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Entwicklungsminister Müller: „In zehn Jahren können wir den Hunger besiegen“

·Lesedauer: 3 Min.

Zum Tag der Welternährung forderte der Entwicklungsminister mehr Engagement der EU gegen Ernährungsprobleme in der Coronakrise.

Corona und Hunger sind zwei globale Krisen, die sich gegenseitig verstärken. Doch während Corona die globale Aufmerksamkeit auf sich zieht, erfährt der Hunger kaum Beachtung. Dabei könnte der Weltbank zufolge durch die Pandemie die Zahl der Hungernden bis 2021 um 150 auf 840 Millionen Menschen weltweit steigen.

„Deutschland hat ein millionenschweres Sofortprogramm zur Entwicklungshilfe in der Coronakrise auf den Weg gebracht“, berichtete Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) am Donnerstag beim „Dialog zum Tag der Welternährung“ des Handelsblatts in Kooperation mit Syngenta und Share in Berlin. Bei der Europäischen Union hingegen sehe das anders aus. „Im Haushalt für die nächsten sieben Jahre wurde der Etat für Investitionen in Afrika gekürzt“, kritisierte er „da müssen Korrekturen vorgenommen werden.“

Mit dieser Forderung ist Müller nicht allein: Auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte auf der Veranstaltung ein größeres internationales Engagement zur Bekämpfung des Hungers. Bei CSU-Politiker Müller wird Hofreiter vor allem wegen seiner naturwissenschaftlichen Expertise geschätzt: „Als Biologe versteht er die Zusammenhänge nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch“, lobte er den Kollegen.

Biologische Zusammenhänge sind für den Entwicklungsminister, der selbst auf einem Bauernhof aufwuchs, der wichtigste Aspekt für die landwirtschaftliche Zukunft in den sogenannten Entwicklungsländern. „Lagerung, Verarbeitung, Bewässerung, Mechanisierung, Saatgut“, zählte Müller die Punkte auf, die für ihn die zentrale Frage nach einer verbesserten Produktivität beantworten sollten.

Dies war allerdings der einzige Punkt, bei dem er sich von der Perspektive Hofreiters nennenswert unterschied: Für den Grünen ist die industrialisierte Landwirtschaft zumindest in einigen Teilen der Welt ein Teil des Problems. Dann nämlich, wenn „sie Leute von ihrem Land vertreibt“, führte Hofreiter aus und fügte hinzu: „Auch die lokal verankerte Landwirtschaft kann sehr hohe Erträge erzielen.“

Heuschreckenplagen und Überschwemmungen in Äthiopien

Einigkeit herrschte hingegen bei der Ansicht, dass der Klimawandel das Problem des Hungers weiter verschärfen wird. „Die Klimakrise wirkt sich in vielen Teilen der Welt stärker aus als bei uns“, sagte Anton Hofreiter. Dazu zählt auch Äthiopien. Das ostafrikanische Land wurde in den letzten Monaten von einem geradezu apokalyptischen Ausmaß an Katastrophen heimgesucht.

Hailemariam Desalegn, ehemaliger Premierminister von Äthiopien, berichtete auf der Handelsblatt-Veranstaltung per Videoschalte: „Neben der Pandemie und der Heuschreckenplage hatten wir auch noch große Überschwemmungen.“ Er sieht Europa und nicht China als wichtigsten Partner beim Aufbau von Resilienzprogrammen gegen die genannten Katastrophen – äußerte aber auch Kritik. Er spreche stets das Thema EU-Agrarsubventionen an, berichtete Desalegn „wir möchten faire Bedingungen, um unsere Produkte auch exportieren zu können“, kritisierte er die EU-Förderung.

Die Subventionen werden international vor allem deshalb kritisiert, weil sie europäische Produkte künstlich verbilligen und im internationalen Wettbewerb unangreifbar machen. Auch die deutschen Politiker Müller und Hofreiter äußerten sich auf die landwirtschaftlichen Förderungen der EU angesprochen kritisch. „Das ganze Subventionsgeschehen gehört umgestellt“, sagte Anton Hofreiter.

Dass nicht nur die Corona-Pandemie den Hunger in der Welt verstärkt, sondern dass es auch einen umgekehrten Effekt gibt, machte Francesco Branca, Ernährungsexperte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) deutlich. Eingeschränkter Zugang zu gesundem Essen mache es dem Virus leichter, sagte Branca und fügte hinzu: „Es ist ein Teufelskreis.“

Dabei ließe sich der Hunger als globale Herausforderung bezwingen, rechnete Entwicklungsminister Müller vor. „Wir brauchen 14 Milliarden Euro an globalen Investitionen pro Jahr“, sagte er „um den Hunger bis 2030 zu besiegen.“

Dazu bedürfe es aber nicht nur der Politik, auch die Privatwirtschaft solle unterstützen: „Wir brauchen den Aufbruch der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft“, sagte Müller, „zum Beispiel zur Verbesserung von Kühl- und Logistikketten.“ Seinen an die Wirtschaft gerichteten Appell beendete er mit den Worten: „Auf nach Afrika!“