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Euro-Gruppe schlägt Niederländer für EZB-Posten vor

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Frank Elderson soll die Nachfolge des Luxemburgers Yves Mersch im Führungsgremium der EZB antreten. Aus dem Europaparlament wird Kritik an dem Verfahren laut.

Das Vorgehen bei der Postenbesetzung stößt bei Teilen des Europaparlaments auf Kritik. Foto: dpa
Das Vorgehen bei der Postenbesetzung stößt bei Teilen des Europaparlaments auf Kritik. Foto: dpa

Die Finanzminister der Euro-Zone haben sich auf den Niederländer Frank Elderson als neues Mitglied des Führungsgremiums der Europäischen Zentralbank (EZB) geeinigt. Der 50-Jährige leitet derzeit als Direktor die niederländische Bankenaufsicht und gehört zum Vorstand der niederländischen Notenbank. Er soll in Frankfurt den Luxemburger Yves Mersch ersetzen, dessen Amtszeit im Dezember endet.

Die Einigung der Euro-Gruppe ist nur eine Empfehlung. Die Entscheidung liegt letztlich bei den EU-Staats- und Regierungschefs. Auch das Europaparlament stimmt über die Personalie ab. Im Prinzip hat das Votum des Parlaments keine bindende Wirkung und kann den Prozess allenfalls verzögern.

Mersch ist im Direktorium neben dem Bereich Recht jedoch auch als Vizechef für die EZB-Bankenaufsicht (SSM) zuständig. Der Neubesetzung des Vizechefpostens der Bankenaufsicht muss das Europaparlament zustimmen.

Das Vorgehen bei der Postenbesetzung stößt bei Teilen des Europaparlaments auf Kritik – vor allem bei Grünen und Liberalen. Mit Elderson und dem Slowenen Bostjan Jazbec gab es lediglich zwei Männer als Kandidaten für die Position. Im vergangenen Jahr hatte das Europaparlament jedoch noch beschlossen, bei Nominierungen für das EZB-Direktorium nur Kandidatenlisten zu akzeptieren, auf denen auch eine Frau steht.

„Alle parlamentarischen Gruppen sind gut beraten, sich an diese Beschlüsse zu halten. Sonst werden wir als Parlament nicht ernst genommen“, warnt der grüne Europaparlamentarier Sven Giegold. Ihm geht es bei seiner Kritik nicht um die Person Elderson, den er für einen sehr guten Kandidaten hält.

Nur zwei Frauen im EZB-Rat

Die EZB wird mit Präsidentin Christine Lagarde inzwischen erstmals von einer Frau geführt. Insgesamt gibt es unter den 25 Mitgliedern des EZB-Rats aber nur zwei Frauen. Neben Lagarde gehört dazu die deutsche Isabel Schnabel. Besonders deutlich ist das Missverhältnis bei den 19 nationalen Notenbanken, die allesamt von Männern geführt werden.

Elderson, der seinen Master-Abschluss in Jura an der amerikanischen Columbia-Universität machte, hat langjährige Erfahrung in der Bankenaufsicht. Seit 2011 ist er in der niederländischen Notenbank für dieses Feld zuständig und verantwortete zuvor als Abteilungsleiter die Aufsicht über die Großbank ABN Amro.

Zudem hat er sich auch einen Namen auf dem Feld des Klimaschutzes gemacht. So leitet er seit 2017 das NGFS, ein weltweites Netzwerk von Zentralbanken und Aufsichtsbehörden, das sich für ein nachhaltigeres Finanzsystem starkmacht. Das Gremium befasst sich unter anderem mit der Frage, wie diese mit Risiken durch den Klimawandel für Banken und Versicherer umgehen sollen. Der Vater von zwei Kindern gilt zudem als sehr kulturinteressiert. In den Niederlanden leitet er auch die landesweite Stiftung für Violin-Wettbewerbe.