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Essen, Heizen, Auto: Diese einfachen Beispiele zeigen, wie weitreichend die neuen Klimaziele Deutschlands sind

·Lesedauer: 5 Min.
Ein junges Paar schaut auf ein Kohlekraftwerk in Gelsenkirchen.
Ein junges Paar schaut auf ein Kohlekraftwerk in Gelsenkirchen.

Die EU machte Druck, das Bundesverfassungsgericht schaffte Fakten: Deutschland muss seine Klimaziele verschärfen. Am Mittwoch will die Bundesregierung nun eine Reform des Klimaschutzgesetzes von 2019 im Kabinett beschließen.

Der aktuelle Gesetzesentwurf enthält verbindliche allgemeine Klimaziele für das Land: 65 Prozent weniger CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 bis 2030, 77 Prozent weniger bis 2035, 88 Prozent weniger bis 2040. Im Jahr 2045 soll Deutschland dann klimaneutral sein.

Unabhängig von der Frage, ob das reicht, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, denen sich Deutschland verpflichtet hat (und viele Klimawissenschaftler kommen zu dem Ergebnis: Das tut es nicht), bedeuten die neuen Klimaziele, das Deutschland in den kommenden Jahren Hunderte Millionen Tonnen an CO2 einsparen muss. Tatsächlich enthält der neue Entwurf des Klimaschutzgesetzes konkrete Einsparziele für verschiedene Sektoren in der Industrie.

Business Insider gibt eine Übersicht, wer wie viel CO2 einsparen muss — und was diese Einsparungen jenseits der bloßen Zahlen bedeuten.

Die Energiewirtschaft: Ab sofort müssten zwei Steinkohlekraftwerke geschlossen werden

Kein anderer Wirtschaftszweig produziert so viele CO2-Missionen wie die Energiebranche. Und kein anderer Wirtschaftszweig muss laut dem neuen Klimaschutzgesetz so schnell so viel CO2 einsparen: von 280 Millionen CO2-Äquivalenten im Jahr 2020 auf 108 Millionen im Jahr 2030. Co2-Äquivalente sind eine Maßeinheit, in der alle verschiedenen Treibhausgase — zum Beispiel Methan — zur Vereinheitlichung ihrer Wirkungen auf das Klima in CO2-Emissionen umgerechnet werden.

Innerhalb von zehn Jahren – von 2020 Bis 2030 – muss die Energiewirtschaft also 172 Millionen CO2-Tonnen einsparen. Das klingt viel. Und das ist viel. So sank die Zahl der CO2-Emissionen der Energiewirtschaft von 2010 bis 2020 laut dem Umweltbundesamt gerade einmal um 59 Millionen Tonnen. In diesem Jahrzehnt soll also um knapp das Dreifache reduziert werden.

Zur Veranschaulichung: Das im Mai vergangenen Jahres ans Netz gegangene Steinkohlekraftwerk Datteln 4 in Nordrhein-Westfalen verursacht pro Jahr zwischen 6 und 8,4 Millionen Tonnen CO2-Emissionen. Im Zeitraum 2020 bis 2030 wären das also zwischen 60 und 84 Millionen Tonnen CO2. Wäre Datteln 4 nie ans Netz gegangen, hätte Deutschland bis 2030 also höchstens nur die Hälfte der nun geplanten CO2-Einsparungen in der Energiewirtschaft erreicht.

Die Industrie: Selbst wenn gesamte Stahlbranche klimaneutral wäre, reicht es nicht

Der nächste große CO2-Verursacher in Deutschland. Laut dem neuen Entwurf des Klimaschutzgesetzes sollen die Emissionen von 186 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten in 2020 auf 118 im Jahr 2030 sinken. Einsparziel also in zehn Jahren: 68 Millionen Tonnen.

