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Experten liefern Vorschläge, um die Chancen für Gründerinnen zu verbessern

Hoppe, Till Kersting, Silke Holzki, Larissa
·Lesedauer: 3 Min.

Nur jeder sechste Gründer ist eine Frau. Experten und die Grünen legen nun Vorschläge vor, wie das zu ändern wäre – und sehen vor allem die Investoren in der Pflicht.

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, hat zu einem virtuellen Austausch eingeladen, und Unternehmerinnen wie Tijen Onaran, Milena Glimbovski und Katja von der Bey haben sich eingewählt. „Frauen brauchen oft kein Venture-Capital, sondern eine solide Basisfinanzierung“, sagt von der Bey, Geschäftsführerin von Weiberwirtschaft, einem Gründerinnenzentrum in Berlin. Aber selbst daran hapere es.

Schwieriger Zugang zu Kapital, fehlende Netzwerke, Hürden bei der Kinderbetreuung – es sind solche Probleme, die die Teilnehmerinnen in dieser Runde bewegen. Das Ergebnis: Nicht einmal jeder sechste Firmengründer in Deutschland ist weiblich, wie der jüngste „Female Founders Monitor“ des Bundesverbands Deutsche Startups ermittelte.

Das sei nicht nur mit Blick auf die Selbstbestimmung der Frauen bedenklich, sagt Göring-Eckardt: „Bei der Förderung weiblicher Unternehmen geht es auch darum, neue wirtschaftliche Ideen und Geschäftsmodelle nach vorn zu bringen, die unsere Wirtschaft vielfältiger, kreativer, krisenresilienter und damit insgesamt erfolgreicher machen.“

In der Start-up-Szene werde zwar sehr viel über Diversität gesprochen, „aber die Zahlen sprechen leider eine andere Sprache“, sagt Gesa Miczaika, Geschäftsführerin des Start-up-Investors Auxxo. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Beirats Junge Digitale Wirtschaft beim Bundeswirtschaftsministerium hat Miczaika in einem Positionspapier zusammengetragen, was sich aus ihrer Sicht ändern muss.

Ihre Forderungen reichen von einem flächendeckenden Angebot von Gründerkursen an weiterführenden Schulen über selbst auferlegte Frauenquoten bei etablierten Start-ups bis hin zu einer besseren Sichtbarkeit erfolgreicher Gründerinnen: „Sie sollten viel mehr in der Öffentlichkeit stehen und diese auch suchen, um junge Frauen zu ermutigen“, sagt Miczaika.

Wagniskapitalfonds von Männern dominiert

Einen der wichtigsten Hebel sehen die Beiratsmitglieder aber bei den Investoren: Die Wagniskapitalszene wird nach wie vor von Männern dominiert. Nur rund 15 Prozent der Investmentpartner bei den Top-VC-Fonds sind weiblich.

Männer förderten aber – bewusst oder unbewusst – wiederum häufig männliche Gründer. Deshalb empfehlen die Beiratsmitglieder den Fonds selbst auferlegte Zielquoten für Frauen über alle Hierarchieebenen und ein gezieltes Reporting, wie sich der Frauenanteil im Portfolio und im eigenen Investmentteam entwickelt.

Eigener Fonds für Gründerinnen

Bei staatlich aufgesetzten Fonds sieht es kaum besser aus – Vehikel wie Coparion, High-Tech Gründerfonds oder KfW Capital hätten seit ihrem Bestehen noch keine Frau in der Geschäftsführung gehabt, kritisiert Miczaika. Der Beirat fordert deshalb eine Frauenquote für die Geschäftsführungsebene solcher Fonds. Zugleich könnten Landesbanken und staatseigene VC-Fonds Start-ups mit Frauen im Gründerteam belohnen, indem diese einen höheren staatlichen Finanzierungsanteil erhielten.

Susanne Dehmel, Mitglied der Geschäftsleitung beim Digitalverband Bitkom, hält auch spezielle Fonds zur Start-up-Finanzierung für sinnvoll, die sich nur an Gründerinnen richten. Im Grunde habe aber jeder Investor auch ein Eigeninteresse an Frauen im Gründerteam, „denn Studien zeigen, dass sie wirtschaftlich erfolgreicher sind als reine Männer-Gründungen“.

Auch die Grünen fordern einen solchen Fonds, insbesondere für Hightech-Start-ups. Dieser solle ausschließlich in Firmen investieren, deren aktives Gründungsteam mindestens zur Hälfte aus Frauen bestehe, heißt es in einem neuen Positionspapier der Partei, das dem Handelsblatt vorliegt. Als Vorbild könne etwa Irlands „Competitive Start Fund for Women Entrepreneurs“ dienen.

Die bestehenden Förderinstrumente sollten aus Sicht der Grünen zudem so ausgebaut werden, dass auch „nicht technologiezentrierte Konzepte als förderfähig gelten“. So könne ein fester Teil der Förderungen an Unternehmen und Gesellschaftsformen ausbezahlt werden, die sozialen oder ökologischen Zielen gegenüber Renditezielen eine höhere Priorität einräumten, ohne dabei auf eine solide Unternehmensführung zu verzichten.

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