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ETF-Investoren, aufgepasst! Diese Portfoliotheorie ist 2.500 Jahre alt

Stefan Naerger, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.

Als ETF-Investor hat man die Qual der Wahl. Über 1.500 ETFs werden hierzulande angeboten.

Die einfachste Lösung: Es wird nur ein einziger Index-ETF bespart. Einfach nur einen MSCI-World-ETF? Klar, warum nicht.

Der Vorteil liegt auf der Hand. Wer einfach nur den Markt in seiner vollen Breite kauft, tanzt immer auf jeder Hochzeit. Passiv, entspannt, ohne strategische Finesse.

Doch wer zu 100 % in Aktien investiert ist, nimmt natürlich auch jede Krise mit. Geht das nicht besser? Aber ja! Zum Beispiel mit einem ETF-Portfolio, das eben nicht nur den breiten Aktienmarkt enthält.

Um das optimale ETF-Portfolio ranken sich viele Theorien. Eine Portfoliotheorie, die vermutlich kaum jemand kennt, ist unglaubliche 2.500 Jahre alt.

Auf der Grenze zwischen Chaos und Ordnung

Niemand weiß genau, wann die chinesische Philosophie des Daoismus tatsächlich entstanden ist. Vielleicht war es wirklich der chinesische Denker Laozi, der den Klassiker Daodejing verfasst hat. Vielleicht hat der Urvater des Daoismus aber auch nie existiert.

Dennoch dürfte Laozi in den Augen vieler der geistige Urheber dieser uralten Philosophie sein. Gelebt hat der, dessen Namen nichts anderes als „der alte Meister“ bedeutet, angeblich vor rund 2.500 Jahren. Damit ist der Daoismus eine der ältesten Denkschulen des Planeten.

Hierzulande ist die Philosophie des Daoismus sicher nicht jedem geläufig. Ideen wie die der „mühelosen Anstrengung“ wirken auf Europäer vermutlich auf den ersten Blick ziemlich einfältig.

Doch Bilder sagen oft mehr als tausend Worte. Das „Yin und Yang“ hat sicher jeder schon einmal irgendwo gesehen. Wenn auch nur als kitschiges Teppichmuster in einem schwedischen Möbelhaus.

Das „Yin und Yang“ kann auf viele unterschiedliche Arten interpretiert werden. Ganz offensichtlich soll mit diesem Muster eine Art Dualität visualisiert werden. Welche genau, bleibt offen.

Eine mögliche Interpretation ist die, dass das „Yin und Yang“ die Dualität von Chaos und Ordnung repräsentiert. Beides sind Extreme. Ein Leben in absolutem Chaos ist ebenso unmöglich wie ein Leben in absoluter Ordnung. Die Lösung? Der Mittelweg! Direkt auf der Grenze zwischen Chaos und Ordnung.

50 % MSCI-World-ETF und 50 % Gold

Das klingt nach einer guten Lebensphilosophie. Doch es könnte genauso gut eine Portfoliotheorie sein.

Ein ETF-Portfolio mit 50 % Chaos und 50 % Ordnung. Wie würde so etwas aussehen?

Nun, die Chaos-Komponente kann in meinen Augen nur der breite Aktienmarkt sein. Täglich aufgerieben zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Heute so, morgen so. Chaos pur! Hier weiß man nie, was einem am nächsten Tag erwartet.

Bargeld könnte das passende Gegenstück sein. Hier weiß man, was man hat. 20.000 Euro, die man heute auf dem Konto hat, sind morgen immer noch 20.000 Euro.

Bargeld als Ordnung in Reinform? Vielleicht nicht ganz. Die Inflation bringt doch mehr Unordnung in den Bargeldbestand, als man gemeinhin für möglich halten würde. Selbst bei einer Inflationsrate von nur 2 % pro Jahr hat sich die Kaufkraft der Reserven nach 30 Jahren glatt halbiert.

Da muss offensichtlich etwas Härteres her. Gold? Vielleicht! Auf Gold kann man sich verlassen. Gold bleibt Gold, egal was in der Welt passiert.

50 % in einem MSCI-World-ETF und 50 % in Gold (bzw. in einen geeigneten Gold-ETC). So könnte ein perfektes Portfolio nach den Lehren des Laozi aussehen.

Glasklar, einfach zu merken und dennoch tiefgründig

Das Spiel mit Chaos und Ordnung kann man natürlich noch viel bunter treiben. Es gibt wahrlich chaotischere Investitionen als einen MSCI-World-ETF. Wer mehr Chaos will, kann sich jederzeit noch ein paar Technologie-Aktien dazuholen.

Ob Gold das einzig Wahre in Sachen Ordnung ist, kann ebenfalls diskutiert werden. Die gute alte, selbst genutzte Immobilie könnte ebenfalls ein geeigneter Fels in der Brandung sein.

Was auch immer man für geeignet hält, eines ist sicher: Ein Yin-Yang-Portfolio hat seinen Reiz.

Das Konzept ist glasklar, einfach zu merken und dennoch tiefgründiger als das eines 1-ETF-Portfolios. Das bringt nicht nur Rendite, sondern auch einen exzellent ausbalancierten Lifestyle. In dieser Hinsicht hatten die Ideen des Laozi schon immer die Nase vorn.

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