotierung 1996 geprüft.

KPMG könnte Nutznießer werden

EY gilt als der große Aufsteiger unter den „Big Four“ der Wirtschaftsprüfung, weil die Firma bei der Rotation in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Mandate wichtiger Unternehmen in Deutschlands oberster Börsenliga bekommen hat. Dazu zählen etwa Volkswagen, Lufthansa, Munich Re und die Deutsche Bank. Diese Unternehmen halten bisher weiter an der Zusammenarbeit mit EY fest. Bei Siemens wurde der Vertrag mit EY als Abschlussprüfer verlängert.

Die Deutsche Telekom gerät mit der Kündigung des Vertrags in eine herausfordernde Lage: Sie muss sich nun binnen weniger Wochen bis zur Hauptversammlung am 1. April in einer neuen Ausschreibung um einen Ersatz-Abschlussprüfer kümmern. Die Aktionäre müssen über den Vorschlag des Aufsichtsrats abstimmen.

Nutznießer des Telekom-Rückzugs wird nun eine der beiden anderen großen deutschen Prüfungsgesellschaften, KPMG und Deloitte, sein. Vor allem KPMG dürfte sich gute Chancen ausrechnen, denn die Firma will nach zahlreichen Mandatsverlusten im Dax 30 ihre Position dort wieder stärken.