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ETF-Investoren, gebt fein acht! Ein großer Nachteil, der mit Sparplänen verbunden ist

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Dass ETFs viele Vorteile besitzen, ist vielen Investoren inzwischen wohl hinlänglich bekannt. Insbesondere das hohe Maß an Diversifikation sowie die preiswerte Kostenstruktur sind hierbei hervorzuheben, genauso wie die Einfachheit vieler solcher Produkte.

Zu letzterem Aspekt gehört auch, dass viele Passivfonds über regelmäßige Sparpläne bespart werden können. Über fixe Intervalle können Investoren hier regelmäßig in ihre Fonds investieren, was den Vermögensaufbau deutlich vereinfacht und automatisiert.

Nichtsdestoweniger besitzen solche Sparpläne einen signifikanten Nachteil, der insbesondere in der aktuellen Börsenphase einmal mehr offensichtlich wird. Werfen wir zunächst einen Blick auf die prinzipielle Vorteilhaftigkeit eines solchen Ansatzes, ehe wir uns dem großen Nachteil widmen, über den Investoren zumindest einmal nachgedacht haben sollten.

1. Die Vorteile im Überblick

Häufig werden die Sparpläne, wie gesagt, eher als Vorteil des passiven Vermögensaufbaus angeführt. Viele ETF-Produkte bieten schließlich die Möglichkeit, sogar kostenlos derartige Passivfonds zu besparen. Das können wir zusammen mit dem zugrunde liegenden Automatismus somit dem Preis- und Aufwandsvorteil dieser Produkte zuschreiben.

Des Weiteren wird regelmäßig angeführt, dass mithilfe von Sparplänen das Timing weniger wichtig wird. Wer als Investor schließlich jeden Monat, jeden zweiten oder auch jedes Halbjahr einen fixen Anteil seinem Vermögensaufbau hinzufügt, wird langfristig vom sogenannten Durchschnittskosteneffekt, oder, in Englisch, Cost-Average-Effekt profitieren. Das kann einem als Investor außerdem helfen, langfristig durchschnittliche marktübliche Renditen einzufahren, da natürlich durchschnittliche (und nicht zu hohe) Kaufkurse hier die Ausgangslage langfristig verbessern.

Zu guter Letzt helfen einem Sparpläne auch, in Abschwüngen besser zu investieren und von den Schwächeperioden zu profitieren. Dadurch, dass man als Investor hierbei unentwegt und somit in fixen Intervallen auch bei Korrekturen investiert, wird man in solchen Zeiten die durchschnittlichen Einstiegskurse senken und sogar mehr Anteile erwerben können. Das senkt hierbei den Einstiegspreis und kann bei der kommenden Erholung zu besseren Resultaten führen.

2. Der Nachteil, den man bedenken sollte

In den vergangenen Wochen, Monaten und sogar Jahren waren Korrekturen jedoch eher eine Seltenheit. Und entsprechend können wir an dieser Stelle auch den Nachteil ableiten, der mit solchen Sparplänen verbunden ist. Nämlich, dass man als Investor gerade mit Sparplänen in soliden und rallyeartigen Börsenzeiten schlechtere Resultate erzielt als mit Einzelinvestitionen.

Oder, anders und mit einem Beispiel ausgedrückt: Wer 10.000 Euro zum Jahresanfang in den DAX investiert hätte, wäre auf einem Punktniveau von knapp 10.600 Euro eingestiegen und somit direkt nach einer Korrektur. Wer hingegen 1.000 Euro monatlich investiert hätte und somit per Ende Oktober ebenfalls 10.000 Euro in den DAX gesteckt hätte, hätte ein deutlich schlechteres Timing an den Tag gelegt. Alleine in den Monaten April, Mai, Juni, Juli, September und auch Oktober lag der Leitindex schließlich teilweise weit über 12.000 Punkten. Entsprechend wäre die Gesamtperformance hier deutlich schlechter gewesen, obwohl Investoren bei einem derzeitigen Punktestand von über 13.000 Punkten eine positive Rendite erzielt hätten.

Ein höherer Einsatz kann somit, gerade wenn die Börsenzeiten zu Beginn etwas turbulenter sind und sich wieder erholen, zu besseren Ergebnissen führen. Das Geld hat somit mehr Zeit, um zu performen, wobei auch der Zinseszins hier langfristig einen bedeutenden Unterschied ausmachen kann.

ETF-Sparpläne sind gut, aber …

Wie wir daher unterm Strich sehen können, sind ETF-Sparpläne zwar gut und ein solides Mittel, um sich nicht um Timing sorgen zu müssen. In soliden Börsenzeiten kann ein solcher Ansatz jedoch zu schlechteren Ergebnissen führen. Das aktuelle Börsenjahr dürfte hierfür ein starkes Beispiel sein und sollte Passivinvestoren ein wenig zum Nachdenken anregen.

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