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Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser über Elon Musk: „Ich kann mich daran erinnern, wie er mich mitten in der Nacht anrief und anschrie“

Mit Elon Musk hatte Joe Kaeser nicht immer freundliche Gespräche.  - Copyright: Johannes Simon-Pool/Getty Images
Mit Elon Musk hatte Joe Kaeser nicht immer freundliche Gespräche. - Copyright: Johannes Simon-Pool/Getty Images

Joe Kaeser gehörte als Chef von Siemens jahrelang zu den wichtigsten Managern Deutschlands. Der Unternehmer baute den Traditionskonzern erfolgreich um und hat viele Kontakte ins Ausland. Zu seinen Geschäftspartnern gehörte auch der polarisierende Tesla-Chef Elon Musk. Im "OMR-Podcast" erzählt Kaeser, was er von dem Milliardär hält und wie er nachts von einem wütenden Musk angeschrien wurde.

Das erste Treffen zwischen dem ehemaligen Siemens-Chef und Musk liegt schon einige Jahr zurück. Vor seiner Zeit als Finanzvorstand und später Vorstandsvorsitzender war Kaeser für den Siemens-Konzern im Silicon Valley aktiv. Durch einen gemeinsamen Freund aus dieser Zeit, den Kaeser nicht namentlich nennt, sei es zum Kontakt zwischen ihm und Musk gekommen. Der Bekannte habe bei Kaeser angerufen und gesagt: „Ich hab da einen, der will elektrische Autos bauen, aber der hat keine Ahnung, wie das geht.“

"Man hatte den Eindruck, man hätte das Handy weglegen können und hätte ihn über den Atlantik auch noch gehört"

Seither stellt Siemens die Automatisierungstechnik für die Tesla-Fabriken – auch in Grünheide. Kaeser lernte durch seine Geschäfte mit Musk auch die schwierigen Seiten des Workaholics kennen. "Ich kann mich daran erinnern, wie er mich mitten in der Nacht anrief und anschrie", erzählt er im Podcast. "Man hatte den Eindruck, man hätte das Handy weglegen können und hätte ihn über den Atlantik auch noch gehört." Es gab demnach Probleme beim Hochfahren der Fabriken, Musk wusste sich nicht zu helfen. „Get your ass over here, I wanna see you tomorrow“, soll der Tesla-Chef dem Manager befohlen haben. Kaeser flog nicht. Das Problem wurde trotzdem gelöst.

"Elon Musk ist eine unglaublich interessante Persönlichkeit", sagt der 65-jährige Manager. Und weiter: Bei Musk gebe es einen schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn. „Er ist entweder genial unterwegs oder in so einer Weise, dass man sich wundern muss, dass solche Leute überhaupt Erfolg haben können.“

Musks Risikobereitschaft rechnet Kaeser ihm jedoch hoch an. Dass Musk nach all den Jahren immer noch alles auf eine Karte setzt, obwohl er viel zu verlieren habe, sei eine unternehmerische Gabe, die wenige hätten, so Kaeser. „Er macht viele geniale Sachen, die lange Zeit Menschen nicht verstehen und am Ende doch sagen: Ups, das war doch genial.“