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EZB öffnet Geldschleusen in der Eurozone

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Der Leitzinssatz ist weiter gesunken

Die Europäische Zentralbank (EZB) verschärft ihren Kampf gegen die niedrige Inflation und das langsame Wirtschaftswachstum in der Eurozone. Der Gouverneursrat der Notenbank beschloss in Frankfurt am Main einstimmig eine Reihe von Schritten, darunter eine Absenkung des Leitzinses für die Eurozone auf 0,15 Prozent und einen Strafzins für Banken, die überschüssiges Geld bei der EZB einlagern, wie EZB-Präsident Mario Draghi sagte.

Mit dem Wert von nur noch 0,15 Prozent habe der Leitzins seinen Tiefpunkt nun erreicht, sagte Draghi. Allerdings werde der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der EZB mit Geld versorgen, nun "für eine längere Zeit" auf diesem niedrigen Niveau verharren.

Die Währungshüter beschlossen außerdem, die Banken der Eurozone noch bis Ende 2016 uneingeschränkt mit Liquidität zu versorgen und ihre Vorbereitungen für ein groß angelegtes Programm zum Aufkauf von Kreditpapieren zu "intensivieren". Mit einer so erzeugten Geldschwemme will die EZB die Inflation im Euroraum nach oben treiben, die zuletzt bei nur 0,5 Prozent gelegen hatte. Die EZB strebt stets eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent an.

Zwar sähen die Währungshüter keine Anzeichen für eine Deflation, aber je länger die Phase der niedrigen Teuerung anhalte, "um so größer werden die Risiken", sagte Draghi. Und das sei es, worauf die Notenbank nun reagiere, nachdem sie ihre Prognosen zur Inflation habe nach unten korrigieren müssen.

Zusätzliches Wachstum soll auch mit einer besseren Kreditvergabe vor allem in Südeuropa gelingen. Deshalb beschlossen die Notenbanker Schritte, um die Kreditvergabe anzukurbeln. Dazu soll der erstmals für Bankeinlagen bei der EZB erhobene Strafzins von 0,1 Prozent dienen. Außerdem kündigte Draghi zwei Notenbankkredite mit vierjähriger Laufzeit für die Geschäftsbanken an. Jedes Institut, das sich dabei Geld leihe, müsse dieses dann an die Realwirtschaft weiterverleihen. "Da wird es Überprüfungen geben!", kündigte Draghi an.

An der Börse kamen die Ankündigungen der Notenbanker bestens an. Kaum hatte Draghi die EZB-Pläne verkündet, sprang der deutsche Leitindex Dax erstmals in seiner Geschichte für kurze Zeit über die Marke von 10.000 Punkten. Zum Börsenschluss lag er bei 9947 Punkten.

Lob kam vom Internationalen Währungsfonds, der die "sehr proaktive Haltung" der EZB "ausdrücklich" begrüßte. Außerdem sei der Währungsfonds erfreut über die Ankündigung Draghis, notfalls weitere Maßnahmen gegen die niedrige Inflation im Euroraum zu ergreifen, erklärte ein IWF-Sprecher.

Schlechter kam die Kunde der Währungshüter in der deutschen Bankenbranche an. Die Politik des billigen Geldes verunsichere Sparer und destabilisiere die Finanzmärkte, kritisierte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon. Der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken nannte die Zinssenkungen "eine Placebopolitik auf Kosten der Sparer". Und auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Michael Kemmer, stellte infrage, ob die Banken den Negativzins nicht einfach lieber hinnähmen und zahlten, "als zu hohe Risiken an anderer Stelle einzugehen".