Deutsche Märkte öffnen in 9 Minuten

Wie mein erster Robinhood-Handel katastrophal falsch lief

Motley Fool Investmentanalyst
·Lesedauer: 6 Min.
Dividende
Dividende

Robinhood: Entweder liebst du es oder du hasst es.

Die Fans weisen darauf hin, dass das Investieren durch das Angebot einer mobilen Handelsplattform, den gebührenfreien Handel und den Handel mit Bruchteilen von Aktien einfach und erschwinglich geworden ist. Die Kritiker führen das Fehlen von Leitplanken, eine verwirrende Oberfläche und potenziell irreführende Versprechungen an.

Angesichts der starken Standpunkte auf beiden Seiten habe ich mich für ein Robinhood-Konto angemeldet und fand es überraschend langweilig. Aber mein erster Handel auf der Plattform zeigte, dass beide Seiten Recht haben. Es lief folgendermaßen ab.

Die Einkaufsliste

Nachdem ich mein Robinhood-Konto zum Laufen gebracht hatte, wollte ich – natürlich – sofort beginnen. Um eine Aktie in der App zu kaufen, klickst du auf die Börsennotierung der Aktie, um eine Seite mit Informationen über die Aktie zu öffnen, und klickst auf die Schaltfläche „Kaufen“.

Klingt einfach, außer dass der einfachste Weg zur Notierung einer Aktie über die Suche nach ihrem Ticker-Symbol führt. Was aber, wenn du keine Ticker-Symbole kennst? Was, wenn du keine Ahnung hast, in welche Aktien du investieren möchtest?

In diesem Fall kannst du, sofern du Robinhood nicht verlassen und etwas recherchieren möchtest, nur auf bereits vorhandene Ticker in der App klicken. Diese findest du in vorausgewählten „Listen“ direkt unter der Suchleiste und sie umfassen Themen wie „100 Beliebteste“, „Top Movers“ und „Cannabis“. Direkt darunter befindet sich der Nachrichten-Feed der App, in dem jeder Artikel mit entsprechenden anklickbaren Tickern versehen ist. Ich habe mir den Nachrichten-Feed angesehen. Das war mein erster Fehler.

Auf den Zug aufspringen

Der oberste Artikel im Nachrichten-Feed handelte vom COVID-19-Impfstoff des Biotech-Unternehmens Moderna (WKN:A2N9D9). Die Aktien von Moderna stiegen im nachbörslichen Handel aufgrund der Nachricht, dass die US-Regierung ihren Vertrag über den Kauf von Impfstoffdosen von dem Unternehmen auf 2,5 Milliarden US-Dollar aufgestockt hatte. Dies klang nach einer großartigen Gelegenheit für einen unerfahrenen Investor. Und zu meinem Glück – so dachte ich zumindest – bietet Robinhood einen Handel „nach Geschäftsschluss“ an, der es Anlegern erlaubt, Aufträge außerhalb der üblichen Marktzeiten von 9.30 bis 16.00 Uhr EDT zu erteilen.

Zu diesem Zeitpunkt war es ungefähr Mitternacht – weit nach der „erweiterten Handelssitzung“, die Robinhood zwischen 16.00 und 18.00 Uhr EDT anbietet, und weit vor der anderen „erweiterten Sitzung“ von 9.00 bis 9.30 Uhr EDT. Ich überprüfte das Kleingedruckte über den Handel nach Geschäftsschluss bei Robinhood und fand einen Hinweis, dass „jeder Marktauftrag, der während der Schließung aller Sitzungen erteilt wird, für die Eröffnung der nächsten Sitzung in die Warteschlange gestellt wird“.

„Cool“, dachte ich. „Die Order geht um 9 Uhr morgens bei der Eröffnung der erweiterten EDT-Sitzung ein und nutzt die halbe Stunde vor Markteröffnung, und wenn die Dinge dann genau bei Markteröffnung anfangen zu fallen, kann ich sie schnell verkaufen und auszahlen lassen.

