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Der erste gute Eindruck zählt: Wie ihr das im Vorstellungsgespräch schafft

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Ob bei einem Blind Date, dem ersten Kennenlernen der Kollegen oder beim Vorstellungsgespräch: Das Gehirn braucht nur den Bruchteil einer Sekunde, um ein Urteil über einen Unbekannten zu fällen. Wir wissen auf Anhieb, ob wir jemanden sympathisch finden – oder eher nicht. Bei dieser Urteilsbildung handelt es sich um einen jahrhundertealten Mechanismus, der auf unsere Vorfahren zurückgeht. Denn um zu überleben musste der Urmensch sehr schnell herausfinden, ob es sich bei einer Begegnung um eine feindliche oder eine friedliche handelte.

Der erste Eindruck ist deshalb eine überwiegend emotionale Entscheidung, die vor allem auf Äußerlichkeiten basiert. Darauf deuten auch neurowissenschaftliche Untersuchungen hin. So kommt etwa die Amygdala - zu deutsch Mandelkern - deutlich früher zum Einsatz, wenn wir auf einen Unbekannten treffen, als in anderen Situationen. Die Amygdala ist ein evolutionsbiologisch sehr alter Teil unseres Gehirns, den wir überwiegend dazu brauchen, um für jede Situation die passende Emotion parat zu haben, allem voran Angst.

Nach welchen Kriterien sich der erste Eindruck formt, haben zahlreiche Forschende in verschiedenen Studien untersucht. So kam der US-Psychologe Albert Mehrabian 1967 zu dem Ergebnis, dass die Wirkung unserer Worte zu 38 Prozent von unserer Stimme beeinflusst wird. 55 Prozent hängen von Körpersprache, Gestik und Mimik ab - und nur sieben Prozent des ersten Eindrucks werden vom tatsächlichen Inhalt des Gesagten bestimmt. Diese Zahlen gelten aber als höchst umstritten.

Betrachtet man die Studienlage insgesamt, sind besonders zwei Punkte für den ersten Eindruck entscheidend: die wahrgenommene Vertrauenswürdigkeit und der Status. Empfinden wir jemanden als kompetent, dominant oder uns überlegen? So können wir entscheiden, ob jemanden kennenzulernen für uns sinnvoll ist oder nicht. Der erste Eindruck beeinflusst also maßgeblich, wie wir uns einer anderen Person gegenüber verhalten.

Gute Hygiene, ansprechendes Aussehen, angemessene Kleidung

Gerade, wenn wir jemanden von uns überzeugen wollen - etwa in einem Vorstellungsgespräch - ist der erste Eindruck enorm wichtig. Nur, auf welche Äußerlichkeiten sollen wir nun achten, damit das erste Urteil über uns positiv ausfällt? Das hat der Online-Händler Lenstore 1000 Menschen gefragt. Bezogen auf den Arbeitsplatz sind demzufolge eine gute Hygiene und kein Körpergeruch wichtig (41 Prozent der Befragten). Es folgt ein ansprechendes Aussehen (39 Prozent) und angemessene Kleidung (24 Prozent). Intelligent wirken Kollegen oder Job-Kandidaten laut der Befragung vor allem dann, wenn sie eine Brille tragen (25 Prozent), oft lächeln (19 Prozent) und Augenkontakt halten. Und: Vor allem Männer schätzen Personen dann als schlau ein, wenn diese kein Make-up tragen.

Wer viel lächelt und oft Augenkontakt hält, wird zudem als vertrauenswürdig empfunden. Außerdem strahlt derjenige Selbstsicherheit aus. Was interessant ist: Menschen, die eher legere Kleidung tragen, verbanden die Befragten mit Vertrauenswürdigkeit. Ist das Gegenüber dagegen elegant gekleidet, wirkt er oder sie selbstbewusst.

Was lässt sich daraus also für ein Vorstellungsgespräch ableiten?

Körpersprache: Achtet auf eure Mimik und eure Gestik und haltet während des Gesprächs Augenkontakt. Denn ein sympathisches Lächeln geht in der Regel mit einer positiven Persönlichkeitseinschätzung einher. Das zeigte die Analyse des Psychologen Simon Breil, der an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster forscht. Er hatte mehrere Studien aus den vergangenen 40 Jahren dafür nach gemeinsamen Faktoren untersucht. Wer also nett und vor allem authentisch angelächelt wird, nimmt sein Gegenüber als gesellig, fleißig und intelligent wahr. Und: Menschen mit dynamischen Gestiken wirken extrovertierter und freundlicher.

Sowohl beim Blickkontakt als auch beim Lächeln solltet ihr nicht übertreiben. Denn sonst - und auch das zeigen Studien - drehen sich die positiven Effekte ins Gegenteil um. So fand der britische Forscher Alan Johnston in einer Untersuchung heraus, dass sich nach durchschnittlich 3,2 Sekunden Augenkontakt ein unbehagliches Gefühl auf beiden Seiten einstellt. Ein Lächeln muss ebenfalls nicht zwingend positiv bewertet werden, wie eine finnische Studie kürzlich zeigte. Es komme auf die Art des Lächelns an, so die Autoren – es müsse authentisch wirken.

Körpergeruch: Die Redewendung sich "nicht riechen können" hat einen guten Grund. Denn der Körpergeruch bestimmt maßgeblich mit, ob wir jemanden sympathisch finden oder nicht. So gelangen Düfte im Gegensatz zu den Informationen, die wir mit unseren anderen Sinnesorganen aufnehmen, direkt ins limbische System, dem Zentrum unserer Emotionen. Achtet beim Duft allerdings auch immer auf die Balance. Denn auch zu viel Parfüm kann negativ wirken.

Kleidung: Auch eure Kleidung solltet ihr gut auswählen. So zeigt nicht nur die bereits genannte Lenstore-Studie, dass die Auswahl eures Outfits den ersten Eindruck mitbestimmt, auch eine Studie der Princeton-Universität aus dem Jahr 2020 kam zu dem Schluss, dass Menschen, die teuer wirkende Kleidung tragen, als kompetenter wahrgenommen werden. Das bedeutet nicht, dass ihr im Chanel-Kostüm zu eurem Bewerbungsgespräch erscheinen müsst. Je nach Stelle solltet ihr aber in jedem Fall ein Outfit wählen, dass ordentlich aussieht und zum Unternehmen passt.

Stimme: Nicht nur was ihr in den ersten Momenten sagt, ist ausschlaggebend - sondern auch wie. Denn die Stimme spielt eine maßgebliche Rolle dabei, wie ihr wahrgenommen werdet. Der Journalist Jochen Mai empfiehlt auf seinem Blog "Karrierebibel", langsam und betont zu sprechen. So zeigt ihr, dass ihr selbst überzeugt seid, von dem, was ihr sagt. Für einen guten ersten Eindruck solltet ihr zudem grammatikalisch richtiges Hochdeutsch verwenden: Dialekt, Slang oder eine unklare Sprache lassen euch leider eher unintelligent wirken.

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