Deutsche Märkte geschlossen
  • Nikkei 225

    28.633,46
    +391,25 (+1,39%)
     
  • Dow Jones 30

    30.930,52
    +116,26 (+0,38%)
     
  • BTC-EUR

    30.112,97
    -60,02 (-0,20%)
     
  • CMC Crypto 200

    724,15
    +8,96 (+1,25%)
     
  • Nasdaq Compositive

    13.197,18
    +198,68 (+1,53%)
     
  • S&P 500

    3.798,91
    +30,66 (+0,81%)
     

Innogy-Manager Bernhard Günther wird Finanzvorstand bei Fortum

Flauger, Jürgen
·Lesedauer: 3 Min.

Nach der Übernahme seines bisherigen Arbeitgebers arbeitet Günther künftig für den finnischen Mutterkonzern von Uniper – und muss sich wieder um ein Integrationsprojekt kümmern.

Der Innogy-Finanzvorstand wurde im März 2018 Opfer einer Säureattacke. Seine Karriere konnten die Täter nicht – wie vermutlich beabsichtigt – zerstören. Foto: dpa
Der Innogy-Finanzvorstand wurde im März 2018 Opfer einer Säureattacke. Seine Karriere konnten die Täter nicht – wie vermutlich beabsichtigt – zerstören. Foto: dpa

Er ist der letzte Vorstand von Innogy, der nach der Übernahme seines Unternehmens durch Eon noch an Deck geblieben war. Nach Abschluss der Formalitäten wird nun auch Finanzvorstand Bernhard Günther zum Jahresende ausscheiden.

Der 53-Jährige hat aber schon eine neue Aufgabe gefunden – in gleicher Funktion: Günther wird zum 1. Februar Finanzvorstand des finnischen Energiekonzerns Fortum, dem Mutterkonzern des deutschen Stromproduzenten Uniper, wie das Unternehmen am Freitagmorgen bekanntgab.

Für die Finnen sitzt er bereits im Aufsichtsrat von Uniper. Auch den Stahlhersteller Thyssen-Krupp kontrolliert Günther. Diesen Posten will er nach Informationen des Handelsblatts auch weiterhin behalten. Andere Aufsichtsratsmandate strebt der Finanzvorstand aber nicht an.

Günther war Anfang 2018 Opfer einer Säureattacke geworden. Am 4. März, an einem Sonntagmorgen, war der Manager unweit seines Hauses in Haan bei Düsseldorf nach einer Joggingrunde von zwei Männern überfallen und mit Säure übergossen worden. Günther überlebte schwer verletzt und ist von der Tat gezeichnet, der Fall ist aber bis heute ungelöst.

Ein mutmaßlicher Täter, den Günther identifiziert haben will, wurde zwar zwischenzeitlich verhaftet. Die Beweise reichen aber bislang nicht aus. Das gilt auch für den mutmaßlichen Drahtzieher, einen ehemaligen persönlichen Konkurrenten, den Günther verdächtigt.

Die Säureattacke ist bis heute nicht aufgeklärt

Als der Manager, der mehr als 22 Jahre lang für Innogy und den Mutterkonzern RWE gearbeitet hat, im Frühjahr 2018 wieder zu arbeiten anfing, erwartete ihn eine schwierige Aufgabe: Kurz nach der Tat war sein Arbeitgeber von einer Übernahmeofferte durch Eon konfrontiert worden.

Der Finanzvorstand wurde vom damaligen Innogy-Chef Uwe Tigges ausgewählt, von Innogy-Seite aus an der Verschmelzung mitzuarbeiten und auf die Interessen der Innogy-Mitarbeiter zu achten.

Günther arbeitete nicht nur bis zum Abschluss der Transaktion im September 2019, als die EU-Kommission ihre Freigabe erteilte, mit dem für die Integration von Eon zuständigen Chief Operating Officer Leonhard Birnbaum eng zusammen. Um den reibungslosen Übergang zu gewährleisten, blieb er auch nach der Übernahme als Finanzvorstand und Arbeitsdirektor an Birnbaums Seite. Der hatte zwischenzeitlich die Führung von Innogy übernommen.

Für Günther war das eine zwiespältige Aufgabe. Er selbst war maßgeblich an der Gründung von Innogy 2016 und dem erfolgreichen Börsengang beteiligt gewesen. Der promovierte Volkswirt hatte sich bei RWE vom Konzerncontrolling zunächst zum Finanzvorstand der Handelstochter hochgearbeitet. Der damalige RWE-Chef Peter Terium berief ihn 2012 zum Finanzvorstand und nahm ihn dann in der gleichen Funktion mit zum neuen Unternehmen Innogy, das fulminant an der Börse startete, aber schon wenig später wieder die Selbstständigkeit verlor.

Der Integrationsaufgabe habe er sich aber mit „seiner zupackenden, immer konstruktiven und in höchstem Maße professionellen und loyalen Einstellung“ gewidmet, wie Eon-Chef Johannes Teyssen bei der Bekanntgabe von Günthers Ausscheiden lobte.

Birnbaum bezeichnete ihn als „Glücksfall“: „Ich könnte mir keinen besseren Kollegen als Integrationsleiter und Vorstandskollegen bei Innogy vorstellen.“

Birnbaum wurde zum Eon-Chef gekürt

Für Birnbaum selbst war der Job die letzte Bewährungsprobe für den nächsten Karriereschritt. Der 53-Jährige wurde in dieser Woche zum Nachfolger von Johannes Teyssen als nächster Eon-Chef gekürt.

Und auch für Günther war die Integrationsaufgabe ein Bewerbungsschreiben. Der Finanzvorstand wird sich bei seinem neuen Arbeitgeber um eine ähnliche Aufgabe kümmern müssen, wenn auch von anderer Seite.

Fortum hat in diesem Jahr die Mehrheit an Uniper übernommen und hält inzwischen 75 Prozent. Nachdem sich der deutsche Stromproduzent lange gegen den Einstieg der Finnen gewährt hatte, wollen die beiden Unternehmen jetzt näher aneinanderrücken. Die Integration wird ein Schwerpunkt in Günthers neuem Job sein. Er wird dafür auch regelmäßig zwischen dem Konzernsitz Helsinki und dem Rheinland pendeln.

Mit Leonhard Birnbaum hat Bernhard Günther vor und nach der Übernahme von Innogy durch Eon eng zusammengearbeitet. Foto: dpa
Mit Leonhard Birnbaum hat Bernhard Günther vor und nach der Übernahme von Innogy durch Eon eng zusammengearbeitet. Foto: dpa