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Exportnation Japan im Wirtschaftstief

Tokio (dapd). Die japanische Wirtschaft hat einen historischen Tiefstand erreicht: Die Exportnation hat im vergangenen Jahr den kleinsten Leistungsbilanzüberschuss seit fast 30 Jahren verzeichnet. Der Überschuss schrumpfte im Jahr 2012 auf 4,7 Billionen Yen (etwa 37,2 Milliarden Euro), wie das Finanzministerium am Freitag mitteilte. Das ist ein Minus von gut 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Ein weiterer Schock: Im Dezember notierte Japan den zweiten Monat in Folge ein Leistungsbilanzdefizit - das erste Minus in zwei aufeinanderfolgenden Monaten seit Beginn der Erhebung vergleichbarer Daten im Jahr 1985.

Inselstreit und Fukushima sind die Ursachen

Als Gründe gab das Ministerium die schwache globale Nachfrage an, sowie die Zunahme von Energieimporten in Folge des Atomunfalls im Atomkraftwerk Fukushima im Jahr 2011. Während die Importe im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent zunahmen, gingen die Exporte um 2,1 Prozent zurück.

In Folge des Fukushima-Unfalls wurden alle AKWs des Landes bis auf weiteres vom Netz genommen. Nur zwei von insgesamt 50 funktionsfähigen Atomreaktoren sind derzeit in Betrieb. Bis zur Fukushima-Katastrophe hatte Japan etwa ein Drittel seines Stroms aus Atomkraft bezogen. Im vergangenen Jahr waren allein die Flüssiggasimporte für den Betrieb von konventionellen Kraftwerken um mehr als 25 Prozent gestiegen.

Neben den Exporten in die Europäische Union waren die Exporte nach China besonders stark geschrumpft. Im Fall von China betrug das Minus fast elf Prozent. Das Ministerium führte den Rückgang auf ein schwächeres chinesisches Wirtschaftswachstum sowie auf den bilateralen Inselstreit zurück. Der Streit war eskaliert, als Japan im vergangenen September die unbewohnte, aber in rohstoffreichen Gewässern liegende Inselkette, die im Chinesischen Diaoyu und auf Japanisch Senkaku heißt, verstaatlicht hatte. Im Zuge dessen war es im vergangen Jahr zu schweren antijapanischen Ausschreitungen und Boykottaufrufen gegen japanische Produkte gekommen.

Abe erhöht Druck auf Zentralbank

Für das kommende Jahr sehen Japans Analysten nicht mehr ganz so schwarz: "Ich denke der Leistungsbilanzüberschuss wird aber weiterhin gering sein. Denn noch ist kein Ende des Atomstopps in Sicht. Die Energieimporte bleiben vorerst hoch", sagte der Gründer und Chefanalyst der Denkfabrik Musha Research, Ryoji Musha, der Nachrichtenagentur dapd. Ein schwächerer Yen werde dagegen die Exporte beflügeln und den Leistungsbilanzüberschuss verbessern.

Mittelfristig rechnen Analysten mit einer weiteren Abschwächung des Yen, nicht zuletzt, da Premierminister Shinzo Abe Druck auf die Zentralbank ausübt, die Geldpolitik noch weiter zu lockern. Mitte März wird Masaaki Shirakawa als Direktor der Bank of Japan (BOJ) vorzeitig zurücktreten. Abe hat dadurch die Möglichkeit, den Führungsposten der BOJ mit einem Wunschkandidaten zu besetzen, der den Geldhahn weiter aufdreht.

Abe drohte am Freitag erneut, das Zentralbankgesetz notfalls zu ändern, falls die BOJ-Politik nicht zu einem Ende der Deflation führe. "Wenn keine Ergebnisse zu erkennen sind, wird sich die Frage nach einer Änderung des BOJ-Gesetzes stellen", erklärte Abe vor dem Haushaltsauschuss des Unterhauses. Seit Abe Ende vergangenen Jahres im Wahlkampf versprach, mit allen Mitteln den Höhenflug des Yen zu stoppen, hat die japanische Währung knapp 14 Prozent gegenüber dem Dollar verloren.

Aussichten sind nicht gut

Für die Schuldenpolitik des mit mehr als 220 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldeten Landes ist der schwache Leistungsbilanzüberschuss jedoch eine Mahnung. "Dass die japanischen Staatsanleihen trotz des gigantischen Schuldenbergs bislang nicht ins Bodenlose gefallen sind, liegt an dem japanischen Leistungsbilanzüberschuss. Der Überschuss ist die Grundlage für das Vertrauen der Anleger", sagte der Chef-Ökonom des Mizuho Research Institute, Hajime Takata, der Wirtschaftszeitung "Nikkei".

Wenn die Energiepreise weiter steigen und sich die Weltkonjunktur abschwächt, könnte sich die Leistungsbilanz nach Ansicht der "Nikkei" auch auf Jahresbasis ins Minus drehen. Japanische Ökonomen spekulieren bereits seit Monaten über die Frage, wann dieser Tag X kommt. Laut einer "Nikkei"-Umfrage rechnen Experten damit bis spätestens 2030.

dapd

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