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Ethereum könnte Bitcoin langfristig überholen

Motley Fool Investmentanalyst

Seit Beginn des Jahres gibt es keine interessantere Investition als Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum. Diese beiden weisen die größte Marktkapitalisierung unter den digitalen Währungen auf und konnten 300 % im Falle von Bitcoin und 3200 % im Falle von Ethereum seit Jahresbeginn generieren. Im Vergleich dazu hat der S&P 500 Jahrzehnte dafür gebraucht, was diese beiden Kryptowährungen ihren Anlegern bieten.

Drei Gründe für die Kursanstiege

Emotionen haben offensichtlich eine entscheidende Rolle gespielt. Da Finanzinstitute Kryptowährungen entweder meiden oder von Management daran gehindert werden, mit ihnen zu handeln, liegt die Kursbewegung in den Händen der Kleinanleger. Diese Investoren sind deutlich anfälliger für Emotionen, die ihre Entscheidungen beeinflussen. In letzter Zeit gab es darüber hinaus Goldgräberstimmung, die die Preise noch weiter in die Höhe getrieben hat.

Wenn wir uns die Fundamentaldaten einmal ansehen, dann sehen wir die Blockchain. Vor kurzem fiel der Dollar auf ein Zweijahrestief im Vergleich zum Euro und auf ein Einjahrestief gegenüber anderen wichtigen Weltwährungen. Wenn der Dollar schwächer wird, dann erhöhen sich damit die amerikanischen Exporte, was Präsident Trump natürlich glücklich machen wird.

Andererseits reduziert das den Wert des Dollars, die die Investoren halten. Ein Dollar, der an Wert verliert, sorgt dafür, dass die Investoren stattdessen sichere Anlagen wie Gold kaufen. In letzter Zeit haben sie aber auch Bitcoin gekauft, die größte digitale Währung. Das könnte aber schon bald ein Ende finden.

Bitcoin könnte hinter Ethereum zurückfallen

Das Modell Kryptowährungen hat an sich keine garantierte Zukunft. Daher glaube ich, dass Ethereum eine bessere Chance auf langfristigen Erfolg hat als Bitcoin. Tatsächlich deuten auch die ersten Hinweise darauf hin, dass Ethereum Bitcoin schon bald überholen könnte.

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden digitalen Währungen liegt in der Blockchain-Technologie. Die Blockchain von Ethereum hat gegenüber der von Bitcoin einen entscheidenden Vorteil: die Unterstützung von intelligenten Vertragsanwendungen. Diese sogenannten Smart Contracts sind in ihrer einfachsten Form Computerprotokolle, die Vertragsverhandlungen erleichtern, verifizieren oder durchsetzen. Sie helfen komplexe Prozesse damit zu automatisieren und besser zu kontrollieren. Im Klartext ist es ein Protokoll, das innerhalb des Ethereum-Netzwerkes für große Unternehmen die Möglichkeit schafft, dass Geschäfte zwischen Unternehmen und Kunden sicher und effizient abgewickelt werden können.

Das Interesse an der Blockchain von Ethereum ist bereits jetzt sehr groß. Mehr als 150 Organisationen sind der Enterprise Ethereum Alliance seit Juli 2017 beigetreten, darunter neun bekannte Markenunternehmen. Diese Organisationen testen eine Version der Blockchain in mehreren kleinen und Pilotprojekten.

Bitcoin wird dagegen eher als eine Zahlungsplattform geschätzt und weniger für die Blockchain-Technologie. Zwar gibt es einige Unternehmen, die seit 2014 Bitcoin akzeptieren, aber das Netzwerk von Ethereum ist dem von Bitcoin deutlich überlegen. Bitcoin hat traditionell zwar höhere Transaktionskosten, längere Bearbeitungszeiten und hatte zwischendurch auch Probleme mit der Kapazität. Vor kurzem wurde Bitcoin in zwei Währungen aufgeteilt, Bitcoin und Bitcoin Cash, was die Sache verbessern könnte. Das bleibt aber abzuwarten.

Bei dieser Spaltung nutzten die Entwickler von Bitcoin das SegWit2x-Upgrade, was die Transaktionskosten und Abwicklungszeiten senkte und gleichzeitig die Kapazität steigerte, indem einige Informationen aus der Blockchain entfernt wurden. Ein Großteil der Bitcoin-Gemeinschaft war für SegWit2x, da Bitcoin damit attraktiver für große Unternehmen würde.

Allerdings bekam Bitcoin nicht die benötigten 80 % der Stimmen, um in zwei separate Währungen aufgespaltet zu werden. Die verbleibende Minderheit, die Bitcoin Cash bekam, entschloss sich dazu, die Kapazität innerhalb des ursprünglichen Blockchain-Rahmenprogramms zu erweitern. Diese Minderheit möchte, dass Bitcoin eine freie Währung bleibt.

Es ist eigentlich ganz einfach. Große Unternehmen unterstützen aktuell die Blockchain von Ethereum und daher wird der Wert dieser Kryptowährungen wahrscheinlich auch in diesem Bereich liegen.

Denk an diese eine Sache

Der Autor dieses Textes freut sich trotzdem nicht besonders über die langfristigen Aussichten der Kryptowährungen im Allgemeinen.

Zuerst einmal können wir nicht wissen, wie viel diese Technologie in einem Jahr, drei Jahren oder zehn Jahren wert sein wird. Die Unternehmen testen diese Technologie, es gibt aber keine großräumige Nutzung der Blockchain außerhalb von digitalen Währungen. Jede Bewertung von Kryptowährungen basierend auf der zugrundeliegenden Blockchain ist also nur reine Spekulation.

Wir dürfen auch nicht übersehen, welche Rolle die Einzelanleger mit ihren Investitionen in die Bitcoins, Ethereum und andere Kryptowährungen eingenommen haben. Ohne die Stabilisierungsfunktion der Wall Street haben die Emotionen die Möglichkeit, diese Währungen kurzfristig auf Berg- und Talfahrt zu schicken. Das könnte zu heftigen Verlusten für diejenigen führen, die nicht vorbereitet sind, oder nicht verstehen, wie Kryptowährungen funktionieren.

Darüber hinaus gibt es auch keine zentrale Handelsplattform. Dezentralisierung ist wichtig für den Erfolg von Kryptowährungen, um die Wahrscheinlichkeit einer Cyberattacke zu verhindern. Damit wird es aber auch schwer, solche Währungen zu legitimieren. Darüber hinaus kann es zu erhöhter Volatilität führen, wenn es ein Dutzend Börsen gibt.

Eine Regulierung von Bitcoins und anderen Kryptowährungen könnte auch Probleme bereiten. Das würde bedeuten, dass diese Währungen als gesetzliches Zahlungsmittel akzeptiert werden. In einigen Ländern wie in China könnte man diese Währungen aber ganz verbieten. China verbot vor kurzem Bitcoins und verkündete, dass man die einheimischen Börsen für Bitcoins und Kryptowährungen schließen wolle.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ethereum scheint am besten positioniert zu sein, um langfristig Erfolg zu haben. Es gibt aber keine Garantie dafür, dass Ethereum oder Bitcoin auch in ein paar Jahren noch bestehen werden. Ich empfehle, dass sich die Investoren von digitalen Währungen fernhalten, bis wir besser verstehen, wie sie reguliert werden und was die zugrundeliegende Technologie wirklich wert ist.

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Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 22.09.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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