Deutsche Märkte geschlossen

ETFs, Dividendenaktien & Co.: Was ist finanzielle Freiheit – und wie erreiche ich sie?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Egal ob mit Dividendenaktien, mit ETFs oder auch mit Wachstumsaktien: Ein Ziel, das alle Investoren eint, ist der bestmögliche Vermögensaufbau. Die Wege mögen sich hierbei zwar unterscheiden, aber der Fokus und das Ziel sind eigentlich immer gleich.

Ein kleineres Ziel, das sich im Laufe der Zeit häufig bei Investoren herauskristallisiert, auch wenn man die ersten Erfolge vorweisen kann, ist die finanzielle Freiheit. Ein gewiss hochgestochenes Ziel, worauf bereits das Wörtchen Freiheit hindeuten dürfte.

Doch was genau verbirgt sich hinter diesen zwei Wörtchen und wie erreiche ich sie? Beziehungsweise kann ich sie als Otto-Normal-Investor auch erreichen? Einige spannende Fragen, die förmlich nach Antworten schreien.

Finanzielle Freiheit – was ist das?

Doch zunächst schauen wir uns einmal an, was finanzielle Freiheit eigentlich ist. Die einfache Antwort an dieser Stelle: Finanzielle Freiheit ist der Zeitpunkt, an dem die eigenen Finanzen ausreichen, um in seinem Leben keinen Finger mehr erwerbstechnisch rühren zu müssen. Ab diesem Zeitpunkt ist man quasi unabhängig, insbesondere von der Arbeit.

Eine Zielvorstellung, die für viele sehr reizvoll ist, die einen persönlich allerdings nicht sonderlich weit bringt. Denn mit dieser Definition ist natürlich keine konkrete Zahl verbunden, sondern eher eine Vorstellung. Greifbar ist ein solcher hypothetischer Zeitpunkt hiermit schließlich noch nicht und leider gibt es keine zahlenmäßige Definition, die ausreichend ist.

Die eigene finanzielle Freiheit hängt zudem von einigen Kriterien ab. Einige kann man selbst bestimmen: Beispielsweise wie viel man für seine Miete benötigt, für die Krankenversicherung und weitere Versicherungen und für sein finanzielles Privatvergnügen. Andere Faktoren wie beispielsweise die Stadt, in der man als Investor lebt, und weitere daraus resultierende Lebensunterhaltskosten sind hingegen begrenzt beeinflussbar, entsprechend sind hier die Zeitpunkte, ab wann man finanziell frei ist, verschieden.

Ein wesentlicher Anknüpfungspunkt ist jedoch der Zeitpunkt, an dem entweder das Vermögen oder auch die regelmäßigen passiven Einkünfte ausreichend sind, um sich selbst und/oder seine Familie mit Geld zu versorgen. Wobei man natürlich möglichst lange hinausplanen und auch Dinge wie Rente und Krankenversicherung bedenken sollte. Ansonsten könnte die eigene finanzielle Freiheit möglicherweise recht kurz geraten.

Wie erreiche ich finanzielle Freiheit?

Die spannendere Frage ist für viele an dieser Stelle nun allerdings mit Sicherheit, wie man finanzielle Freiheit denn eigentlich erreicht. Allerdings wollen wir uns an dieser Stelle nicht um die Vorzüge von Dividendenaktien, ETFs oder Wachstumsaktien kümmern, sondern eher allgemeingültige Ansätze bewerten.

So ist man beispielsweise relativ einfach finanziell frei, wenn man von seinem Vermögen leben kann und dieses gänzlich aufzehren möchte. Wer beispielsweise kalkuliert, 30 Jahre lang 3.000 Euro jeden Monat ausgeben zu wollen, wird ein Vermögen von 1.080.000 Euro benötigen, um gemäß dieser Definition finanziell frei zu sein. Der Vorteil eines solchen Ansatzes ist, dass er vergleichsweise einfach zu erreichen ist. Der Nachteil hingegen, dass man Gefahr läuft, auf dem Trockenen zu landen, sollte man den Luxus genießen, doch länger zu leben als erwartet. Wobei die 1.080.000 relativ gesehen werden können, denn auch in den Jahren des Kapitalverzehrs kann der restliche Anteil stets an der Börse weiter wachsen. Diesen Zeitpunkt wird man somit bereits früher erreichen können.

Eine weitere Möglichkeit ist hingegen die sogenannte 4-%-Regel. Bei einem gedachten Portfolio, das zu in etwa hälftig aus Aktien und Anleihen besteht, manchmal liest man auch von einem Mix von 60/40, hätte ein Portfolio langfristig immer ausgereicht, wenn man lediglich 4 % des Volumens abgezogen hätte. Bei einem Gehalt von 36.000 Euro im Jahr würde man unter diesen Prämissen 900.000 Euro benötigen. Gewiss ebenfalls ein einfacherer Ansatz, der jedoch ebenfalls das latente Risiko birgt, auf dem Trockenen zu landen. Der historische Back-Check muss schließlich nicht für die Zukunft gelten.

Zu guter Letzt können Investoren auch derartig hohe passive Einkünfte generieren, dass man von seinen Dividenden leben kann. Wer beispielsweise auf eine Dividendenrendite von netto 4 % abzielt und ebenfalls ein Einkommen von 36.000 Euro im Jahr anvisiert, wird ebenfalls ein Dividendenportfolio von 900.000 Euro benötigen. Wobei man hier möglicherweise noch Sicherheitspuffer einplanen sollte, denn Dividenden müssen nicht zwingend sicher sein. Dieser Ansatz hat allerdings den Vorteil, dass man bei seiner finanziellen Freiheit nie die Substanz anrührt, sondern stets von den Gewinnen, die in Form der Dividenden ausgeschüttet werden, finanziert wird. Womöglich der nachhaltigste Ansatz, wobei man, wie gesagt, Dividendenkürzungen einplanen sollte.

Es gibt viele Wege!

Wie wir unterm Strich sehen können, gibt es viele Wege, wie man die eigene finanzielle Freiheit erreichen kann. Als Erstes sollte man hierbei den Punkt seiner Freiheit definieren und dann überlegen, wie man sie erreichen kann.

Noch eine gute Nachricht an dieser Stelle: Wer über 25 Jahre jeden Monat den Betrag von in etwa 983 Euro zu einer marktüblichen Rendite von 8 % pro Jahr investiert, wird es beispielsweise auf ein Vermögen von 900.000 Euro bringen können, was für den einen oder anderen vielleicht finanzielle Freiheit bedeutet.

Gewiss ein hoher Betrag, allerdings hat auch niemand behauptet, dass finanzielle Freiheit leicht zu erreichen ist. Allerdings kann man natürlich an der Zeit, am Betrag und auch an der Rendite schrauben, um hier noch so einiges für sich positiv zu beeinflussen.

Mehr Lesen

Motley Fool Deutschland 2019