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Enpal sammelt 100 Mio Euro ein: Traum von 1 Million Solardächern

·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Mario Kohle will es deutschen Hausbesitzern einfacher machen, per Photovoltaik Strom auf ihren eigenen Dächern zu produzieren, ohne sich dafür in einen Wust administrativen Kleinkrams werfen zu müssen. Dafür sammelt seine Enpal GmbH nun frisches Kapital ein.

Die jüngste Finanzierungsrunde spült den Berlinern um Geschäftsführer Kohle etwa 100 Millionen Euro in die Kasse - das Dreifache dessen, was das 2017 gegründete Unternehmen in Summe seit seiner Seed-Finanzierung eingesammelt hat. Hinzu kommt ein auf mehr als 150 Millionen Euro aufgestocktes Refinanzierungsvolumen mit der Berliner Volksbank, der ING Groep NV und der Deutsche Kreditbank AG.

Wer sich für die Lösung des Startups entscheidet, bekommt eine fertige Anlage aufs Dach samt Anschlüssen, Wartung und - wichtig für viele - Abwicklung der Bürokratie. Monatlich zahlen die Kunden ähnlich viel, wie für die aktuelle Stromrechnung, verspricht Enpal - dafür gehört ihnen die Anlage am Ende dann selbst. Bis dahin bezahlt und betreibt sie Enpal.

Kohle spricht von seinem “Traum”, bis Ende des Jahrzehnts eine Million Anlagen zu installieren. Ende letzten Jahres waren es immerhin 8.000 deutschlandweit; der Zubau im Coronajahr übertraf mit 4.500 neuen Installationen das Vorjahr um das Dreifache. Zwischenziele auf dem Weg zur Million will Kohle nicht verraten. Letztes Jahr generierte das Unternehmen gut 56 Millionen Euro Umsatz.

Betroffenheit über den Klimawandel habe ihn bewogen, die Idee einer “rundum sorglos” Solarlösung für alle umzusetzen, so Kohle, der sich als “idealistisch, aber auch kapitalistisch” bezeichnet. “Wir versuchen, groß zu denken und kühn zu handeln”, so Kohle. “Für die meisten Leute wäre es schlicht sinnvoller, eine Solaranlage auf dem Dach zu haben, als nicht. Und ob wir ein schönes 21. Jahrhundert erleben, hängt - auch - davon ab, ob wir das tun.”

Für potenzielle Kunden zahlt sich das Modell wirtschaftlich vor allem dann aus, wenn man möglichst viel von dem auf dem eigenen Dach produzierten Strom selbst verbraucht. Letzteres wird künftig leichter, da Enpal neuerdings auch Batteriespeicher vermietet. Aufbau, Anschluss und Überprüfung der Anlage verbleiben in den Händen von Profis. Nach 20 Jahren kann der Kunde die Anlage für einen symbolischen Betrag übernehmen - die Lebensdauer der Solarmodule dürfte deutlich darüber liegen.

Die Zolar GmbH aus Berlin und die DZ-4 GmbH aus Hamburg bieten ähnliche Dienstleistungen an. Börsennotiert sind bereits Sunrun Inc. in den USA und seit Februar Otovo AS aus Norwegen.

Für Enpal selbst bedeutet das Geschäftsmodell neben hohem Finanzbedarf auch relativ hohe Komplexität: ein eigener Einkauf für Solarmodule in China ist nötig, Vertrieb und Kundenbetreuung ab nächstem Jahr womöglich auch im Ausland, dazu Software für die Kunden zum Monitoring von Erzeugung und Verbrauch sowie für Enpal, um ihre viele tausend Anlagen überwachen zu können. Zukünftig dürften auch die Themen Heizung, etwa über Wärmepumpen, sowie Elektromobilität mit in das Angebot einbezogen werden.

“Unser Traum ist, dass jeder am Ende eine Solaranlage auf dem Dach hat, ein Elektroauto vor der Tür und einen Speicher im Hauswirtschaftsraum und man all diese Menschen zu einem großen Netzwerk zusammenbringt, wo alle mit ihrem selbstproduzierten Strom unabhängig sind, sich aber gegenseitig energetisch helfen”, so Kohle.

Der Gründer selbst hält nach dieser von Berenberg arrangierten Runde unter Führung von HV Capital noch die Mehrheit der Stimmrechte. Zu den bisherigen Anteilseignern, den Gründern des Online-Modehauses Zalando, Picus Capital mit Alexander Samwer, dem Delivery Hero-Gründer Lukasz Gadowski und Princeville Capital mit Schauspieler Leonardo DiCaprio gesellen sich nun unter anderem SolarCity-Mitgründer Peter Rive und HelloFresh-Mitgründer Thomas Griesel.

Ein Börsengang von Enpal sei eine Option, einen konkreten Zeitplan dafür gebe es allerdings derzeit nicht, so Kohle. Das Manager-Magazin hatte im März berichtet, ein Börsengang sei womöglich für die zweite Jahreshälfte geplant.

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©2021 Bloomberg L.P.

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