Deutsche Märkte geschlossen

Experten schlagen Alarm: Warum häusliche Gewalt jetzt zunehmen kann

Die Ausbreitung des Coronavirus zwingt die Menschen in eine Extremsituation. Tag für Tag verbringt man die meiste Zeit mit den Mitbewohnern und Angehörigen auf engstem Raum. Vor allem für Familien kann die Lage eskalieren. 

Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote können vor allem bei Familien eskalieren. (Bild: Getty Images)

Wenn der gemeinsame Alltag nur noch auf wenigen Quadratmetern stattfindet, bringt das viele Menschen früher oder später an ihre Belastungsgrenzen. Besonders hart sind die derzeitigen Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen für Familien. Nur wenige Paare mit Kindern haben so viel Platz zu Hause, um sich dort auf Dauer aus dem Weg zu gehen.

Weniger Einbrüche, mehr Trickbetrug? Kriminalität in Coronazeiten

Experten und Jugendämter schlagen Alarm, dass die Fälle von häuslicher Gewalt über kurz oder lang zunehmen werden. Auch, weil sich die Mitarbeiter nicht mehr im gleichen Maß um die gefährdeten Familien kümmern können. Hausbesuche finden meist nur noch bei akuter Notlage statt. Der Kontakt zu den Familien wird per Telefon oder E-Mail gehalten, Routinebesuche werden verschoben oder abgesagt.

In Wuhan verdreifachte sich die häusliche Gewalt

Das die Gewaltbereitschaft zunimmt, zeigte sich bereits in anderen Ländern wie Spanien und Italien, wo noch strengere Corona-Regeln bestehen als in Deutschland. In der chinesischen Stadt Wuhan – dem Ausgangsort der Pandemie – verdreifachten sich die Fälle häuslicher Gewalt in der Zeit des Lockdowns.

“Da kann es nur eine Frage der Zeit sein, bis der Druck im Kessel steigt, bis es eskaliert und die Kinder stecken mittendrin und können nicht weg“, sagt Kriseninterventions-Mitarbeiterin Anja Schauer vom Jugendamt Berlin gegenüber dem “Tagesspiegel“.

Nicht nur für Kinder und Jugendliche stehen im Zentrum des Vulkans. Auch für deren Mütter und andere Frauen kann es schwer werden. Neben den Jugendämtern mussten auch Frauenhäuser ihre Arbeit auf ein Minimum herunterfahren.

Hilfe für Opfer ist ein “triftiger Grund”

Die Bundesregierung ist sich des Problems durchaus bewusst. Isolation und finanzielle Sorgen könnten zu mehr häuslicher Gewalt führen, sagte auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey im ZDF-Morgenmagazin. Umso wichtiger sei es für Opfer zu wissen, dass sie das Haus verlassen dürfen, um sich Hilfe zu holen. Das sei ein triftiger Grund. Telefonische Hilfe-Hotlines würden angesichts der Corona-Pandemie ausgebaut, sagte die Ministerin.

Jugendämter und Frauenhäuser haben eigene Nummern, unter denen Sie im Notfall erreichbar sind. Alternativ können Kinder auch die bundesweite “Nummer gegen Kummer“ 116 111 wählen und dort Hilfe erhalten.

VIDEO: So reagieren Kinder in Wuhan und England auf die Pandemie