Um die Größenordnung dieser Aufgabe klarzumachen: Im Jahr 2018 verursachte die deutsche Stahlindustrie etwa 58 Millionen Tonnen CO2-Emissionen. Selbst wenn die komplette Stahlindustrie bis 2030 klimaneutral werden würde, wären das also nicht genug Einsparungen, um die neuen deutschen Klimaziele zu erreichen.

Der Verkehr: Fast 22 Mal mehr Elektroautos als jetzt in Deutschland

Luft-, Schiff-, Schienen und Straßenverkehr machen etwa 19 Prozent der CO2-Emissionen Deutschlands aus. 95 Prozent davon entfallen auf den Straßenverkehr. Im aktuellen Reformentwurf des Klimaschutzgesetzes ist vorgesehen, dass der Verkehrssektor seine CO2-Emissionen von 150 Millionen Tonnen im Jahr 2020 auf 85 Millionen Tonnen im Jahr 2030 reduziert. Das wären also 65 Millionen Tonnen weniger.

Um das bisher im Klimaschutzgesetz gesetzte Ziel für den Verkehrssektor (95 Millionen CO2-Emission im Jahr 2030) zu erreichen, fördert die Bundesregierung den Verkauf von Elektroautos. Bis 2030 sollen zehn Millionen Elektroautos in Deutschland zugelassen sein. Zum Vergleich: Zurzeit sind von 48,2 Millionen zugelassenen PKW in Deutschland unter 600.000 Elektroautos.

Die nun noch einmal verschärften Klimaziele dürften die nötige Zahl der Elektroautos nun noch weiter erhöhen. So rechnet der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) in einem aktuellen Szenario mit 13 Millionen Elektroautos, wenn das deutsche Klimaziel 2030 erreicht werden soll.

Die Gebäude: 10.000 Haushalte dürfen ein Jahr lang nicht mit Gas heizen

Gebäude verursachen in Deutschland etwa 30 Prozent der jährlichen CO2-Emissionen, etwa durch energieintensives Heizen und schlechte Dämmung. Im Entwurf zur Reform des Klimaschutzgesetzes ist nun festgehalten, dass der Gebäudesektor von 118 Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Jahr 2020 auf 67 Millionen Tonnen im Jahr 2030 reduzieren soll. 51 Millionen Tonnen CO2 sollen also eingespart werden.

Nur, um diese Menge einmal zu veranschaulichen: Eine Gasheizung verursacht bei einem Verbrauch von etwa 22.000 Kilowattstunden Wärmeenergie — dem Durchschnitt eines deutschen Einfamilienhauses — knapp 5000 Kilogramm CO2-Ausstoß im Jahr. Wenn 51 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden sollen, dürften also 10.000 Einfamilienhaushalte ein Jahr lang nicht mit Gas heizen — oder aber 1000 Einfamilienhäuser zehn Jahre lang nicht.

Die Landwirtschaft: Jeder Deutsche darf fast zwei Jahre lang kein Schweinefleisch essen

Die Landwirtschaft in Deutschland ist für knapp 7,5 Prozent der CO2-Äquivalente-Emissionen in Deutschland verantwortlich. Besonders der Ausstoß von Methan durch Verdauungsprozesse von Zuchttieren und durch bestimmte Dünger trägt dazu bei. Die geplante Reform des Klimaschutzgesetzes sieht nun vor, dass die Landwirtschaft ihre Emissionen von 70 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten in 2020 auf 54 Millionen im Jahr 2030 reduziert — eine Ersparnis von 16 Millionen Tonnen.

Zur Veranschaulichung dieser Zahl: Die Deutschen essen etwa 2,83 Millionen Tonnen Schweinefleisch im Jahr. Die Produktion eines Kilogramms Schweinefleisch verursacht laut Bundesumweltministerium 3,3 Kilogramm Emissionen von CO2-Äquivalenten. Das macht etwa 9,33 Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Jahr, um den Schweinefleischverzehr der Deutschen zu decken. Um also 16 Millionen Tonnen CO2 einzusparen, müssten alle 83 Millionen Deutsche mindestens 20 Monate komplett auf Schweinefleisch verzichten.

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