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Eurokrise noch lange nicht gelöst

Mannheim (dapd). Der scheidende Vorsitzende der sogenannten Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, glaubt, dass die Schuldenkrise in der Eurozone noch nicht bewältigt ist. Er sieht aber Fortschritte in den europäischen Krisenländern. Länder wie Italien, Spanien oder Portugal hätten jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt. Das ähnele einer Sucht. "Einem Drogenabhängigen in der Entzugsphase geht es dreckig. Aber hinterher, wenn er es überstanden hat, geht es ihm wesentlich besser", sagte der scheidende Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der Nachrichtenagentur dapd.

Diese Länder seien jetzt in der Entzugsphase. "Aber erste Lichtblicke einer Erholung zeichnen sich bereits ab, und wenn die Länder durchhalten, kommen sie wieder auf einen grünen Zweig", sagte Franz. So hätten Spanien und Portugal ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert.

Allerdings sieht Franz die hohe Jugendarbeitslosigkeit in den betroffenen Ländern mit Sorge. So betrage die offizielle Quote in Spanien und Griechenland rund 50 Prozent.

Der 69-Jährige hört Ende Februar aus Altersgründen sowohl als Wirtschaftsweiser im Sachverständigenrat auf als auch als Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

Situation weiter fragil

Der "Welt am Sonntag" sagte Franz: "Dass wir in der Eurokrise das Schlimmste hinter uns haben, wage ich noch nicht zu sagen." Er fügte hinzu: "Wir wissen noch nicht, wie wir aus der derzeitigen Krise kommen." Zwar gebe es aus den Krisenländern gute Nachrichten, und die Politik habe in den vergangenen Monaten viel dafür getan, einen langfristigen, stabilen Ordnungsrahmen für die Währungsunion zu errichten. Trotzdem sei die Situation weiterhin fragil.

Franz glaubt sogar, dass sich die Krise in den kommenden Monaten wieder verschärfen könnte. "Wir wissen nicht, wie die Wahlen in Italien ausgehen, wie es in Zypern weitergeht, ob Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy die Schwierigkeiten überwindet und ob in Athen und Lissabon die Reformprogramme durchgehalten werden. Das sind beträchtliche Unsicherheitsfaktoren."

Auch Fuest skeptisch

Franz' Nachfolger beim Mannheimer ZEW, Clemens Fuest, hält ein Auseinanderbrechen der Eurozone noch immer für möglich. Fuest sagte am Sonntag im Südwestrundfunk: "Kurzfristig ist die Gefahr vielleicht gebannt, aber mittelfristig kann es schon sein, dass die Eurozone auseinanderbricht."

Der Ökonom, der zurzeit noch an der Universität Oxford lehrt, kann sich zwei mögliche Szenarien vorstellen: "Es könnte sein, dass ein Land wie Finnland zum Beispiel befürchtet, dass es für die Schulden der Krisenstaaten aufkommen muss und die Eurozone verlässt. Das zweite Szenario wäre, dass in den Staaten in Südeuropa, wenn die Rezession anhält, irgendwann politische Kräfte die Oberhand gewinnen, die sagen, wir gehen, wir machen nicht mehr mit."

Erst wenn das Wachstum zurückkehre und die Arbeitslosigkeit in Südeuropa sinke, sei die Gefahr gebannt, sagte Fuest. "Davon sind wir aber noch weit entfernt", fügte er hinzu.

dapd

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