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Erbschaftssteuer, Enterbung, Pflichten: Diese Dinge solltet ihr beachten, wenn ihr geerbt habt

Sandra Will
·Lesedauer: 5 Min.
Nach einem Trauerfall stellen sich viele rechtliche Fragen.
Nach einem Trauerfall stellen sich viele rechtliche Fragen.

Jeder zehnte Deutsche hat laut Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft in den letzten 15 Jahren ein Erbe erhalten, mit den geburtenstarken Nachkriegsgenerationen könnten das sogar noch mehr werden. Wer erbt, kann sich im Durchschnitt auf 85.000 Euro freuen.

Die meisten werden jedoch im niedrigen fünfstelligen Bereich erben, denn die obersten zehn Prozent der Begünstigten bekommen etwa die Hälfte des gesamten Erbvolumens, die andere Hälfte geht an die restlichen 90 Prozent. Die Aufteilung fördert laut Wissenschaftler die wachsende Ungleichheit zwischen Arm und Reich und führte in der Vergangenheit in der Politik immer wieder zu Debatten rund um das Erbrecht und die Erbschaftssteuer.

Wer erbt, muss sich in einer möglicherweise schwierigen Phase um wichtige Angelegenheiten kümmern. Auf diese Dinge solltet ihr deshalb laut einem Experten achten.

Wer erbt überhaupt?

Nach dem Tod einer Person greift entweder das Testament des Verstorbenen oder die gesetzliche Erbfolge tritt ein. Dass ein Testament nicht oder nur zufällig gefunden wird, passiert laut Anton Steiner, Fachanwalt für Erbrecht in München und Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht, sehr oft. Denn hat der Erblasser sein Testament nicht amtlich beim Nachlassgericht hinterlegt, kann es sein, dass es unauffindbar bleibt. „Das beste Testament bringt nichts, wenn es nicht gefunden wird”, sagt Steiner. Unabhängig davon, ob ein Testament existiert oder nicht, wird das Nachlassgericht die Erben ermitteln und sie benachrichtigen. „Man muss aber nicht auf das Gericht warten, sondern kann sich auch selbst melden, wenn man vom Tod des Erblassers erfahren hat”, sagt der Erbrechtsexperte.

In einer klassisch-bürgerlichen Familie erben zunächst die Verwandten ersten Grades, das sind der Ehepartner und die Kinder. Demnach erbt der Ehepartner des Verstorbenen die Hälfte seines Nachlasses, der Rest wird unter den Kindern aufgeteilt. Das „Berliner Testament” stellt eine Sonderrolle dar, denn hierbei setzen sich die Ehepartner gegenseitig als Alleinerben ein. Weitere Sonderfälle entstehen, wenn die Ehepartner eine Gütertrennung vereinbart haben, dann erben Ehepartner und Kinder zu gleichen Teilen. „Gibt es keine näheren Verwandten, erben die Eltern, Geschwister oder deren Nachkommen”, erklärt Anwalt Steiner.

Erbe annehmen oder ausschlagen

Sechs Wochen nachdem man erfährt, dass man Erbe einer verstorbenen Person geworden ist, muss man sich entscheiden, die Erbschaft anzunehmen oder abzulehnen. Nimmt man sie an, haftet man für den Nachlass und übernimmt damit auch mögliche Schulden. Grundsätzlich mache es laut Steiner Sinn, das Erbe bei Schulden auszuschlagen oder wenn diese nicht vom übrigen Erbe bezahlt werden können. Manche Berechtigten schlagen das Erbe auch zugunsten der nachfolgenden Generation aus, wenn sie es selbst nicht benötigen. So fällt dann auch eine mögliche Erbschaftssteuer nur für die Nachfahren an, die das Erbe annehmen.

Wann braucht ihr einen Erbschein?

