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Erdogan feuert Notenbank-Chef

·Lesedauer: 3 Min.

Der türkische Präsident erlässt überraschend den Notenbank-Chef Murat Uysal. Zuvor war die türkische Lira erneut auf ein Rekordtief zum Dollar gefallen.

Der türkische Präsident ist um den Verfall seiner Währung besorgt. Foto: dpa
Der türkische Präsident ist um den Verfall seiner Währung besorgt. Foto: dpa

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat angesichts der anhaltenden Währungskrise überraschend Notenbank-Chef Murat Uysal entlassen. Zum Nachfolger bestimmte er per Erlass Ex-Finanzminister Naci Agbal, wie im Amtsblatt am Samstag mitgeteilt wurde. Die türkische Lira war am Freitag erneut auf ein Rekordtief zum Dollar gefallen. Gegenüber der US-Währung hat sie in diesem Jahr um 30 Prozent nachgegeben.

Agbal war bislang Budget-Verantwortlicher im mächtigen Stab des Präsidialamts. Mit geldpolitischen Angelegenheiten war er zwar nie betraut. Er dürfte vielen Türkei-Analysten dennoch bekannt sein: Er ist Weggefährte von Ex-Finanzminister Mehmet Simsek sowie Ex-Wirtschaftsminister Ali Babacan. Agbal war Finanzminister, bevor der damalige Vize-Regierungschef Simsek dieses Amt übernommen hatte.

Die drei Ex-Minister standen für eine stabile Geldpolitik. Eine niedrige Inflation und ein robuster Wechselkurs standen oben auf der Agenda. Präsident Erdoğan wählte jedoch zuletzt einen unorthodoxen Wechselkurs, der auf günstige Kredite und einen niedrigen Leitzins fußte. Derzeit liegt der Leitzins mit 10,25 Prozent unterhalb der Inflation, die bei rund 11,9 Prozent liegt.

Devisenexperten mahnen schon länger an, den Leitzins zu erhöhen. Stattdessen aber versuchte die Zentralbank mit anderen Methoden, die Geldmenge zu steuern. So blieb der Leitzins zuletzt stabil. Doch mittels alternativer Methoden stieg die durchschnittliche Verzinsung inzwischen auf knapp 15 Prozent.

Trotzdem verlor die Lira immer weiter an Wert. Alleine in diesem Jahr wertete die türkische Währung zum US-Dollar um ein Drittel ab. Ein Euro kostete in dieser Woche sogar zehn Lira.

Der neue Notenbankchef gilt als orthodox

Erdogans aktueller Finanzminister Berat Albayrak sagte noch in dieser Woche, eine Erhöhung des Leitzinses stehe nicht auf der Agenda. Erdoğan selbst sprach vor Kurzem noch von einem „Wirtschaftskrieg“, in dem die Türkei sich befinde.

Der neue Notenbankchef Agbal gilt als orthodox. Analysten dürften ihm eher zutrauen, den Wechselkurs zu stabilisieren und so auch die langsam steigende Inflation zu bändigen.

Gleichzeitig agiert er vom ersten Tag an in einem ungemütlichen Spannungsfeld. Agbal muss zwei divergierende Interessen ausgleichen: Einerseits wollen Investoren wie auch Konsumenten – und damit potenzielle Wähler – eine stabile Lira, die nicht für dauernde Preissteigerungen sorgt. Auf der anderen Seite stehen der türkische Präsident, sein Schwiegersohn und Finanzminister sowie die Realwirtschaft des Landes. Viele Unternehmen haben im dritten Quartal Rekordergebnisse veröffentlicht.

Keine leichte Aufgabe für Agbal. Er muss die Märkte beruhigen – und gleichzeitig den Unternehmern klarmachen, dass er es nicht zu weit treiben wird.

Erdogan hatte den bisherigen Amtsinhaber Uysal erst im Juli 2019 vom Vize-Chef an die Spitze der Notenbank befördert, nachdem er dessen Vorgänger Murat Cetinkaya im Streit über aus seiner Sicht zu hohe Zinsen gefeuert hatte. Uysal hatte anschließend mit Zinssenkungen begonnen. Im September hatte die Notenbank aber im Kampf gegen die Liraschwäche überraschend die Zinszügel wieder angezogen.

Mit Agenturmaterial.