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Ex-Zalando-Mann mischt Industrie mit Vergleichsportal für Roboter auf

Der frühere Zalando-Logistiker Victor Splittgerber hat Waku Robotics Ende 2019 gegründet. - Copyright: Waku Robotics
Der frühere Zalando-Logistiker Victor Splittgerber hat Waku Robotics Ende 2019 gegründet. - Copyright: Waku Robotics

Der Roboter der österreichischen Firma Agilox fährt durch ein Hochregal-Lager, er scannt Paletten, auf denen Waren liegen. Dann zieht der autonom fahrende Gabelstapler eine Palette heraus, und legt diese an anderer Stelle wieder ab. Im Werbevideo des Herstellers kreuzen Logistikmitarbeiter den Weg des mobilen Roboters. Über Sensoren und Kameras scannt dieser nicht nur seine Umgebung, die Software plant auch die Bewegungen und vermeidet Hindernisse. „Solch ein Roboter kann einen klassischen Gabelstapler in vielen Bereichen ersetzen“, sagt Victor Splittgerber. Er ist Geschäftsführer des Dresdner Startups Waku Robotics, eines B2B-Portals für Robotik.

Das sächsische Unternehmen betreibt mit der Webseite Lots of Bots eine Vergleichsplattform für mobile Roboter im Bereich Logistik und Produktion. Im Angebot finden sich aktuell 335 Roboter von 153 Herstellern, so auch die Produkte der österreichischen Firma Agilox. Doch nicht nur das: Waku Robotics berät mittelständische Kunden, allen voran Logistik- und Industriefirmen, welche Roboter oder Automatisierungslösungen sich für ihre Zwecke am besten eignen. Die hauseigene Software des Startups sorgt obendrein dafür, dass unterschiedliche Roboter von unterschiedlichen Herstellern miteinander interagieren können.

Fachkräftemangel heizt Robotermarkt an

Nach einem Maschinenbaustudium gründete Victor Splittgerber 2013 das Startup Green City Solutions mit, das Mooswände in Städten errichtet, um die Luftqualität zu verbessern. Anschließend ging er zum Online-Modehändler Zalando, wo er ein Team leitete, das die Logistikprozesse durch Innovationen verbessern sollte. Dort führte er auch mobile Roboter ein. Seine Erfahrungen aus dem Startup und bei Zalando vereint er nun beim Ende 2019 gegründeten Startup Waku Robotics.

Deutsche Logistiker sind laut Splittgerber zwar noch relativ am Anfang beim Thema mobile Roboter. „Doch durch den Fachkräftemangel ist der Schmerz besonders groß, daher gibt es im Roboter-Bereich auch ein schnelles Wachstum“, sagt Splittgerber. Ähnlich sei es in der Industrie. Neben dem Fachkräftemangel spielten dort die hohen Löhne noch eine Rolle, sodass sich der Einsatz von Technologie besonders lohne. In beiden Bereichen gebe es schon seit langer Zeit bei größeren Unternehmen sogenannte fahrerlose Transportsysteme. „Doch das sind eher Züge auf Schienen“, zieht Splittgerber den Vergleich. Mobile Roboter seien dagegen eher wie autonom fahrende Autos. „Sie nehmen ihre Umwelt wahr und reagieren auf diese.“ Anders als Roboterautos seien mobile Roboter für Logistik und Industrie bereits serienreif und hätten sich im Einsatz bewährt.

In einer Lagerhalle ohne Menschen befördert ein autonom fahrender Gabelstapler Paletten. - Copyright: Waku Robotics
In einer Lagerhalle ohne Menschen befördert ein autonom fahrender Gabelstapler Paletten. - Copyright: Waku Robotics

Erste Roboterhersteller erreichen Milliardenbewertung

Der Markt für mobile Roboter ist im vergangenen Jahr um rund 70 Prozent gestiegen. Nach einer Studie des britischen Marktforschungsunternehmens Interact Analysis wurden 2021 weltweit erstmals mehr als 100.000 mobile Roboter ausgeliefert. Die Hersteller erzielten damit einen Umsatz von rund drei Milliarden US-Dollar. „Mobile Roboter sind in Regionen mit hohen Arbeitskosten, niedriger Arbeitslosigkeit und hoher E-Commerce-Durchdringung am attraktivsten“, sagt Interact-Analysis-Manager Ash Sharma. Er geht davon aus, dass 2025 zwei Millionen Stück installiert sein werden. Locus Robotics war im vergangenen Jahr der erste Roboter-Hersteller, der einen Unicorn-Status erreichte – also eine Firmenbewertung von mehr als einer Milliarde Dollar.

Mobile Roboter lassen sich laut Splittgerber relativ einfach in die Logistik oder die Produktion von Unternehmen integrieren. Firmen ohne Erfahrungen benötigten etwa ein halbes Jahr für die Planung und Integration der Geräte. „Wir haben eigens eine Software dafür entwickelt, um festzustellen, wo sich autonome und manuelle Welt in die Quere kommen könnten“, sagt der Gründer. Die Preise für einen Gabelstapler-Roboter würden beispielsweise bei 50.000 Euro beginnen. „Das können sich auch Mittelständler leisten.“

Doch was ist, wenn es Probleme beim Betrieb gibt? Splittgerber zufolge benötigen die Kunden jeweils Mitarbeiter, die sich „mit dem Thema beschäftigen und hineindenken“. Bei Störungen würden in der Regel die Hersteller den Service übernehmen – das ginge häufig per Online-Wartung. Waku Robotics berät zum einen Firmen bei der Anschaffung und Installation von Robotern. Zum anderen konzentriert sich das Startup darauf, Systeme zu entwickeln, damit unterschiedliche Roboter, wie ein Transportsystem, ein Stapler und ein Reinigungsroboter miteinander interagieren können. „Wir machen sozusagen das Verkehrsmanagement, damit sich die Geräte nicht gegenseitig blockieren“, sagt Splittgerber. Dazu hat das Unternehmen mit 15 Mitarbeitern die Software Waku Sence entwickelt. Somit können Kunden auch Komplettlösungen erwerben oder deren Roboter-Systeme erweitert werden.

Für die Weiterentwicklung der Software und des Unternehmens hat das Startup im August 2022 rund 1,5 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt. Frisches Kapital gab es vom bereits beteiligten Londoner Proptech-VC Pi Labs, dem Kapitalgeber Plug and Play, Bito Campus, der TGFS Technologiegründerfonds Sachsen und dem ehemaligen Vattenfall-Manager Hans-Jürgen Cramer. Neu eingestiegen ist der Investor Schauenburg Ventures und der Gründer von Agilox, Franz Humer.

Laut Splittgerber „verbrennt Waku Robotics nicht so viel Geld“. Neben dem europäischen Markt wollen die Dresdner im kommenden Jahr auch in den USA aktiv werden. Die Zahl der Mitarbeiter soll mittelfristig auf 50 bis 100 steigen. Ziel sei es, den Kunden Softwarelösungen anzubieten, sodass mobile Roboter in der Logistik oder in der Industrie ähnlich problemlos eingesetzt werden können wie Saugroboter zuhause.