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EU-Kommission will bis 2030 Zahl der jährlichen Gebäudesanierungen verdoppeln

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EU-Kommissionsvize Frans Timmermans
EU-Kommissionsvize Frans Timmermans

Die EU-Kommission will die Sanierung von Gebäuden in Europa deutlich beschleunigen. Um die Energieeffizienz zu steigern, soll sich die jährliche Renovierungsrate in den kommenden Jahren verdoppeln, kündigte die Brüsseler Behörde am Mittwoch an. Dafür sollen demnach "verbindliche Mindestnormen für die Energieeffizienz bestehender Gebäude" festgelegt werden. Für die Finanzierung hat die Kommission unter anderem den Corona-Hilfsfonds im Blick.

Die Behörde von Präsidentin Ursula von der Leyen treibt so ihre umfassenden Klimaschutzpläne voran. Globale Zielsetzung ist eine klimaneutrale EU bis 2050 - bis dahin soll mehr Treibhausgas aufgefangen oder kompensiert als ausgestoßen werden. Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen zunächst um 55 Prozent sinken. Derzeit ist der Energieverbrauch von Gebäuden nach Kommissionsangaben für 36 Prozent der Treibhausgase verantwortlich.

"Bei der derzeitigen Renovierungsrate werden wir unsere Klimaziele nicht erreichen", warnte EU-Kommissionsvize Frans Timmermans. Demnach werden nur ein Prozent der Gebäude jedes Jahr energieeffizient renoviert. Die Kommission will diese Rate bis 2025 auf 1,2 Prozent erhöhen und bis 2029 auf zwei Prozent verdoppeln.

Konkret schwebt ihr dafür die schrittweise Einführung verbindlicher Vorgaben zum Beispiel für Heizsysteme und Wärmeisolierung vor. Auch die Gesetzgebung zur Vermarktung von Bauprodukten und die Ziele für die Wiederverwertung von Materialien könnten überarbeitet und die Anforderungen an die Sanierung öffentlicher Einrichtungen ausgeweitet werden.

Den Investitionsbedarf für ihre Pläne beziffert die Kommission auf jährlich zusätzlich 275 Milliarden Euro. Dafür verweist sie an erster Stelle auf den geplanten Corona-Hilfsfonds, der den Mitgliedstaaten 750 Milliarden Euro für die Bewältigung der Corona-Krise bereitstellen soll. Auch der Fonds für einen gerechten Übergang, der den grünen Wandel in Kohleregionen fördern soll, könnte angezapft werden.

"Jetzt ist die Zeit zu handeln", sagte Energie-Kommissarin Kadri Simson. Bislang habe es bei der Sanierung von Gebäuden eine "bedeutenden Investitionslücke" gegeben. Nun täten sich aber "nie dagewesene Möglichkeiten" auf. Durch die Renovierung von 35 Millionen Gebäuden bis 2030 verspricht sich Brüssel darüber hinaus bis zu 160.000 zusätzliche "grüne" Arbeitsplätze im Bausektor.

"Das Vorhaben der EU-Kommission, die Gelder des EU-Wiederaufbaufonds für Renovierungen zu nutzen, ist vernünftig und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz", urteilte die CSU-Europaabgeordnete Angelika Niebler. Auch die Klimaschützer vom Climate Action Network begrüßten die Kommissionspläne grundsätzlich, ihnen gehen die Ziele aber nicht weit genug: Sie fordern eine Verdreifachung der Renovierungsrate.

Der Eigentümerverband Haus & Grund sieht Brüssel hingegen auf einem "unbezahlbaren Irrweg". Ein "Sanierungszwang" sei nicht zielführend und würde lediglich die Wohnkosten in die Höhe treiben, erklärte Verbandspräsident Kai Warnecke.

pe/muk