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Ex-Mitarbeiter kämpft gegen Trump: Anthony Scaramucci hofft auf neue konservative Partei

Dörner, Astrid
·Lesedauer: 4 Min.

Der frühere Kommunikationschef im Weißen Haus sorgt sich angesichts der Macht von Trumps Anhängern. Er hofft, dass sich die Republikaner bald von ihm abwenden.

Anthony Scaramucci durchlebt in diesen Tagen ein Wechselbad der Gefühle. „Ich bin nicht so happy wie Melania, aber wahrscheinlich bin ich einer der fünf glücklichsten Menschen in diesem Land“, schwärmt er zur Begrüßung. „Donald Trump hat die Wahl verloren, und jetzt macht er sich lächerlich und bestätigt nur noch mehr, wie ungeeignet er als Präsident ist.“

Der Chef des New Yorker Hedgefonds Skybridge Capital teilt gern aus, am liebsten gegen Trump. Dabei hat Scaramucci den Präsidenten jahrelang unterstützt. 2017 war er sogar Trumps Kommunikationschef im Weißen Haus. Doch nach nur elf Tagen wurde er gefeuert und ist seitdem einer von Trumps lautesten Kritikern.

Doch Scaramucci ist auch in großer Sorge angesichts der politischen Nachrichtenlage. „Trumps Versuche, das Wahlergebnis zu kippen, sind beispiellos in der Geschichte der USA“, titelte die „New York Times“ am Freitag. „Trump nutzt die Macht der Präsidentschaft und versucht, im Amt zu bleiben“, heißt es bei der „Washington Post“. Das drückt Scaramucci auf die Stimmung.

„Machen wir uns nichts vor. Trump wird bis ans Äußerste gehen“, räumt er ein und verweist auf die vielen Klagen, die auf den früheren Immobilienentwickler und dessen Familie warten, sobald er nicht mehr im Amt sei. „Davor hat er Angst. Deshalb wird er bis zum bitteren Ende kämpfen.“

Gefragter Kommentator

Der Hedgefonds-Manager mit dem gegelten Haar und dem jugendlichen Lächeln genießt das Rampenlicht wie eh und je. In seinem Haus in Long Island, eine gute Stunde von Manhattan entfernt, hat er sich ein TV-Studio eingerichtet. Von dort aus lässt er sich immer noch regelmäßig zu CNN und dem Börsensender CNBC zuschalten. In der Wahlnacht und den Tagen danach war er ein gefragter Kommentator.

Das hilft dem 56-Jährigen, weiter relevant zu bleiben. Sein Flaggschiff-Fonds musste im Sommer Abflüsse von 900 Millionen Dollar verkraften. Immerhin konnte er seitdem knapp die Hälfte davon an neuen Geldern dazugewinnen. Die von ihm organisierte „Salt-Konferenz“, bei der er seit Jahren das Who’s who aus Politik und Wirtschaft zusammenbringt, findet in diesem Jahr über Videoschalten statt.

Scaramucci positioniert sich als Insider, der weiß, wie es im Weißen Haus wirklich zugeht, und der lautstark über seinen Seitenwechsel spricht. Auch in seinem Podcast, „Mooch FM“, eine Anspielung auf seinen Spitznamen, „The Mooch“.

Dafür, dass er Trump unterstützt hat, hat er sich inzwischen entschuldigt. Im Januar tritt er sogar mit Trumps früherem Stabschef John Kelly auf, der Scaramucci im Juli 2017 als seine erste Amtshandlung rausschmiss und mittlerweile selbst zu einem Kritiker des Präsidenten geworden ist.

Scaramucci kämpft nun dafür, eine neue konservative Partei aufzubauen. Der Sohn italienischer Einwanderer hat sein Leben lang für die Republikaner gestimmt. Nur in diesem Jahr nicht. „Wir müssen Biden wählen, um die Republikanische Partei zu retten“, hatte er vor der Wahl immer wieder erklärt. Nun jedoch sei die Partei, die einst die Banker und Unternehmer des Landes hinter sich scharte, nicht mehr zu retten.

„Wenn sie so weitermacht, wird es eine immer kleinere Partei, die Wähler mit extremen Ansichten bedient“, wettert Scaramucci. „Am Ende bleiben nur noch alte, weiße Anhänger übrig, die in den Werbepausen von Fox News die Kissen und Katheder aus den Werbespots bestellen.“

Hoffnung auf neue Partei

Von der „Grand Old Party“ sei er nur noch enttäuscht. Schon damals, als die republikanischen Senatoren das Amtsenthebungsverfahren scheitern ließen, war Scaramucci überrascht. Nun verspiele die Partei wieder eine Chance, denn jetzt sei eigentlich der Moment gekommen, um sich von Trump abzuwenden. Doch nur wenige hätten das bislang getan.

Dass der Leiter des Justizausschusses, Lindsay Graham, und Mehrheitsführer Mitch McConnell weiter zum Präsidenten halten, kann sich Scaramucci nicht erklären. „Ich habe Graham früher in seinen Wahlkämpfen finanziell unterstützt“, empört er sich. Viele Abgeordnete hätten schlicht nicht den Mut, sich gegen Trump und seine Unterstützer zu stellen.

Und was wäre, wenn Trumps Anhänger bei den Zwischenwahlen in zwei Jahren wieder für Politiker mit seinem Stil stimmen? „Das macht mir schon Sorgen“, gesteht Scaramucci.

Wenn die führenden Köpfe der Partei „Charakter hätten und moralische Prinzipien, dann würden sie sich jetzt abwenden von Trump und seinen Leuten, die schlicht unmoralisch sind“. Scaramucci engagiert sich schon seit Monaten für das „Lincoln Project“ und hofft, dass aus der Bewegung von Trump-kritischen Republikanern eine neue konservative Partei entstehen könnte. Eine, in der Platz sei für Diversität und weniger radikale Meinungen. Nur so würde man angesichts der demografischen Entwicklungen im Land künftig noch Wahlen gewinnen können.

Was Trump angeht, hält Scaramucci es zwar nicht für ausgeschlossen, wohl aber für unwahrscheinlich, dass er weiter an der Macht bleiben könnte. Scaramucci setzt darauf, dass sich die Partei endlich von ihm abwenden wird, nachdem alle wichtigen Bundesstaaten die Wahlergebnisse zertifiziert haben. Dann könne Joe Biden endlich mit der schwierigen Aufgabe beginnen, das Land zu einen. Es wäre höchste Zeit.