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Europa importiert jetzt 13 Millionen Tonnen Flüssiggas aus Russland – und Deutschland profitiert davon kräftig

LNG-Tanker verschiffen das Flüssiggas aus Russland um die ganze Welt – vermehrt jetzt auch nach Europa. - Copyright: Picture Alliance
LNG-Tanker verschiffen das Flüssiggas aus Russland um die ganze Welt – vermehrt jetzt auch nach Europa. - Copyright: Picture Alliance

Während man sich bei russischem Öl auf ein europaweites Embargo geeinigt hat, ist die Sache beim Gas anders gelagert, auch wenn seit September kein russisches Gas mehr direkt nach Deutschland fließt. Nord Stream 1 ist beschädigt und die LNG-Terminals an den Küsten sind noch nicht in Betrieb. Das heißt aber noch lange nicht, dass Deutschland nicht nach wie vor von russischen Gaslieferungen profitiert oder gar selbst russisches Erdgas verfeuert.

Woher das Gas genau kommt, das in den Kraftwerken zur Stromproduktion oder von Haushalten zum Heizen genutzt wird, lässt sich zwar nicht ganz genau sagen. Denn Gas wird von Energieversorgern in das Gasnetz eingespeist. Welches Gas dann wo konkret dem Gasnetz wieder entnommen wird, ist nicht feststellbar.

Doch das deutsche Gasnetz ist eng verwoben mit dem europäischen Gasnetz und hier wird weiter ordentlich russisches Gas eingespeist. Und zwar mittels russischer LNG-Lieferungen. Zwischen Januar und November wurden in Europa 13 Millionen Tonnen LNG aus Russland importiert. Das zeigen Daten des Marktforschungsunternehmens ICIS, die Business Insider vorliegen. Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres waren es hingegen nur 12,2 Millionen Tonnen LNG aus Russland. Trotz russischem Angriffskrieg steigen also die LNG-Importe, statt zu sinken.

Belgien und Frankreich importieren deutlich mehr LNG aus Russland als im vergangenen Jahr

Dabei gibt es Länder, bei denen deutlich mehr russisches Flüssiggas an den Häfen entladen wurde. In Frankreich laut den ICIS-Zahlen rund 2.170.153 Tonnen mehr LNG in den besagten Monaten. Das deutsche Nachbarland Belgien hat sogar ganze 833.685 Tonnen mehr aus Russland geliefert bekommen. In den Niederlanden hingegen wurden 86.875 Tonnen weniger importiert.

Jetzt könnte man sagen, dass ja Deutschland kein russisches LNG importiere, sondern nur Frankreich, Belgien und Co. Doch: Länder wie Frankreich und Belgien exportieren derzeit auch mehr Gas nach Deutschland.

Deutschland importiert Gas aus Frankreich und Belgien

Aktuelle Zahlen der Bundesnetzagentur belegen das und zeigen eine steigende Tendenz. Aus Frankreich wurden im Oktober rund 3100 Gigawattstunden Gas nach Deutschland geliefert. In den vorherigen Monaten des Jahres kam gar kein Gas aus Frankreich. Belgien schickte sogar ganze 16.000 Gigawattstunden mehr nach Deutschland. Möglich ist außerdem, dass Frankreich Gas über Belgien und die Niederlande nach Deutschland schickt

Ob darunter auch russisches Gas ist, lässt sich, wie erklärt, nicht feststellen. Ausgeschlossen werden kann es allerdings auch nicht. Außerdem scheinen die Länder genügend Gas zu haben, um auch welches an Deutschland weiterliefen zu können – eben weil sie die Importe von russischem LNG erhöht haben.

In Zukunft könnte Deutschland sogar direkt russisches LNG importieren. In Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Lubmin sollen noch in diesem Jahr schwimmende Terminals Flüssiggas ins deutsche Gasnetz einspeisen. Bislang ist allerdings nur bekannt, dass die Vereinigten Arabischen Emirate LNG nach Brunsbüttel liefern wollen. Ob Deutschland dann auch tatsächlich direkt russisches LNG an seinen Häfen entlädt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.