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Kampf gegen Inflation: US-Fed und Bank of England treiben die Zinsen hoch – und ausgerechnet die Türkei senkt die Zinsen

Die US-Notenbank Fed wird am Mittwoch die Zinsen erhöhen und damit die EZB unter Druck setzen.  - Copyright: picture alliance/AP Images | Susan Walsh
Die US-Notenbank Fed wird am Mittwoch die Zinsen erhöhen und damit die EZB unter Druck setzen. - Copyright: picture alliance/AP Images | Susan Walsh

Mit der US-Notenbank Fed und der Bank of England haben zwei wichtige Zentralbanken die Zinsen weiter angehoben. Im Kampf gegen die Inflation hob die Fed den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent an. Die Bank of England folgte mit einer Erhöhung um 0,5 Punkte auf 2,25 Prozent.

Damit wächst der Zinsabstand zur Euro-Zone wieder an, was Geldanlagen in Euro weniger attraktiv macht. In der Folge verlor der Euro an Wert und fiel nach der Zinsentscheidung der Fed auf 0,9809 US-Dollar und damit den tiefsten Stand seit rund 20 Jahren.

Die Vorgaben der Fed und der Bank of England setzen die Europäische Zentralbank unter Druck, die Zinsen für die Euro-Zone ebenfalls weiter kräftig anzuheben, um den Zinsabstand zu verringern. Ein schwacher Euro verteuert Importe in die Euro-Zone, also auch nach Deutschland. Dies gilt auch uns besonders für Energie, die meist in Dollar abgerechnet wird. Ein schwacher Euro heizt damit die Inflation zusätzlich an.

Fed-Chef Jerome Powell hatte nach der Zinsentscheidung eingeräumt, dass die Zinserhöhungen negative Folgen für die ohnehin angeschlagene Konjunktur in den USA haben. "Wir müssen die Inflation hinter uns lassen. Ich wünschte, es gäbe dafür einen schmerzfreien Weg, aber den gibt es nicht", sagte Powell.

Analysten in den USA rechnen damit, dass die Fed die Zinsen bis in den Winter noch mehrere Male anheben wird. Damit wachsen in den USA die Sorgen, dass höhere Zinsen die Rezession vertiefen und verlängern. Aus diesem Grund hat zum Beispiel Tesla-Chef Elon Musk bereits eine Zinssenkung gefordert und vor einer Deflation gewarnt, also vor gefährlich fallenden Preisen.

Die britische Notenbank geht davon aus, dass sich die britische Wirtschaft in einer Rezession befindet. Im Sommerquartal zwischen Juli und September dürfte die Wirtschaft leicht um 0,1 Prozent geschrumpft sein - auch wegen des arbeitsfreien Trauertages wegen des Todes des Queen. Bereits im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung zurückgegangen.

Welche Bedeutung haben die Entscheidungen für die EZB?

Die Europäische Zentralbank kann bis auf Weiteres kaum anders, als die Zinsen weiter kräftig zu erhöhen. Das liegt zum einen an den unverändert hohen Inflationsraten in der Euro-Zone. Insgesamt liegt die Inflation hier bei 9,1 Prozent, mit Höchstwerten von über 20 Prozent in den baltischen Staaten in unmittelbarer Nachbarschaft zu Russland.

Die EZB hat zuletzt am 8. September den wichtigsten Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent angehoben. Äußerungen aus der EZB und die globale Lage lassen derzeit kaum Zweifel daran, dass die EZB bei ihrer nächsten Sitzung am 26. Oktober die Zinsen noch einmal kräftig erhöhen wird. Im Dezember könnte dann ein weiterer Schritt folgen. An den Märkten wird für Ende des Jahres ein Zinsniveau von 2,5 Prozent in der Euro-Zone erwartet.

Ausgerechnet die Türkei mit 80 Prozent Inflation senkt die Zinsen

Aus dem Reigen der Zinserhöhungen scherte die türkische Notenbank aus - obwohl in der Türkei die Inflation mit rund 80 Prozent besonders hoch ist. Die Notenbank senkte ihren Leitzins am Donnerstag überraschend erneut um 1,0 Prozentpunkte auf 12,0 Prozent. Volkswirte hatten dagegen mehrheitlich mit einem unveränderten Leitzins von 13,0 Prozent gerechnet. Bereits im August hatte die Notenbank ihren Leitzins um 1,0 Prozentpunkte reduziert. Auch im vergangenen Jahr hatte sie mehrfach die Zinsen gesenkt.

Die Inflation hatte im August bei 80,2 Prozent gelegen. Dies war der höchste Stand seit 24 Jahren. Eigentlich wären nach ökonomischer Lehrmeinung also Zinserhöhungen angesagt. Schließlich strebt die Notenbank eine Inflationsrate von fünf Prozent an. Allerdings ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ein Gegner hoher Zinsen. Er hat immer wieder Druck auf die Notenbank ausgeübt. Dabei spielt schon die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr eine Rolle spielen. Erdogan verlangt von der Notenbank, die Konjunktur mit niedrigen Zinsen zu stützen..

Dies geht aber auf Kosten der türkischen Lira. Sie gab nach der Zinssenkung nach. Gegenüber dem US-Dollar ist die Lira so schwach wie noch nie. In der Spitze erreichte der Dollar einen Rekordstand von 18,40 Lira. Auch im Vergleich zu Währungen anderer Schwellenländer verliert die türkische Lira. Die schwache Lira verteuert die Importe und treibt die Inflation in der Türkei zusätzlich an.

Warum hält auch Japan an niedrigen Zinsen fest?

Eine zweite Ausnahme ist Japan, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die Zentralbank hielt auch am Donnerstag an ihrer Niedrigzinspolitik fest. Der Refinanzierungszins für Banken liegt bei minus 0,1 Prozent. Sie bekommen also eine Prämie, wenn sie sich kurzfristig Geld bei der Bank von Japan leihen.

Das setzte auch den japanischen Yen unter Druck. Zwar liegt die Inflation in Japan deutlich niedriger als in anderen Ländern. Sie steigt aber und ist zumindest für japanische Verhältnisse relativ hoch. Die Notenbank macht dennoch keine Anstalten, ihre extrem lockere Geldpolitik etwas zu straffen, was den Yen seit Monaten stark belastet.