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Ex-Bundesbanker Dombret geht zu Oliver Wyman

Andreas Dombret steigt bei Oliver Wyman ein. Früher beaufsichtigte der Deutsch-Amerikaner Banken, jetzt wird er sie beraten.

Diese Personalie gehörte zu den Lieblingsspekulationsobjekten der Frankfurter Bankerszene: Welchen Job wird der ehemalige Bundesbankvorstand Andreas Dombret annehmen, sobald er genügend Abstand zu seiner alten Aufgabe gewonnen hat?

Jetzt hat sich Dombret entschieden, allerdings nicht für einen einzigen Job, sondern für ein ganzes Portfolio an Aufgaben. Die wichtigste davon: Der ehemalige Bundesbanker heuert nach Informationen des Handelsblatts als Global Senior Advisor bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman an.

Der Deutsch-Amerikaner soll künftig Banken und den öffentlichen Sektor strategisch beraten. Außerdem soll er Wyman helfen, die strategischen Beziehungen auf Vorstandsebene auszubauen und das Produktangebot für Regulatoren und Zentralbanken weltweit weiterzuentwickeln. Bis zu 50 Prozent seiner Zeit will Dombret dieser Aufgabe künftig widmen.

„Mit Andreas Dombret konnten wir einen weltweit anerkannten und erfahrenen Bankmanager, Notenbanker und Regulator für unser Team gewinnen“, freut sich Ted Moynihan, Global Head of Financial Services bei Oliver Wyman. Für Dombret ist klar, dass der Bankensektor vor großen strukturellen und strategischen Herausforderungen steht, und der prominente Banker will seinen Beitrag dazu leisten, diese Probleme anzugehen.

In seiner achtjährigen Amtszeit bei der Bundesbank galt Dombret als eine Art „Außenminister“, die Themen Finanzmärkte, Finanzmarktstabilität und die Bankenaufsicht fielen in seine Verantwortung. Er vertrat die Notenbank in zahlreichen internationalen Gremien und Institutionen, wie dem Internationalen Währungsfonds, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich oder der EZB.

Seine Karriere startete er im Investmentbanking, mit Stationen bei der Deutschen Bank, JP Morgan und Rothschild. Bevor er 2010 zur Bundesbank wechselte, leitete er das Geschäft der Bank of America im deutschsprachigen Raum.

Internationales Portfolio

Die internationale Ausrichtung ist Dombret auch in seiner neuen Karrierephase wichtig, das zeigt sich bei der Zusammensetzung seines vielfältigen Job-Portfolios. Im vergangenen Sommer endete der erste Teil seiner vorgeschriebenen zweijährigen Abkühlungsphase nach der Bundesbank. Ab diesem Zeitpunkt durfte Dombret Posten annehmen, die nichts mit dem operativen Management eines Finanzunternehmens zu tun haben.

So arbeitet der Ex-Bundesbanker mittlerweile als „Global Advisor“ für den japanischen Bankkonzern Sumitomo. Außerdem zog er in das Beratergremium der renommierten Londoner Researchfirma Autonomous ein.

Dazu kommt der Posten eines „Senior Advisor“ beim jungen aufstrebenden Finanztechnologieunternehmen Deposit Solutions, das er bei der Internationalisierung und Plattformentwicklung berät. Das Hamburger Fintech stieß erst vor Kurzem in den illustren Kreis der sogenannten Einhörner vor. So werden Technologieunternehmen genannt, deren Bewertung eine Milliarde Euro übersteigt.

Neben diesen Beratertätigkeiten liegt Dombret die Wissenschaft am Herzen. Der ehemalige Bundesbanker hält ehrenamtlich regelmäßig Seminare, Vorlesungen und Vorträge an der New Yorker Columbia Universität und an der European Business School in Oestrich-Winkel am Rhein. Außerdem sitzt er im Aufsichtsrat der Berliner Business School ESMT.

Wann immer in den vergangenen Monaten ein Spitzenjob in der deutschen Finanzszene frei geworden ist, fiel auch Dombrets Name. Ist es mit dem neuen Job bei Oliver Wyman jetzt vorbei mit solchen Spekulationen? Vertraute berichten, dass der prominente Banker zwar nichts ausschließen will, aber mit seinem neuen globalen Aufgabenportfolio sehr glücklich sei.