Deutsche Märkte öffnen in 5 Stunden 14 Minuten

ESG-‘Wildwest’ laut Anlageveteran reif für hartes Durchgreifen

·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Ein Veteran der nachhaltigen Geldanlage kann es kaum erwarten, dass die falschen Behauptungen ausgemerzt werden, die in der ESG Branche Überhand nehmen.

Most Read from Bloomberg

Matt Patsky, der Trillium Asset Management leitet, begann bereits in den 1990er Jahren mit der Suche nach Investitionen, die strikten ökologischen, sozialen und Governance-Anforderungen genügen - lange bevor die meisten Vermögensverwalter überhaupt an ESG dachten. Er ist überzeugt, dass heutzutage nur ein Bruchteil der mit ESG gekennzeichneten Anlageprodukte echte nachhaltige Investitionen sind.

Die Bemühungen der Aufsichtsbehörden, die ESG-Behauptungen von Geldmanagern zurechtzustutzen, sind “das Beste, was der Branche seit Jahren passiert ist”, sagte Patsky, dessen in Boston ansässiges Unternehmen 4,8 Milliarden Dollar (4,1 Milliarden Euro) verwaltet. “Damit wird ein Bereich unter die Lupe genommen, der zum Wilden Westen geworden ist, in dem Fondsmanager nach eigenem Ermessen ESG-Etiketten auf alles Mögliche klatschen können”, so Patsky im Interview mit Bloomberg.

Patsky, der 1994 den weltweit ersten Green-Chip-Index für sozial verantwortliche Unternehmen einführte, schätzt, dass von den 35 Billionen Dollar, die nach Angaben der Global Sustainable Investment Alliance in nachhaltigen Anlagen geparkt sind, weniger als 1 Billion Dollar auf “echte” ESG-Investitionen entfallen. Davon werden 500 Milliarden Dollar in Europa und etwa 300 Milliarden Dollar in den USA verwaltet, sagte er.

Nach Jahren des ungebremsten Wachstums sieht sich die ESG-Branche nun mit neuen Vorschriften konfrontiert. In Europa trat im März die Sustainable Finance Disclosure Regulation in Kraft, die Geldverwalter dazu zwingt, übertriebene ESG-Angaben zurückzuschrauben. Das Regelwerk zur Bekämpfung des Greenwashing gilt als das ehrgeizigste weltweit.

Fondsmanager, die ihren Kunden erzählen, dass sie ESG-Investitionen tätigen, ohne die Unternehmen rigoros dazu zu drängen, den Menschen und dem Planeten weniger Schaden zuzufügen, verkaufen eine Mogelpackung, sagte Patsky, dessen Hauptfonds bis August eine Rendite von fast 20% erzielte. Der 58-Jährige hofft, dass strengere Vorschriften die Zahl der Anbieter dezimieren werden. Fondsmanager, die sich nur auf - seiner Meinung nach fehlerhafte - ESG-Daten stützen, lehnt er ab.

Patsky ist froh, dass die Wirtschaft und die Finanzwelt Themen wie geschlechtsspezifische Ungleichheiten, Menschenrechtsverletzungen in Lieferketten und dem Klimawandel mehr Aufmerksamkeit schenken, auch wenn es oft an Definitionen mangelt, Benchmarks inkonsistent und Daten unvollständig sind. Doch es genüge nicht, sich nur auf ESG-Rating-Daten zu verlassen, da diese mit Fehlern gespickt seien.

Das mache passive ESG-Investitionen unmöglich. Ein ernsthafter ESG-Investor müsse Druck auf das Management machen und Aktionärsrechte ausüben. “Solange das nicht geschieht, werden die meisten ESG-Maßnahmen weitgehend wirkungslos bleiben”, sagte Patsky.

Trillium selbst hat Unternehmen wie Johnson & Johnson und Starbucks Corp. zu Themen wie der Durchführung ethnischer Audits und der Reduzierung des Plastikverbrauchs gedrängt. Trillium wurde 1982 gegründet und letztes Jahr von der australischen Perpetual Ltd. übernommen. Der Hauptfonds, ESG Global Equity, erzielte bis August eine Rendite von 19,3%, verglichen mit einem Plus von 16,2% bei der Benchmark, dem MSCI ACWI Index, wie Bloomberg-Daten zeigen.

Überschrift des Artikels im Original:‘Wild West’ of ESG Ripe for a Crackdown, Veteran Investor Says

Most Read from Bloomberg Businessweek

©2021 Bloomberg L.P.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.