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Die erstaunlich schnelle Rückkehr des Airbus-Superjumbos

Frankfurt/Main (dpa) - Totgesagte fliegen länger - das gilt bei der Lufthansa seit dieser Woche für den eigentlich schon ausgemusterten Airbus A380, das größte jemals gebaute Passagierflugzeug der Welt.

Entgegen früherer Ankündigungen spielt der in der Corona-Flaute eingemottete Riesenflieger auf einmal wieder eine Rolle in den Planungen für den kommenden Sommer-Flugplan ab April 2023. Die aktuell hohe Nachfrage auf der Langstrecke und erhebliche Lieferprobleme des US-Herstellers Boeing haben den Lufthansa-Vorstand zur Kehrtwende bewogen.

Die Amerikaner haben Produktions- und Zulassungsprobleme und verschieben die Liefertermine für ihre Langstreckenjets immer wieder. Noch im vergangenen November hatte der Spartenchef Verkehrsflugzeuge, Stanley Deal, dem Erstkunden Lufthansa in Frankfurt die Auslieferung der neuen 777-9 mit rund 400 Sitzen für das Jahr 2023 versprochen. Inzwischen ist daraus 2025 geworden, und auch auf ihren ersten Dreamliner vom kleineren Typ Boeing 787 wartet die Kranich-Airline noch immer.

Wegen des akuten Flugzeugmangels sollen nun die im spanischen Teruel abgestellten A380 mit Millionenaufwand technisch wieder aktiviert werden. Die Airbus-Manuals schreiben Arbeiten und Kontrollen mit tausenden Mannstunden vor, bevor sie wieder abheben dürfen, berichten Insider. Lufthansa hat zudem nur noch 14 Piloten an Bord, die über eine gültige Lizenz für das einstige Flaggschiff verfügen. Auch Flugbegleiter und Mechaniker müssen ihre Zulassungen erneuern - und fehlen dann im laufenden Dienst, der ohnehin derzeit nicht rund läuft.

Acht Maschinen

Die Fluggesellschaft verfügt noch über acht von einstmals 14 A380, denn sechs Maschinen hat der Hersteller Airbus zu einem nicht genannten Preis zurückgenommen. Mit ihren mehr als 500 Plätzen in der vergleichsweise großzügigen Lufthansa-Bestuhlung waren sie nur auf wenigen Verbindungen mit genügend Passagieren zu füllen, damit sich die einzelnen Flüge ökonomisch lohnten und zudem die Umwelt nicht über Gebühr belasteten.

Diese Argumente könnten auch schnell wieder ziehen, wenn sich die Lage beruhigt und zudem genug neue Flugzeuge verfügbar sind. Wann das sein wird und die A380 ihre Schuldigkeit als Lückenbüßer getan hat, ist eine offene Millionen-Frage. «Derzeit sind die A380 für Lufthansa die einzige Möglichkeit, auf bestimmten Strecken genug Kapazität anzubieten und den Markt nicht der Konkurrenz zu überlassen», meint Gerald Wissel von der Beratungsgesellschaft Airborne.

Schon weit vor der Pandemie hatte Airbus im Februar 2019 das Produktionsende der A380 verkündet, weil die Nachfrage zusammengebrochen war. Nur 14 Kunden entschieden sich weltweit für das technisch hochgelobte Flugzeug. Nach 251 Exemplaren ging im Dezember im Werk Hamburg-Finkenwerder eine Ära zu Ende, als die letzte A380 an Emirates übergeben wurde. Konkurrent Boeing hat ebenfalls darauf verzichtet, einen Nachfolger des legendären 747-Jumbos zu entwickeln, von dem seit 1969 mehr als 1500 Stück gebaut worden sind.

Vierstrahlige Riesenvögel

Noch ist offen, wie viele der Airbus-Großflugzeuge tatsächlich bei Lufthansa in den Linienbetrieb zurückkehren und ob sie von Frankfurt oder München starten werden. Für die Rheinmain-Metropole spricht die bessere internationale Vernetzung und die gigantische A380-Wartungshalle auf dem Flughafengelände. Intern wird damit gerechnet, dass etwa die Hälfte der eingemotteten Maschinen wieder in den Dienst geht. Für jede einzelne müssten nach Angaben der Vereinigung Cockpit mindestens 20 Piloten und Co-Piloten geschult werden.

Mit ihrer Rückbesinnung auf die vierstrahligen Riesenvögel steht die Lufthansa international keineswegs allein da. So hat British Airways ihre A380 reaktiviert, und der größte Superjumbo-Kunde Emirates will seine komplette Flotte so schnell wie möglich wieder an den Himmel bringen. Die Araber haben nicht weniger als 123 der 251 jemals gebauten A380 abgenommen. Zudem schicken auch Qatar, die japanische ANA, Qantas und Singapore Airlines die Riesenflieger wieder auf lange Reisen. Emirates-Chef Tim Clark sieht einen riesigen zusätzlichen Bedarf bis Mitte der 30er-Jahre, während die Industrie nur kleine Flugzeuge anbiete. Er wünsche sich eine neue, doppelt so große A380 mit möglicherweise drei Triebwerken, sagte Clark kürzlich dem Portal «airlineratings.com».

Der frühere A380-Kapitän Uwe Harter vom Weltpilotenverband Ifalpa freut sich über die Rückkehr des auch bei Kunden beliebten Riesenjets in Deutschland. «Das belegt doch, dass man mit einem nachhaltigen Aufschwung rechnet.» Wenn es gelinge, die Flugzeuge wieder zu füllen, rechne er mit weiteren fünf bis zehn Jahren Betrieb. «Letztendlich kommt es auf die Nachfrage durch die Kunden an.» Einen erneuten Corona-Schock oder einen vergleichbaren Einschnitt würde das Flugzeug nach seiner Überzeugung aber nicht überleben.

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