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Ex-Voestalpine-Chef kämpft um Chefposten bei der Industriellenvereinigung

Der frühere Chef des Stahlkonzerns Voestalpine will künftig die Industriellenvereinigung Österreich leiten. Doch das Rennen ist offen.

Der ehemalige Voestalpine-Chef möchte Österreich als Industriestandort stärken. Foto: dpa

Die Aufgabe als Aufsichtsratschef des Halbleiterkonzerns Infineon scheint Wolfgang Eder nicht genug. Der frühere Vorstandschef des österreichischen Stahlkonzerns Voestalpine, der seit seinem Ausscheiden im Sommer 2019 im Kontrollgremium des Unternehmens sitzt, will nun seine Erfahrung wirtschaftspolitisch einbringen. Eder, 68 Jahre alt, kämpft leidenschaftlich um das machtvolle Amt des Präsidenten der Industriellenvereinigung (IV) Österreich – des BDI der Alpenrepublik.

Doch das Rennen um die Nachfolge von Georg Kapsch, Chef des gleichnamigen Telematikkonzerns, ist noch offen. Der international vernetzte Eder tritt am Donnerstag gegen Martin Ohneberg, Mehrheitseigentümer und Chef des Vorarlberger Autozulieferers Henn, sowie gegen Georg Knill, Miteigentümer und Co-Geschäftsführer einer Technologiefirma aus der Steiermark, an. Wird also ein Manager – oder ein Unternehmer – künftig die IV leiten? Zwischen beiden Lagern herrscht traditionell eine gewisse Rivalität. Eder kann sich dabei auf die Unterstützung einflussreicher Unternehmer wie Stefan Pierer (KTM) oder Peter Mitterbauer (Miba) stützen. Zu Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) besitzt er ein gutes Verhältnis. „Wir haben regelmäßigen Kontakt und kommen gut miteinander aus“, sagt Eder.

Der Mann, der 15 Jahre lang an der Spitze der Voestalpine stand, hat eine Mission. Er will Österreich als Industriestandort stärken. Mit neuen Ideen. „Wir müssen am Image der Industrie stärker arbeiten“, sagte Eder am Montag dem Handelsblatt. „Viele Österreicher glauben immer noch, das Land lebt von Tourismus, Kultur und Landwirtschaft..“ Es sind Themen wie Klimaschutz, Bildungs- und Forschungspolitik, die den Oberösterreicher umtreiben. „Wir brauchen mehr Vernunft von allen Seiten, von der Politik und der Wirtschaft“, sagte Eder. Es nütze nun mal nichts, ein klimapolitischer Vorreiter zu sein, wenn dadurch der Wirtschaftsstandort beschädigt wird und Arbeitsplätze verloren gingen. Um klare Worte war Eder noch nie verlegen.