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Enpal holt sich 215 Millionen Euro – und wehrt sich gegen Kritik am Geschäftsmodell

Hinter Enpal-CEO Mario Kohle liegt ein erfolgreiches Jahr: Die Umsätze seines Startups haben sich gegenüber 2021 beinahe vervierfacht. - Copyright: Enpal
Hinter Enpal-CEO Mario Kohle liegt ein erfolgreiches Jahr: Die Umsätze seines Startups haben sich gegenüber 2021 beinahe vervierfacht. - Copyright: Enpal

Frisches Geld für das Solar-Einhorn Enpal: Das Berliner Startup hat in einer Series-D-Runde 215 Millionen Euro eingesammelt. Das teilte das Unternehmen am Montag mit. Angeführt wird die Runde von TPG Rise Climate, einem der weltweit führenden Fonds im Bereich erneuerbare Energien und Climate Tech. Zudem sind die Westly Group – einer der frühen Tesla-Investoren – und Activate Capital neu eingestiegen.

Weiteres Geld kommt von den Bestandsinvestoren, darunter HV Capital, Princeville Climate Tech und der Softbank Vision Fund II. Der hatte Enpal 2021 durch seinen Einstieg in einer erweiterten Series C zum Einhorn gemacht. Während andere Startups infolge der wirtschaftlichen Herausforderungen Downrounds hinnehmen müssen und Mitarbeiter entlassen, hat Enpal seine Bewertung mehr als verdoppelt – von 950 Millionen Euro in der Series C auf umgerechnet 2,25 Milliarden Euro (2,4 Milliarden Dollar).

Umsatz vervierfacht: über 400 Millionen Euro in 2022

Für Enpal läuft es gut. Das Berliner Startup vermietet Solaranlagen, Energiespeicher und Wallboxen an Kunden – anders als viele Konkurrenten, die die Anlagen zum Kauf anbieten. Die Mietdauer beträgt dabei rund 20 Jahre, danach können die Kunden die Anlagen für einen symbolischen Euro übernehmen. Durch die Energiekrise war die Nachfrage im vergangenen Jahr in die Höhe geschnellt: Wie Enpal mitteilte, konnte das Unternehmen seine Umsätze beinahe vervierfachen – von 110 Millionen Euro im Jahr 2021 auf mehr als 400 Millionen Euro.

Sorge, dass die gestiegene Nachfrage nach privaten Solaranlagen im neuen Jahr abflauen könnte, hat CEO Mario Kohle im Gespräch mit Gründerszene nicht: „Von 17 Millionen Einfamilienhäusern in Deutschland haben 15 Millionen weiterhin keine Solaranlage. Der Markt wird also noch wahnsinnig wachsen und es wird noch eine Zunahme der Nachfrage geben“, sagt er. „Erneuerbare Energien sind erst am Anfang.“

Mit dem frischen Kapital will Enpal das Produktportfolio erweitern. Konkret wurde Kohle dabei nicht, erklärte aber, dass „Produkterweiterungen geplant sind, die dazu beitragen, in Zukunft eine Gesamtlösung für erneuerbare Energien und ein CO2-neutrales Zuhause zu bieten.“ Darunter fällt auch die Weiterentwicklung des hauseigenen Energiemanagement-Systems.

Auch für die Expansion in neue Märkte will Enpal das Geld nutzen. Welche konkret geplant sind, will das Unternehmen nicht offiziell bekannt geben. Aber bereits im vergangenen November hatte Enpal unter anderem Expansions- und Sales-Manager für Italien und Spanien gesucht.

Enpal wehrt sich gegen Kritik am Preismodell

Allerdings hatte mit dem Boom auch die Konkurrenz zugenommen – und mit ihr die Kritik am Marktführer. So hatte 1Komma5-Gründer und Ex-Tesla-Manager Philipp Schröder im Gespräch mit Spiegel erklärt, Mietkunden würden etwa doppelt so viel zahlen wie bei einem Kauf der Anlage, was Enpals Angebote für Verbraucher letztlich unwirtschaftlich mache. Auch die Verbraucherzentrale erklärte, Kreditfinanzierung oder Mietmodelle könnten die Dauer, bis sich eine Solarnlage amortisiert hat, deutlich verlängern.

Enpals Mietmodell mit dem Kauf ohne Aufnahme eines Kredits zu vergleichen, findet Kohle allerdings „hanebüchen und plakativ“: „Das ist ja nichts anderes als beim Kauf eines Hauses“, sagt Kohle. „Wenn ich das Geld vorab in bar hinlegen kann und deshalb keine Zinsen für einen Kredit zahlen muss, kostet mich das Haus natürlich weniger.“ Zudem übernehme Enpal nicht nur den Kredit, sondern auch Instandhaltung und Versicherung der Anlage. Enpals Chief Evangelist Wolfgang Gründinger ging außerdem in die Transparenz-Offensive und legte dem Portal Trending Topics eine Modellrechnung vor, wie sich der Preis zusammensetzt und warum Kunden gegenüber einem kreditfinanzierten Kauf sparen.

Dem Spiegel hatte Mario Kohle bereits erklärt, dass auch Enpal bald auch ein Kaufmodell anbieten werde. Bedroht oder gar getrieben fühlt er sich von der Konkurrenz allerdings, wie er Gründerszene erklärt: „Wenn ich morgens unter der Dusche stehe, dann denke ich darüber nach, wie wir mit einer guten Lösung schnell wachsen können – und nicht über unseren Wettbewerb.“