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Wie sich der Ex-Westwing-CMO aus seiner Sinnkrise befreite – und damit nun Geld verdient

Valentin Schellhaas hatte eine Sinnkrise und kämpfte sich selbst wieder heraus. Sein Startup Zentor hat das zum Geschäftsmodell gemacht.  - Copyright: Valentin Schellhaas
Valentin Schellhaas hatte eine Sinnkrise und kämpfte sich selbst wieder heraus. Sein Startup Zentor hat das zum Geschäftsmodell gemacht. - Copyright: Valentin Schellhaas

Status, Karriere, Familie: Check, Check, Check. Glück und Zufriedenheit? Fehlanzeige. Valentin Schellhaas war jahrelang Unternehmensberater, bereiste für seinen Job die Welt, immer Business Class und Fünf-Sterne-Hotels. Nach außen hin lebte der promovierte Psychologe ein erfolgreiches Leben. Vor acht Jahren wurde er Vater, wechselte dann zum mittlerweile börsennotierten Möbelhändler Westwing, wo er als Chef der Marketingabteilung rund 60 Angestellte leitete. Ein großer Karriereschritt. Doch wirklich glücklich machte das den Münchener nicht, wie er im Gespräch mit Gründerszene erzählt.

„Ich hatte das Gefühl, dass irgendetwas nicht mehr stimmt.“ Schellhaas sei häufig angespannt und depressiv gewesen. Er habe sein Leben nicht mehr in dem Maße genießen können wie früher, sich orientierungslos gefühlt. Und nicht mehr den Sinn in den Aufgaben gesehen, die er als Manager erledigen musste. Man könnte auch sagen: Er steckte in einer Sinnkrise fest.

Schellhaas begann, Bücher und Studien zu lesen. Ihn habe die Frage geplagt, was es braucht, um glücklich und zufrieden zu sein – und wie man überhaupt zu diesem Punkt gelangt. Gleichzeitig habe sich der Manager lange mit der Frage „Was will ich eigentlich?“ beschäftigt. Eine Ausbildung zum Kitesurfer im indischen Goa? Weiterhin Möbel bei Westwing vermarkten? In ein anderes großes Unternehmen wechseln? Oder selbst gründen?

Von München nach Mexiko

Seine Entscheidung fiel auf letzteres. Und so gründete der Münchner 2018 gemeinsam mit Regina Maueröder und Despina Giannopoulou das Coaching-Startup Zentor. Das Ziel sei es, Menschen darin zu schulen, ein erfüllendes Leben leben zu können. So wie Schellhaas es derzeit tut: Mit der Familie in Mexiko, in einem Haus direkt am Strand. Für ein ganzes Jahr. Genau das ist es, was der Gründer derzeit für sich brauche, um "ein erfüllendes Leben zu leben". In zwei Monaten gehe es allerdings wieder zurück nach Deutschland.

Mit sich zufrieden zu sein, sei nicht leicht und komme immer seltener vor, erklärt Schellhaas. Er bezieht sich dabei auf die Theorie des sogenannten Easterlin-Paradoxes, das besagt, dass Menschen durch Gehaltssprünge nicht automatisch zufriedener werden. Der promovierte Psychologe habe die Erfahrung selbst gemacht und lange geglaubt, dass er mit jeder Beförderung ein wenig glücklicher werden würde. Doch das Gegenteil war der Fall.

Kurse über ein erfüllendes Leben

Heute meint er, die Voraussetzungen für ein "erfüllendes Leben" zu kennen: Sinn, Engagement und Wertschätzung. Nicht Status, Karriere und Geld, wie es in einer Leistungsgesellschaft häufig propagiert werde. Um diesem Irrglauben entgegenzuwirken, bietet Schellhaas über sein Startup Zentor Kurse zum Thema Stressbewältigung und Resilienz an. Darin sollen Teilnehmer lernen, welche Art von Arbeit sie als sinnvoll erachten. Sie erlernen Methoden, um den Sinn in der eigenen Arbeit zu finden. Die Workshops dauern in der Regel zwischen acht bis zehn Wochen und finden in hybrider Form, also teils online und teils live, statt.

Beide Kurse kosten pro Person jeweils zwischen 150 und 200 Euro und werden dem Gründer zufolge von einigen gesetzlichen Krankenkassen übernommen, da es sich dabei um präventive Maßnahmen zur Bekämpfung psychischer Krankheiten handelt. Für die Teilnahme brauche es weder Rezept noch Überweisungsschein. Firmen können die Kurse ebenfalls für ihre Angestellten buchen. Unternehmen wie die Beratungsgesellschaft Deloitte oder Jochen Schweizer sind beispielsweise Kunden bei Zentor.

Die Kurse werden von Schellhaas und seinen beiden Co-Gründerinnen organisiert und durchgeführt. Wie viel sie mit den Kursen bisher eingenommen haben, will Schellhaas nicht verraten. Er und seine Co-Gründerinnen haben die Firma aus eigenen Mitteln finanziert und gerade erst angefangen, sich selbst Gehälter auszuzahlen. Nebenbei verfolgen alle drei Freelance-Tätigkeiten. Schellhaas nimmt beispielsweise Berateraufträge an und arbeitet als Coach für Startups in diversen Accelerator-Programmen.

Schellhaas macht nun das, worauf er Lust hat – und worin er einen Sinn sieht. Doch sorgt die neugewonnene Freiheit, die er durch die Gründung von Zentor hat, auch tatsächlich für mehr Zufriedenheit? Ja, meint er.

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