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Europäische Winzer werden Wein nicht los – jetzt wird er zu billigem Alkohol für die Industrie verarbeitet

"Das ist also ein sehr unwirtschaftlicher Prozess", erklärt Simone Loose, Professorin für Weinwirtschaft an der Hochschule Geisenheim. - Copyright: Popescu - Valceanu Marius/Shutterstock
"Das ist also ein sehr unwirtschaftlicher Prozess", erklärt Simone Loose, Professorin für Weinwirtschaft an der Hochschule Geisenheim. - Copyright: Popescu - Valceanu Marius/Shutterstock

In Europa haben Weinproduzenten in letzter Zeit Schwierigkeiten gehabt, ihren Wein zu verkaufen. Doch was passiert mit dem Überschuss, wenn die nächste Ernte bereits in den Startlöchern steht? Die Europäische Union springt ein, um der Branche zu helfen – und der Wein wird zu billigem Industriealkohol verarbeitet.

Seit Anfang 2023 wurden laut Angaben der EU-Kommission auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mehr als 105 Millionen Euro an EU-Geldern für die sogenannte Krisendestillation von europäischem Wein bereitgestellt. Dabei wird überschüssiger Wein in den Mitgliedsstaaten auf Kosten der EU destilliert, um den Alkohol dann beispielsweise für industrielle Zwecke zu verwenden.

Im vergangenen Jahr wurden demnach etwa 34 Millionen Euro für die Destillation von Wein ausgegeben. Allein im Januar dieses Jahres waren es bereits fast 71 Millionen Euro. Die größten Kosten entfielen dabei auf Frankreich mit insgesamt 68,5 Millionen Euro, gefolgt von Portugal mit über 18 Millionen Euro und Italien mit rund 15 Millionen Euro. Deutschland verarbeitete in diesem Zeitraum keinen Wein zu Industriealkohol mit Hilfe von EU-Geldern.

Destillation als Krisenmaßnahme

Im vergangenen Juni hat die EU-Kommission eine Sondermaßnahme verabschiedet, die es den Mitgliedsstaaten ermöglichte, durch Krisendestillation überschüssigen Wein aus dem Markt zu nehmen. Dies sollte dazu beitragen, den Weinmarkt zu stabilisieren und Platz für die Lagerung neuer Weine zu schaffen. Die angespannte Lage wurde durch verschiedene Faktoren verursacht: Die Inflation hatte Lebensmittel und Getränke verteuert, was dazu führte, dass die Verbraucher weniger Wein kauften. Zusätzlich gab es aufgrund guter Ernten ein Überangebot, und viele Betriebe hatten sich noch nicht vollständig von den Auswirkungen der Corona-Pandemie erholt.

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Bereits während der Pandemie hatte die EU Hunderte Millionen Euro in die Umwandlung von europäischem Wein investiert. Im Jahr 2020 waren es 250 Millionen Euro, wobei allein 127 Millionen Euro in die Destillation französischen Weins flossen. Im Jahr 2021 wurden etwa 43 Millionen Euro für die Krisendestillation ausgegeben, wobei diesmal vor allem rumänischer Wein (23 Millionen Euro) berücksichtigt wurde. Deutscher Wein wurde auch in den beiden Jahren der Pandemie nicht mithilfe von EU-Geldern destilliert. Laut dem Deutschen Weinbauverband gab es zu diesem Zeitpunkt keine signifikanten Absatzprobleme.

Ein unwirtschaftlicher Prozess

"Wein wird durch Lagerung nicht besser", erklärt Simone Loose, Professorin für Weinwirtschaft an der Hochschule Geisenheim. Obwohl der Weinkonsum weltweit zurückgeht, bleiben die Weinberge oft für 30 bis 40 Jahre bestehen. Wenn die Lager voll sind und Platz für neue Weine geschaffen werden muss, kann der Wein destilliert und für industrielle Zwecke genutzt werden. "Damit hat das Produkt noch einen Nutzen - auch wenn man Industriealkohol über Zellulose deutlich günstiger produzieren könnte", sagt Loose. "Das ist also ein sehr unwirtschaftlicher Prozess."

Die Krisendestillation macht laut Loose nur dann Sinn, wenn es sich um einmalige Schocks handelt und sich der Konsum danach erholt. Aktuell scheint dies jedoch nicht der Fall zu sein. Loose ist der Ansicht, dass es besser wäre, das Geld in die Umwidmung von Weinbergsflächen zu investieren. "Im einfachsten Fall sagt man: Wir haben zu viel Rotwein und der Trend geht zu Weißwein, also ändern wir zu Weißwein."

Da jedoch insgesamt weniger Wein gekauft wird, wäre es laut Loose sinnvoller, die Rebflächen in Europa zu reduzieren. Diese könnten dann für andere landwirtschaftliche Produkte, zur Förderung der Biodiversität oder zur alternativen Energieerzeugung genutzt werden.

AA/dpa