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EU soll Kartellverfahren gegen Amazon vorbereiten

Die EU-Behörden ermitteln schon länger gegen Amazon. Jetzt soll es laut Medienberichten ein offizielles Verfahren gegen den US-Riesen geben.

Der Internetriese steht im Fokus europäischer Behörden. Foto: dpa

Der Internetriese Amazon steht schon länger im Fokus der europäischen Behörden. Jetzt soll die Europäische Union eine Kartellbeschwerde gegen den Online-Händler eingereicht haben. Das berichtet das „Wall Street Journal“. Die EU-Kommission wollte sich zu den Gerüchten allerdings nicht äußern und betonte, dass die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien.

Die EU ermittelt bereits seit mehreren Monaten gegen den US-Konzern. Der Vorwurf: Kleinere Verkäufer sollen auf der Plattform benachteiligt werden. Sollte es tatsächlich zu einem Kartellverfahren kommen, drohen Amazon Bußgelder in Milliardenhöhe.

Der weltweit größte Online-Händler ist eines von mehreren Technologieunternehmen, das die Aufmerksamkeit der EU-Wettbewerbshüter auf sich gezogen hat. Die Europäische Union verdächtigt auch andere Unternehmen, sich mit unlauteren Methoden einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Das sie jetzt Beschwerde gegen Amazon vorlegen, ist das Ergebnis einer jahrelangen Untersuchung.

Anderthalb Jahre lang haben EU-Beamte Amazon-Händler befragt, um ein Bild davon zu erhalten, wie das Unternehmen mit den Verkäufern auf seiner Website umgeht und unter welchen Kriterien Produkte das begehrte Prädikat „Amazon's Choice“ erhalten, das den Käufern als Standardoption für den Kauf eines bestimmten Produkts angezeigt wird.

Der US-Riese ist kleineren Händlern auf seinem Online-Marktplatz gegenüber deutlich im Vorteil. Durch die gesammelten Daten seiner Kunden kann Amazon die Produkte seiner Eigenmarken immer gezielter platzieren.

Amazon hat in den nächsten Wochen Gelegenheit, Einspruch gegen die Vorwürfe zu erheben. Kritiker haben Fälle hervorgehoben, in denen Amazon offenbar Kopien von Bestsellern herausgebracht hat, die von anderen angeboten wurden.

Amazon steht auch in den USA vor einer kartellrechtlichen Untersuchung der Federal Trade Commission. Die EU-Untersuchung ist zwar noch nicht abgeschlossen, wird aber als erster großer Testfall in der EU gesehen, die die mächtigen US-Technologiefirmen stärker kontrollieren will.

Online-Händler „erwarten von der EU, dass sie Amazon eindeutig für schädliches Verhalten bestraft“, sagte Oliver Prothmann, Leiter des deutschen Online-Handelsverbandes BVOH, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Alle Händler sind sich sicher, dass Amazon die Daten der Händler verwendet, um wettbewerbswidrige Entscheidungen für sein eigenes Unternehmen zu treffen“. Amazon habe wiederholt bewirkt, dass Händler blockiert wurden, und zwar ohne angemessene Warnung, kritisiert Prothmann.

Amazon selbst wollte sich zu den Vorwürfen bislang nicht äußern und bezog sich laut Bloomberg auf eine Erklärung aus dem letzten Jahr, in der das Unternehmen versprach, „uneingeschränkt mit der Europäischen Kommission zusammenzuarbeiten und weiterhin hart daran zu arbeiten, Unternehmen jeder Größe zu unterstützen und ihnen beim Wachstum zu helfen“.

Auch der US-Bundesstaat Kalifornien nimmt laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ die Geschäftspraktiken des Online-Händlers unter die Lupe. Dem Bericht zufolge geht es darum, dass Amazon einerseits anderen Verkäufern seinen Online-Marktplatz zur Verfügung stellt, andererseits aber selbst über seine Webseite in Konkurrenz zu anderen Händlern Produkte anbietet. Von Amazon war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.