Zumindest dachte ich, dass das passieren würde…

Das andere Kleingedruckte

Es stellte sich heraus, dass ich, obwohl ich das Kleingedruckte lese – und Robinhood enthält viel Kleingedrucktes -, das falsche Kleingedruckte gelesen habe. Ein anderes Kleingedrucktes ging noch mehr ins Detail und gab an: „Wenn du einen Marktauftrag während der erweiterten Geschäftszeiten (9:00 bis 9:30 Uhr oder 16:00 bis 18:00 Uhr EDT) erteilst, ist dein Auftrag während der erweiterten Geschäftszeiten gültig. Wenn du einen Marktauftrag bei Börsenschluss erteilst, wird dein Auftrag bis zur Marktöffnung (9.30 Uhr EDT) in die Warteschlange gestellt.“

Nachdem ich meinen Kaufauftrag für 50 US-Dollar Moderna-Aktien (ein Bruchteilauftrag für weniger als eine Aktie; eine ganze Aktie wurde zu diesem Zeitpunkt für etwa 72 US-Dollar gehandelt) erteilt hatte, erhielt ich eine E-Mail-Benachrichtigung, dass der Auftrag erteilt worden war, aber es wurde nicht angegeben, wann er ausgeführt werden würde. Als Robinhood mir am nächsten Morgen um 9.02 Uhr EDT die Meldung „MRNA ist vorbörslich um 9,7 % gestiegen“ schickte, zauberte mir das ein Lächeln ins Gesicht.

Dieses Lächeln verging mir um 9:30 Uhr EDT wieder, als ich die App öffnete, um mir meinen lukrativen Handel auszuzahlen zu lassen… Dann sah ich, dass die Aktien von Moderna bei 75,74 US-Dollar eröffnet hatten und schnell fielen. Und da erhielt ich die Benachrichtigung, dass mein Handel ausgeführt worden war… um 9:30 Uhr EDT für $75,74!

Als ich wieder zum Verkauf kam, waren die Aktien bereits auf etwa 70 US-Dollar gefallen. Anstatt sofort mit Verlust zu verkaufen, tat ich, was jeder gute Neuling tun würde: Ich behielt die Aktien für den Fall, dass sie wieder steigen würden. Was sie natürlich nicht taten: Der Preis von Moderna ist seitdem auf etwa 68 US-Dollar pro Aktie gefallen.

Gelernte Lektionen

Selbst wenn ich in der Lage gewesen wäre, meinen Moderna-Handel genau wie geplant auszuführen, wäre es nicht viel gewesen – 50 US-Dollar für Moderna-Aktien wären etwa 0,7 Aktien wert gewesen. Selbst wenn es mir gelungen wäre, zum Eröffnungskurs von 75,74 US-Dollar pro Aktie zu verkaufen, hätte mein Gewinn etwa 5,2 % betragen, also etwa 2,60 US-Dollar.

Einerseits ist ein Gewinn von 5,2 % in weniger als 10 Stunden – wovon ich die meiste Zeit geschlafen habe – ziemlich gut, vor allem, wenn ich statt für 50 US-Dollar Aktien im Wert von 1.000 oder 10.000 US-Dollar hätte kaufen können. Aber es hätte auch erfordert, dass alles perfekt ausgeführt worden wäre. Selbst eine Minute Verzögerung bei der Bearbeitung des Verkaufsauftrags hätte den Gewinn von 5,2 % erheblich geschmälert. Und es hätte weniger als fünf Minuten gedauert, bis die Aktien unter die 72 US-Dollar gefallen wären, die ich für meinen Einstiegspreis gehalten hatte, was unabhängig davon zu einem Verlust geführt hätte.

Ich werde im nächsten Artikel ausführlicher darauf eingehen, aber die auf Robinhood erteilten Aufträge werden von einem Hochfrequenzhandelsunternehmen bearbeitet. Die Preisänderungen während der geringfügigen Verzögerung zwischen Auftragserteilung und Auftragsausführung können es diesem Hochfrequenzhandelsunternehmen ermöglichen, von deinem Auftrag zu profitieren, wobei Robinhood einen Anteil vom Gewinn bekommt.

Winzige inkrementelle Gewinne wie diese können sich für einen Hochfrequenz-Händler, der Tausende von Geschäften pro Sekunde verarbeitet, wirklich summieren. Für einen gewöhnlichen Anleger, der immer nur einen Handel zur gleichen Zeit tätigen kann, ist es viel schwieriger. Wäre es nicht einfacher – und weniger stressig – in langfristige Positionen zu investieren, um von langfristig steigenden Kursen zu profitieren und dein Geld die Arbeit für dich erledigen zu lassen, anstatt diese winzigen kurzfristigen Gewinne immer und immer und immer wieder zu jagen? Das ist die Methode von The Motley Fool.

The post Wie mein erster Robinhood-Handel katastrophal falsch lief appeared first on The Motley Fool Deutschland.

Mehr Lesen

Dieser Artikel wurde von John Bromels auf Englisch verfasst und am 22.09.2020 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

.The Motley Fool besitzt keine der genannten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2020