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Entlassungswellen 2018: Diese Firmen haben ordentlich Personal eingespart

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Egal, ob in der Autobranche, dem Bankwesen oder der Pharma-Industrie: Im laufenden Jahr mussten Mitarbeiter vieler Geschäftszweige mit schlechten Nachrichten umgehen und deren Konsequenzen entweder schon tragen oder sie haben sie noch vor sich.

Um mittelfristig 270 Millionen einzusparen, baut Siemens zunächst 2900 Stellen in Deutschland ab. Hier protestieren Mitarbeiter gegen die Sparmaßnahmen. (Bild: Getty Images)

Bayer

Spekuliert worden war darüber schon länger, doch im November wurden die Befürchtungen der Bayer-Mitarbeiter konkret. Innerhalb des Konzerns steht jede zehnte Stelle zur Disposition, konkret sollen bis 2021 ganze 12.000 der insgesamt 118.200 Stellen abgebaut werden, wurde nach einer Sitzung des Aufsichtsrats bekannt. Dazu teilte der Konzern mit, ein „signifikanter Teil“ des Abbaus werde Deutschland betreffen.

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Den Sparmaßnahmen werden auch ganze Geschäftsfelder zum Opfer fallen, zum Beispiel das der Tiermedizin. Das wiederum betrifft vor allem den Standort Kiel mit dem Tochterunternehmen KVP-Pharma, das verkauft werden soll. Der Konzernchef Werner Baumann legte bei der Verkündung Wert auf die Feststellung, die Maßnahmen hätten nichts mit der Debatte um Glyphosat und der Übernahme von Monsanto zu tun.

Insgesamt sollen 14.700 Stellen in den Bereichen Verwaltung und Produktion gestrichen werden. (Bild: ddp)

General Motors

In den USA will der größte Autokonzern General Motors bis Ende 2020 jedes Jahr sechs Milliarden Dollar einsparen. Insgesamt sollen 14.700 Stellen in den Bereichen Verwaltung und Produktion gestrichen werden. Die Fabriken in Detroit, Lordstown, Oshawa in Kanada, Warren und Baltimore könnten ganz geschlossen werden.

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Von dem Personalabbau in der Größenordnung von 15 Prozent entfallen 25 Prozent auf Führungsjobs, hieß es aus der Konzernzentrale. Der Konzern will mit Blick auf Zukunftstechnologien wie Elektroautos Investitionen auch umschichten. US-Präsident Trump reagierte auf die Ankündigung mit der Drohung, „GM-Subventionen zu kürzen, inklusive der für Elektroautos“.

Deutsche Bank

Im Mai berichtete das „Wall Street Journal“, bei der Deutschen Bank stünden 10.000 Stellen aus allen Bereichen und Regionen auf der Kippe. Mit einer Mitarbeiterzahl von rund 97.000 wäre damit jeder zehnte Angestellte betroffen. Der Konzern bestätigte kurz darauf, dass innerhalb weniger Monate weltweit mindestens 7000 Stellen eingespart werden sollen. Besonders betroffen seien Mitarbeiter im Bereich Aktienhandel sowie die Niederlassungen in den USA und Großbritannien. Ende September gab es bei der Deutschen Bank laut „FAZ“ noch 94.717 Stellen, 40.039 davon in Deutschland, wo bislang 500 Arbeitsplätze gestrichen wurden. Bis Ende 2019 soll die Zahl der Mitarbeiter deutlich unter 90.000 sinken.

Die Belegschaft von Tesla wurde via E-Mail über die Entlassungen informiert. (Bild: Getty Images)

Tesla

Per Twitter teilte Tesla-Chef Elon Musk eine E-Mail, die er an die Belegschaft geschickt hatte. Darin der Satz: „Wir müssen eine schwierige Entscheidung treffen und etwa neun Prozent unserer Kollegen über das gesamte Unternehmen hinweg gehen lassen.“ Mehr als 3000 Angestellte waren von den Sparmaßnahmen betroffen. Musk begründete den Schritt damit, dem Ziel der Profitabilität endlich näher kommen zu wollen. Gleichzeitig schrieb er auch: „Da Tesla in den fast 15 Jahren seines Bestehens noch keinen Jahresgewinn gemacht hat, ist unsere Motivation offensichtlich nicht der Profit.“ Laut Tesla-Chef waren über die Jahre überflüssige Posten entstanden und einige Positionen doppelt besetzt worden. Ende 2017 betrug die Zahl der Tesla-Mitarbeiter 37 543 Vollzeitangestellte.

Allianz

Bei der Allianz könnte ein großer Schocker drohen, das Ausmaß ist aber nicht ganz sicher. Im Juni schrieb das „Manager Magazin“, die Allianz wolle in Deutschland knapp ein Fünftel der Belegschaft einsparen. 5000 der bislang 29.000 Stellen sollten gestrichen werden. In Sprecher nannte das ein Gerücht, die Zahlen wären aus der Luft gegriffen. Dass Stellen abgebaut werden sollen, dementierte er nicht. Er sagte aber, es gäbe keine Zielgröße für den Abbau. Die Produktivität solle durch die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung gesteigert werden. Bislang arbeiten in Deutschland rund 26.000 Angestellte für den größten Versicherer in Europa.

Siemens-Mitarbeiter protestieren gegen die geplanten Entlassungen. (Bild: Getty Images)

Siemens

Im August soll sich Siemens-Chef Joe Kaeser während seiner Roadshow gegenüber Investoren folgendermaßen geäußert haben: Im Rahmen seiner Strategie „Vision 2020+“ könnten 20.000 Arbeitsplätze überflüssig werden, sagte er laut einem Medienbericht. Ganz so schlimm kam es dann doch nicht. Um mittelfristig 270 Millionen einzusparen, baut Siemens zunächst 2900 Stellen in Deutschland ab.

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Davon betroffen sind das Dynomawerk in Siemensstadt in Berlin, wo von bislang 800 Stellen weniger als die Hälfte übrig bleiben sollen. Im Gasturbinenwerk in Moabit trifft es 270 Mitarbeiter. Angesichts des vergleichsweise milden Ausgangs zeigten sich sogar die Betriebsräte und die IG Metall zufrieden.