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Europa könnte kontroverse MiFID-II-Regel lockern für Aufschwung

Silla Brush und Ksenia Galouchko

(Bloomberg) -- In Europa könnten Beschränkungen für die Analyse aufstrebender Unternehmen gelockert werden - im Rahmen eines Vorstoßes, die Wirtschaft nach der Coronavirus-Pandemie wieder zu beleben.

Die Behörden der Europäischen Union beraten über eine Lockerung der “Unbundling”-Regeln, mit denen die Handelsgebühren von den Kosten für Research-Dienstleistungen entflochten wurden. Das geht aus vertraulichen Regierungsdokumenten hervor, in die Bloomberg Einsicht hatte. Erwogen wird demnach eine Umkehr dieses kontroversen Aspekts in der Finanzmarktrichtlinie MiFID II für die Analyse kleinerer und mittlerer Unternehmen.

Seit der Einführung von MiFID II im Jahr 2018 wurde die Entflechtungsvorschrift dafür verantwortlich gemacht, dass Banken keinen Anreiz mehr haben, Research zu produzieren. Das gilt besonders für kleinere Unternehmen, die ohnehin Schwierigkeiten haben könnten, die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich zu ziehen.

In den Bloomberg vorliegenden Unterlagen heißt es auch, dass die Emittenten selbst möglicherweise dazu ermutigt werden, mehr Analysen zu finanzieren, ebenso wie Börsen und andere Märkte, an denen Wertpapiere gehandelt werden.

MiFID II hat die Investment-Research-Branche von London und Paris bis zur Wall Street auf den Kopf gestellt. Die Riege der Aktienanalysten schrumpfte, und die Einnahmen gingen zurück. Banken und Broker sind nicht mehr in der Lage, Analysen von Unternehmen mit den Gebühren für die Ausführung von Handelsgeschäften zu verknüfpen. Und es ist besonders schwierig, Geld mit der Analyse kleinerer Unternehmen zu verdienen, die relativ selten gehandelt werden.

Die Entflechtung zielte darauf ab, Interessenkonflikte zu verringern. Die Behörden achten darauf, solche Konflikte bei Änderungen an dem Regelwerk zu vermeiden, heißt es in den Dokumenten. Die Europäische Kommission, die Exekutive der EU, lehnte eine Stellungnahme ab.

“Aus meiner Sicht ist MiFID II nur kompliziert und kostspielig - es hat die Transparenz nicht erhöht, insbesondere wenn es um Research geht”, sagte Friedrich Mostböck, stellvertretender Vorsitzender der European Federation of Financial Analysts Societies und Leiter Group Research bei der österreichischen Erste Group Bank AG, in einem Interview. “Man kann keinen innovativen und wachstumsstarken Markt aufbauen, wenn es keine Informationen zu diesen kleineren Aktien gibt.”

Der Finanzbranche wurden im Zuge der Coronavirus-Krise Erleichterungen gewährt. Doch Abgeordnete und Lobbyisten für Banken und Vermögensverwalter streben auch längerfristige Änderungen an, die Investitionen ankurbeln sollen. Die Behörden haben bereits andere Änderungen an MiFID II erwogen, um die Compliance-Kosten zu mindern.

Überschrift des Artikels im Original:Europe May Relax Controversial Free Research Ban to Lift Economy

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