Wer sich dazu entschlossen hat, das Erbe anzunehmen, benötigt in der Regel einen Erbschein, der beim Nachlassgericht beantragt werden muss. Ausnahme stellt das notarielle Testament dar, das die Erben im Geschäftsverkehr als Bevollmächtigte legitimiert. Der Erbschein ist laut Steiner „das Mittel, um Außenstehenden Sicherheit zu geben”, zum Beispiel wenn es um Zugriff auf Konten des Erblassers geht und die Bank eine amtliche Legitimierung der Erben fordert. „Spätestens wenn Grundbesitz Teil der Erbschaft ist und im Grundbucheintrag umgeschrieben werden muss, benötigt man in der Regel den Erbschein, damit man sich als neuer Eigentümer legitimieren kann”, sagt Steiner. Die Kosten für den Schein sind abhängig von dem Wert des Nachlasses. Bis zu einer Grenze von 10.000 Euro sind es 75 Euro für den Schein, hinzu kommt noch zusätzlich eine weitere Gebühr für die eidesstattliche Versicherung, auch noch mal von 70 Euro. Bei 50.000 Euro wachsen die Kosten auf etwa das Doppelte an, bei Immobilienbesitz wird der Verkehrswert miteinbezogen, der Erbschein kostet dann oft mehrere tausend Euro.

Welche Folgen hat eine Enterbung?

„In Deutschland gilt der Grundsatz, dass jeder jeden ohne jeden Grund enterben kann”, erklärt der Experte. Diese sogenannte Testierfreiheit bedeute jedoch nicht, dass der Enterbte komplett leer ausgeht. Wirtschaftlich kann nahen Angehörigen, wie dem Ehegatten und den Kindern, nicht alles entzogen werden. Dies gilt auch für die Eltern, sofern der Erblasser kinderlos blieb. „Im Falle einer Enterbung haben die nahen Angehörigen Anspruch auf einen Pflichtteil. Dieser Pflichtteil ist die Hälfte des gesetzlichen Erbteils in Geld”, sagt Steiner. Dies bedeute, dass der Pflichtteil ausbezahlt werden muss – ein Anspruch auf möglichen Grundbesitz, materielle Dinge oder andere Formen des Erbes gilt nicht.

Wie hoch ist die Erbschaftssteuer?

Bei der Berechnung der Erbschaftssteuer gibt es einen Freibetrag, der abhängig vom Verwandtschaftsgrad ist. „Der Ehegatte muss bis zu einem Betrag von einer halben Million Euro keine Steuer zahlen, für Kinder gilt ein Freibetrag von 400.000 Euro, für Enkelkinder 200.000 Euro”, sagt Steiner. Mit 20.000 Euro ist der Freibetrag am geringsten für Geschwister, Neffen, Nichten und Erben, die nicht mit dem Erblasser verwandt waren. Je nach Verwandtschaftsgrad greift dann die Erbschaftssteuerklasse. Übersteigt das Erbe den Steuerfreibetrag, müssen nahe Verwandte beispielsweise sieben Prozent Steuern zahlen, entferntere Verwandte 15 Prozent und noch entferntere oder nicht-verwandte Personen sogar 30 Prozent. Diese Werte erhöhen sich mit einem höheren Nachlass.

Habt ihr als Erbe Pflichten?

Erben sind juristisch nicht dazu verpflichtet, sich um die Bestattung zu kümmern, diese Pflicht haben die nächsten Angehörigen. „Die Pflicht, für die Kosten aufzukommen, liegt jedoch beim Erben”, sagt Steiner.

Mit der Annahme des Erbes trete man dieselben Pflichten an, die der Erblasser hatte. „Ist eine Mietwohnung Teil des Nachlasses, habe ich die Pflicht, mich um das Objekt zu kümmern. Ist es ein Tier, muss ich mich diesem annehmen.”

Und was tun mit dem Erbe?

Anwalt Steiner empfiehlt den Erben meistens, sich mit der Vermögensstruktur auseinander zu setzen. Ein Nachlass sollte gut und divers angelegt werden, wie es auch für sämtliches anderes Vermögen gilt.