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Eine ETF-Strategie für Anleger, denen Kursschwankungen schlaflose Nächte bereiten

Franziska Eggert, Motley Fool beitragende Investmentanalystin
Verkehrszeichen: Vorsicht Schleudergefahr

Vielleicht hast du in den letzten Tagen immer wieder bange Blicke in dein ETF-Depot geworfen und dich gefragt, wie weit es mit den Märkten noch abwärtsgehen wird. Kein Grund für übermäßigen Kummer oder schlaflose Nächte. Solange du bei Korrekturen oder Schwankungen am Markt – wie etwa in der aktuellen Coronakrise – einen kühlen Kopf behältst und deine Anlagen nicht verkaufst, bist du auf der sicheren Seite. Denn jeder gute Börsianer weiß: Nur realisierte Verluste sind echte Verluste. Die roten Zahlen in deinem Depot sind lediglich Buchverluste.

Dass wir alle uns Sorgen über unser Depot machen, ist völlig normal. Immerhin geht es um unser hart verdientes Geld – und vielleicht auch unsere Altersvorsorge. An der Börse tummeln sich nun mal sowohl risikofreudige als auch risikoscheue Anleger, die alle eine unterschiedliche Strategie verfolgen. Heute nehmen wir mal eine Strategie unter die Lupe, die besonders für risikoscheue Anleger interessant sein könnte: Es geht um sogenannte „Minimum-Volatility-Strategien“.

Wodurch sich die Strategie auszeichnet

Der Name lässt es bereits vermuten: ETFs mit Minimum-Volatility-Ansatz investieren in Aktien mit niedriger Volatilität. Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass der Wert der ETF-Anteile nicht so stark schwankt wie der breite Markt. Sehen wir uns das an einem Beispiel an: Der iShares Core MSCI World UCITS ETF USD (Acc) (WKN: A0RPWH) ist ein ETF, der breit gestreut in 1.642 Unternehmen aus Industrieländern investiert, die nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet sind. Zu diesem Standard-ETF gibt es ein Pendant mit Minimum-Volatility-Ansatz, und zwar den iShares Edge MSCI World Minimum Volatility UCITS ETF USD (Acc) (WKN: A1J781).

In unserem Beispiel wurde die Zusammensetzung des MSCI World Index also so optimiert, dass der Minimum-Volatility-ETF am Ende aus den Aktien mit den geringsten Kursschwankungen besteht. Daher setzt sich die Minimum-Volatility-Variante des MSCI World auch lediglich aus 343 verschiedenen Unternehmen zusammen. Mit einer Gesamtkostenquote von 0,30 % ist dieser ETF allerdings etwas teurer als der genannte Standard-ETF (0,20 %). Eine solche volatilitätsarme Variante gibt es für viele Regionen, auch für Europa oder die Emerging Markets (Schwellenländer).

Geringere Schwankungen, höhere Rendite?

Wie sehen die Volatilitätskennzahlen denn nun tatsächlich im Vergleich aus? Meiner Meinung nach in diesem Fall etwas enttäuschend. Mit einer Fünf-Jahres-Volatilität von 11,4 % war die Schwankungsbreite des Minimum-Volatility-ETFs nur leicht niedriger als beim normalen iShares Core MSCI World ETF, der im gleichen Zeitraum eine Volatilität von 13,5 % aufwies (Stand aller Volatilitäts- und Performancedaten: 02.03.2020). Für eine Strategie, die geringere Schwankungen verspricht, ist das in meinen Augen etwas dürftig.

Spannend wird es, wenn man einen Blick auf die Wertentwicklung der beiden ETF-Kandidaten wirft, zum Beispiel auf die Fünf-Jahres-Rendite: Der Minimum-Volatility-ETF hat in den letzten fünf Jahren satte 45 % zugelegt, während der iShares Core MSCI World ETF nur eine Performance von 35 % verbuchen konnte. Das ist offenbar keine ungewöhnliche Beobachtung. Eine Studie, bei der die Renditen des S&P 500 und des S&P 500 Low Volatility Index über drei Zeiträume von 1972 bis 2019 untersucht wurden, hat ergeben, dass Low-Volatility-Indizes in der Vergangenheit tendenziell eine Partizipation an Kursaufwärtsbewegungen ermöglicht und gleichzeitig Schutz in Marktphasen mit fallenden Kursen geboten haben.

Für wen Minimum-Volatility-Strategien sinnvoll sein können

Unterm Strich können Anleger, denen Marktschwankungen leicht aufs Gemüt schlagen, sich Minimum-Volatility-ETFs einmal näher ansehen. Bevor man sich so einen ETF ins Depot holt, lohnt es sich aber herauszufinden, wie viel niedriger die Volatilität bei einem solchen ETF tatsächlich ist. Diese Erkenntnis sollte dann auch gegen die möglicherweise höhere Gesamtkostenquote abgewogen werden.

Daneben sollten sich Anleger auch immer bewusst sein, dass diese ETFs in der Regel weniger Unternehmen enthalten und die Diversifikation damit mitunter nicht so hoch ist wie beispielsweise bei einem herkömmlichen ETF auf den MSCI World. Du solltest also immer das Für und Wider abwägen. Wenn du als ETF-Anleger mit einer solchen Strategie ruhiger schlafen kannst und dich das Wissen, dass du einen Minimum-Volatility-ETF im Depot hast, vor Panikverkäufen bewahrt, dann könnte diese Strategie eine Bereicherung für dein Portfolio und zugleich ein effektiver Schutz gegen eine mögliche Rentenlücke sein.

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