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ETF-Investoren im Vorteil: Warum „Profis“ keinen effizienten Markt sehen

Stefan Naerger, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.

ETF-Investoren haben es gut. Keine aufwendigen Unternehmensanalysen, um die besten Aktien für das Traum-Portfolio zu finden. Kein Herzkammerflimmern bei drastischen Entscheidungen übereifriger Manager.

Passiv investieren entspannt. Ja, man hat auch die ein oder andere Niete im Gepäck. Dafür ist die Investition extrem pflegeleicht.

Doch es gibt nicht nur passive ETFs und einzelne Aktien. Aktiv verwaltete Fonds gehören ebenfalls in das Universum der Finanzprodukte. Die Werbung der Fondsmanager klingt dabei stets logisch und nachvollziehbar. Der Markt ist „ineffizient“ – daher kann ein fähiges Team aus Analysten jederzeit die Perlen finden, die der Markt in seiner Ineffizienz übersieht.

Selbstverständlich gegen eine saftige Gebühr. Von einer Gesamtkostenquote von 0,07 % pro Jahr, wie sie nicht selten von passiven ETFs gefordert wird, werden die Damen und Herren Fondsmanager nicht satt. Dafür soll am Ende der ach so ineffiziente Markt aber auch geschlagen werden.

Das klingt fair. Deal oder kein Deal?

3 Kategorien effizienter Märkte

Zunächst muss man verstehen, was ein effizienter Markt in der Theorie eigentlich ist. Nobelpreisträger Eugene Fama beschreibt drei Kategorien effizienter Märkte:

  1. Historische Daten sowie alle Informationen, die aus einer technischen Analyse gewonnen werden können, sind im Markt eingepreist.

  2. Alle öffentlich verfügbaren Nachrichten und Informationen, die aus einer fundamentalen Analyse gewonnen werden können, sind im Markt eingepreist.

  3. Alle denkbaren Informationen sind im Markt eingepreist. Auch Informationen, die nur Insider besitzen.

Anhand dieser drei Kategorien effizienter Märkte kann man sich nun fragen, inwieweit ein Index wie der DAX – den man als DAX-ETF kaufen und passiv halten kann – ein effizienter Markt ist.

Sind alle Informationen, die man aus einer technischen Analyse gewinnen könnte, im DAX eingepreist? Aus meiner Sicht ist das definitiv der Fall. Heutzutage kann jeder Investor mit Zugang zum Internet blitzschnell das Handelsportal seiner Wahl aufsuchen und dort die beliebtesten technischen Analysen studieren.

Auch bei fundamentalen Analysen gibt es kaum noch Geheimnisse. Im Informationszeitalter sind die aktuellen Markt- und Unternehmensbewertungen der weltweit besten Analysten zu jeder Zeit nur ein paar Klicks entfernt.

Erst bei Kategorie drei muss der DAX in meinen Augen passen. Kaum ein ETF-Investor dürfte beim Zinsentscheid der Notenbank mit am Verhandlungstisch sitzen. Insider-Informationen über Trendwechsel bei Umsatz und Gewinn von DAX-Unternehmen dürften ebenso wenig vorhanden sein.

Keine Chance gegen einen DAX-ETF

Aus meiner Sicht ist die Sache klar: Ein Index wie der DAX ist lediglich nach der Definition von Kategorie 2 ein effizienter Markt.

Ein geeigneter Fondsmanager müsste demnach über Insider-Informationen verfügen, um einen stichhaltigen Vorteil gegenüber dem ETF-Investor mit DAX-ETF zu besitzen. Insofern haben die „Profis“ völlig recht, wenn sie sagen, dass der Markt nicht effizient ist. Insider-Informationen sind im DAX sehr wahrscheinlich nicht in Gänze eingepreist.

Doch inwieweit aktive Fonds derlei Ineffizienzen tatsächlich ausnutzen können, steht auf einem anderen Blatt. Die meisten aktiven Fonds, die mir bisher unter die Augen gekommen sind, haben in etliche Aktien aus der ganzen Welt investiert. Kaum vorstellbar, dass diese Positionen alle aufgrund von Insider-Informationen eröffnet wurden.

Darüber hinaus wirken die hin und wieder veröffentlichten Investitionsthesen der Fondsmanager in den überwiegenden Fällen nur wie eine saubere Fundamentalanalyse. Das ist an sich löblich. Doch einen effizienten Markt der Kategorie 2 schlägt man so nicht.

Der Markt ist effizient genug

Man muss schon genau aufpassen, wenn ein Fondsmanager sagt, dass „der Markt“ nicht „effizient“ ist. Eine dreiste Lüge ist diese Aussage sicher nicht. Doch es ist auch kein hinreichender Grund, um nicht in einen ETF, sondern stattdessen in einen aktiv verwalteten Fonds zu investieren.

Um die Entscheidungen eines Fondsmanagers über die eines Algorithmus zu stellen, muss dieser in meinen Augen über Insider-Informationen verfügen. Aber wie viele können das wirklich leisten?

Ich schätze, dass beinahe alle Fondsmanager lediglich allgemein bekannte Investitionsthesen in ein Portfolio gießen. Das ist nicht unbedingt schlecht. Doch abzüglich der teils horrenden Gebühren könnte ein solcher Fonds langfristig wesentlich schlechter abschneiden als ein DAX-ETF.

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