Deutsche Märkte schließen in 1 Stunde 45 Minute

ETF-Investoren, aufgepasst! Warum der MSCI World eigentlich gar nicht so verkehrt ist!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Viele ETF-Investoren streben bei ihren jeweiligen passiven Investitionen nach einer möglichst großen Diversifikation. Neben Branchen rückt dabei häufig auch eine regionale Verteilung in den Vordergrund, was diese grundsätzliche Weichenstellung stets erschwert beziehungsweise häufig zu Kompromissen führt.

Ein Kompromiss, der dabei regelmäßig in Betracht gezogen wird, ist der Index des MSCI World, ein vergleichsweise breiter, globaler Index mit 1.600 Aktien aus 23 verschiedenen Staaten, der zuweilen auch mal in der Kritik steht.

Nichtsdestoweniger könnten ETFs auf diesen Index gar nicht mal so verkehrt sein, wie der Ruf des globalen Börsenbarometers ist. Lass uns diesbezüglich die gängige Kritik etwas näher durchleuchten und schauen, wo der MSCI World möglicherweise auch seine Stärken haben könnte.

Die gängige Kritik im Überblick

Wenn es um das Thema MSCI World geht, liest man häufig, dass dieser Index gar nicht so global ist, wie er auf den ersten Blick vorzugeben scheint. Bereits die 23 verschiedenen vertretenen Staaten deuten auf diesen Umstand hin, sind jedoch noch nicht einmal das Kernstück gängiger Kritik.

Sobald es nämlich an einige Feinheiten geht, werden stets die regionalen Schwerpunkte genannt. Mit einem Anteil von über 60 % bilden US-amerikanische Aktien einen signifikanten Großteil der jeweiligen Passivfonds. Andere Regionen wie Japan (ca. 9 %), Großbritannien (ca. 6 %) und Deutschland, Schweiz, Kanada und Frankreich (alle jeweils zwischen 2,5% und 4 %) bilden hier jeweils kleinere Diversifikationsräume, die diesen vornehmlich US-amerikanischen Mix abrunden. Gewiss ein Manko, das man auch nicht gutreden kann, zumal US-amerikanische Staaten und Schwellenländer hier gewiss unterrepräsentiert sind.

Wir können uns nun auch darüber unterhalten oder streiten, ob generell ein US-amerikanischer Schwerpunkt gerechtfertigt erscheint, immerhin entstammt ein Großteil der wertvollsten, börsennotierten Konzerne aus dieser Region. Allerdings bleibt der Kritikpunkt hier unterm Strich bestehen und als Investor wird man dies tolerieren müssen, wenn man auf den MSCI World setzt. Dafür erhält man jedoch in anderer Weise einen starken, breiten Mix, der hier durchaus von Vorteil sein kann.

Die Stärke des MSCI World

Die Stärke des MSCI World beruht in meinen Augen nämlich darauf, wie der globale Börsenanzeiger bei den jeweiligen Segmenten aufgestellt ist. Auch hier mag es zwar einige Schwerpunkte geben, Finanzaktien machen beispielsweise mit rund 16 % einen größeren Teil aus, gefolgt von Informationstechnologie und Gesundheit mit jeweils 15 beziehungsweise 13 %, allerdings sind diese Schwerpunkte nicht zu groß für einen derart breiten und globalen Mix.

Unterm Strich scheint der MSCI World daher relativ ausgewogen zu sein, was die jeweilige Branchenverteilung angeht. Defensivere Bereiche wie der bereits angesprochene Gesundheitsbereich sind hier ebenfalls prominent vertreten und auch weitere eher konservative Segmente wie Immobilien, Versorger, Energie, Kommunikation und Konsumgüter sind hier mit Anteilen zwischen 3 und 9 % jeweils vertreten. Wie gesagt, ein doch recht solider Mix.

Die Stärke des MSCI World besteht daher eindeutig in einer guten Branchengewichtung, weshalb man über den US-amerikanischen Schwerpunkt möglicherweise hinwegsehen kann. Zumindest ist das ein Aspekt, der hier zu einem guten, breiten marktüblichen Ansatz führen kann.

Durchaus eine Option

Wer sich daher auf den regionalen Schwerpunkt einlassen möchte, für den könnte der MSCI World noch immer eine Option sein. Eine marktübliche Rendite scheint hier jedenfalls möglich zu sein, auch weil es im Endeffekt ein guter, breiter Markt ist, der hier abgebildet wird.

Viel von der Kritik an diesem Index scheint daher berechtigt, aber es gibt auch Stärken, auf die man sich als ETF-Investor berufen kann. Weshalb daher immer alles schwarzsehen in der Welt der Passivinvestoren, wo es letztlich sowieso bloß auf einen bestmöglichen Kompromiss ankommen wird?

Mehr Lesen

Motley Fool Deutschland 2020