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ETF-Investoren, aufgepasst: So viel kostet dich Markt-Timing! (Psst, es sind viele, viele 1.000 Euro mehr, als du denkst!)

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Wir Fools sind der Meinung, dass man als Investor am besten möglichst lange investiert sein sollte. Sofern man unternehmensorientiert investiert oder aber den breiten Markt kauft, ist es langfristig am attraktivsten, eine lange Zeit von einer Performance profitieren zu können. Ja, tatsächlich, das ist sogar ein Teil unseres Erfolgsrezepts.

Einen Versuch, den Markt zu timen, sehen wir dagegen als mühsames, aufwendiges Unterfangen an, das im Endeffekt teuer enden könnte. Wer schließlich nicht lange investiert ist, der verpasst womöglich das Beste. Insbesondere, da historisch schlechte und gute Tage häufig sehr nah beieinander liegen. Die letzte Korrektur und die Erholung haben das eindrucksvoll bewiesen.

Wie teuer der Versuch ist, den Markt zu timen, selbst bei einem marktbreiten oder ETF-Ansatz? Das konnten wir bislang bloß grob abschätzen. Aber jetzt ist es den Experten von Fidelity gelungen, zu quantifizieren, wie viel Geld man verloren hätte bei dem Versuch, den Markt zu timen. Lass uns das im Folgenden einmal etwas näher inspizieren.

Ein paar weitere Informationen …

Doch bevor es losgehen kann, müssen wir im Vorfeld noch einige Rahmenbedingungen klären. Auch Fidelity kann schließlich nicht für alle Zeiträume und jeden Index eine Aussage treffen. Nein, die Experten haben sich einer etwas engeren Auswahl bedient.

Im Endeffekt haben sich die Analysten sogar eine sehr konkrete Performance angesehen: Nämlich die, was passiert wäre, wenn man als Investor 10.000 US-Dollar in den S&P 500 investiert hätte. Und zwar zwischen dem 1. Januar des Jahres 1980 und dem 31. Dezember des Jahres 2018. Ein Zeitraum von insgesamt 38 Jahren, der überaus Foolish gewesen wäre.

Die Quintessenz ist jedoch, was passiert wäre, wenn man als ein solcher Investor die besten Tage verpasst hätte. Das hat Fidelity jetzt quantifiziert und gestaffelt präsentiert: Schauen wir im Folgenden daher einmal, was passiert wäre, hätte man beispielsweise die fünf besten Tage verpasst. Oder auch die besten zehn, dreißig oder fünfzig. Kleiner Spoiler: Die Ergebnisse dürften dich überraschen!

Das hättest du verpasst!

Kleiner Hinweis vorab: Gemäß der Informationen von Fidelity hätte man, sofern man einfach ganz klassisch mit einem Buy-and-Hold-Ansatz investiert hätte, ein Gesamtvermögen von 659.515 US-Dollar generiert. Das zeigt erneut, wie gigantisch das langfristige Potenzial eines marktbreiten Ansatzes beispielsweise mit ETFs ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Wer jedoch bloß die besten fünf Tage verpasst hätte, der müsste schon signifikante Einbußen hinnehmen: Das eigene Ergebnis würde demnach lediglich noch bei 426.993 US-Dollar liegen, was immer noch beeindruckend ist. Man hätte jedoch 232.552 US-Dollar an Rendite ausgelassen. Ein Einbruch von ca. 35 % gemessen an dem, was grundsätzlich möglich gewesen wäre.

Wer hingegen die zehn besten Tage verpasst hätte, würde noch bei 318.036 US-Dollar landen und hätte einen Verlust von 341.479 US-Dollar gegenüber einem Buy-and-Hold-Ansatz. Mehr als die Hälfte der Rendite wäre bereits verschwunden.

Bei den dreißig besten Tagen hätte man es noch auf 125.080 US-Dollar Vermögen geschafft, beim Auslassen der besten fünfzig Tage hingegen läge das Ergebnis bei 57.382 US-Dollar. Zahlen, die eines sehr deutlich unterstreichen: Die besten Tage möchte man durch ein falsches Markt-Timing mit Sicherheit nicht verpassen.

Eine Aussage für die Zukunft? Definitiv!

Eine sich logischerweise anschließende Frage ist nun, ob das noch eine Aussage für die Zukunft hat. Die Börsen haben sich womöglich gewandelt, sind digitaler und dadurch schnelllebiger geworden, und so weiter und so fort. Ich glaube allerdings, dass man diesen Zahlen auch weiterhin Beachtung schenken sollte.

Wer versucht, den Markt zu timen, wird womöglich weiterhin Gefahr laufen, die besten Tage zu verpassen. Inwieweit sich das auf die Gesamtrendite auswirken kann, das haben wir jetzt in etlichen Beispielen gesehen. Und es sind Zahlen, die uns als Investor generell hellhörig machen sollten.

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