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Erst Dürre, nun Hochwasser - Blick nach Italien zu Pfingsten

Rom (dpa) - Aus Norditalien kamen zuletzt vermehrt Nachrichten und Bilder von Wetterextremen. Zunächst die Dürre und Trockenheit rund um den Gardasee - und nun die Überschwemmungen in der Emilia-Romagna. Ein Blick auf die Situation und die Prognosen vor dem Pfingstwochenende und den Ferien in Süddeutschland:

Wie ist die Lage in Norditalien vor dem Pfingstwochenende?

Nach einer monatelangen Trockenperiode in Norditalien regnete es in den vergangenen Wochen häufig und teils sehr intensiv. Das führte etwa in der Region Emilia-Romagna zu schweren Überschwemmungen und hunderten Erdrutschen. Etliche Orte vor allem nahe der Stadt Ravenna stehen immer noch unter Wasser. Mindestens 15 Menschen starben, Tausende mussten ihre Häuser verlassen. Die nächsten Tage und Wochen dürften unbeständig bleiben, vermuten Meteorologen.

Wie konnte es zu den heftigen Überschwemmungen kommen?

Es gibt mehrere Gründe: Die Niederschläge waren heftig, innerhalb von eineinhalb Tagen fiel mancherorts so viel Regen wie normalerweise in einem halben Jahr. Die Emilia-Romagna gilt als stark bebaute und versiegelte Region, das erschwert ein Versickern des Wassers. Weil es Anfang Mai bereits Regen und kleinere Überschwemmungen gegeben hatte, konnte der Boden laut Experten kaum noch Wasser aufnehmen. Die Trockenheit zuvor hatte zwei Effekte gehabt: ein hart gewordenes Erdreich, das weniger Wasser absorbieren kann, sowie die Entstehung von Klüften an den Hängen, die bei Starkregen zu Erdrutschen führten.

Kann man derzeit in die Emilia-Romagna reisen?

Ja. Bei weitem nicht die ganze Region ist betroffen. Der Landesteil westlich der Hauptstadt Bologna etwa wurde weitgehend verschont, dort geht der Alltag normal weiter. In Ferrara im Norden der Region gab Rockstar Bruce Springsteen kurz nach den Unwettern sogar ein Open-Air-Konzert - und zog die Empörung vieler Italiener auf sich. Reisen in die überschwemmten und von Erdrutschen gefährdeten Gebiete aber sind teilweise nicht möglich. Das Auswärtige Amt warnt im Internet mit entsprechenden Hinweisen - sprach aber keine offizielle Reisewarnung aus. Einige Gebäude oder Ortsteile im hügeligen und bergigen Apennin sind nach Erdrutschen gar nicht zu erreichen.

Wie sieht es an Touristenorten an der Adria aus?

Rimini kam verhältnismäßig glimpflich davon, auch wenn es in der Stadt auf dem Höhepunkt der Unwetter ebenfalls Hochwasser gab. Über die anfangs gesperrte Autobahn A14, auch als «Adriatica» bekannt, kann man den Badeort wieder erreichen. Die Zugstrecke zwischen Bologna und Rimini ist bei Faenza noch unterbrochen - die Bahn hofft auf eine Wiedereröffnung bis Anfang Juni. Riminis Strände sind weitgehend gesäubert; die Stadt hofft nach dem Wetterschock auf viele Urlauber und entsprechende Einnahmen. Tourismus-Ministerin Daniela Santanchè warnte in einem Interview von «La Stampa»: «Nach dieser Tragödie darf nicht noch eine weitere folgen, nämlich eine wirtschaftliche rund um den Fremdenverkehr.» Sie warb für Urlaub in der Romagna.

Was hatte es mit den Meldungen über Dürre am Gardasee auf sich?

Im Sommer 2022 und dann auch den Winter über hatten ausbleibende Niederschläge zu einer heftigen Trockenheit in Norditalien geführt. Aus dem mächtigen Fluss Po etwa wurde an manchen Stellen ein kleines Rinnsal, auch im Gardasee sank der Pegelstand: Im Oktober lag er bei 22 Zentimetern, Mitte April bei 45 Zentimetern, wie die Gebietskörperschaft «Comunita del Garda» mitteilte - das waren historische Tiefs. Der Pegelstand ist die Höhe des Wasserspiegels über einem Pegelnullpunkt (dieser liegt bei 64,027 Metern über dem Meeresspiegel). Er entspricht also nicht der wirklichen Wassertiefe - der größte See Italiens ist durchschnittlich mehr als 130 Meter tief.

Welche Auswirkungen haben die vielen Niederschläge?

Der Regen füllte den Gardasee. Der Pegelstand erreichte diese Woche 80 Zentimeter. Das entspricht in etwa dem Wert aus dem Mai 2022, ist aber noch deutlich weniger als in den Jahren zuvor. Die während der Dürreperiode freiliegende Passage zur Isola dei Conigli liegt wieder unter Wasser. «Die Situation hat sich deutlich verbessert», sagte Flavio Mattiotti, Bürgermeister von Manerba del Garda, im TV-Sender RaiNews24. «Wir sind extrem optimistisch für die nächsten Wochen.» Als Wasserreservoir ist der See wichtig in der Landwirtschaft zur Bewässerung der Felder und für die Industrie. Auf den Tourismus und die Schifffahrt auf dem See hatte der Wasserpegel kaum Auswirkungen.

Was bedeutet die Entwicklung für den Sommer und die Zukunft?

«Es gibt Hinweise darauf, dass der Juni etwas regnerischer wird als gewöhnlich», sagt Carlo Cacciamani, Direktor der staatlichen Agentur ItaliaMeteo. «Danach könnte der Regen nachlassen und uns ein heißer Sommer bevorstehen.» Falls dieser so trocken wird wie jener 2022, sind Maßnahmen zum Wassersparen nicht auszuschließen, etwa abgedrehte Brunnen oder leere Schwimmbecken. Bei einer Sache ist sich Massimo Gargano, Generaldirektor des Verbandes zum Schutz des Territoriums und der Bewässerung, sicher: «Das Klima hat sich geändert. Im ständigen Wechsel werden wir von nun an Dürreperioden und Phasen erleben, in denen wir über zu viel Wasser klagen. Auch in diesem Jahr werden wir uns schon auf die nächste Notlage vorbereiten müssen.»