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Darum ist Europa bei der Energiekrise noch nicht über den Berg, laut einem Experten von Goldman Sachs

 - Copyright: Anton Petrus
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Europa ist mit seiner Energiekrise noch nicht über den Berg, denn die Ölpreise werden Anfang nächsten Jahres in die Höhe schießen, ist Jeff Currie, Global Commodities Chief von Goldman Sachs, überzeugt. In einem Interview mit CNBC am Montag sagte er, dass Engpässe bei der Ölversorgung zu Problemen führen könnten, da das Verbot der Europäischen Union für russisches Öl näher rücke und die westlichen Länder sich einer Preisobergrenze näherten. Das habe zur Folge, dass die Preise möglicherweise in die Höhe getrieben werden könnten, falls Russland eine Vergeltung ausübt.

Hinzu kämen weitere Faktoren, wie die Abkehr Chinas von seiner Abschottungspolitik, die Verlangsamung der Schieferölproduktion in den USA und das Ende der Freigabe von Öl aus der strategischen Erdölreserve der USA, die die Regierung von Präsident Joe Biden seit Mai zur Dämpfung der hohen Ölpreise eingesetzt hat.

„Wenn man alles zusammennimmt, wird es Ende dieses Jahres und Anfang nächsten Jahres bullisch", so Currie. Der Rohstoffexperte warnte, dass die Ölpreise bereits im Dezember ein Thema sein könnten, und bestätigte eine frühere Goldman-Schätzung, wonach die Rohölsorte Brent einen Preis von 111 Euro pro Barrel erreichen würde.

Wie gut ist Europa vorbereitet?

In der Zwischenzeit hat Europa seine Erdgasvorräte aufgestockt und die Käufe von verflüssigtem Erdgas (LNG) vor dem Winter erhöht. Dies wird dazu beitragen, die Versorgungsengpässe zu verringern, die durch den Rückgang der russischen Gaslieferungen entstanden sind. Dennoch bleiben die langfristigen Probleme bei der Bewältigung der Energiekrise bestehen, warnte Currie.

„Man wird nie von einem Zug überfahren, den man kommen sieht. Europa hat sich darauf vorbereitet, es hat sich damit befasst. Aber sie haben sich noch nicht mit dem Problem des nächsten Sommers und des darauffolgenden Winters auseinandergesetzt. Es gibt also immer noch ein strukturelles Problem, mit dem sie umgehen müssen", so der Experte. „Wir sind mittel- oder längerfristig gesehen noch nicht über den Berg", fügte er später hinzu.

Dieser Artikel wurde von Zoe Brunner aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.