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"Wir sind energetisch verfettet": Harald Lesch spricht bei "Hart aber fair" Klartext zum Energiemarkt

·Lesedauer: 5 Min.
"Wild-Wild-West" auf dem Strommarkt: Astrophysiker Harald Lesch redete sich bei "Hart aber fair" in Rage. (Bild: WDR / Screenshot)
"Wild-Wild-West" auf dem Strommarkt: Astrophysiker Harald Lesch redete sich bei "Hart aber fair" in Rage. (Bild: WDR / Screenshot)

"Zwei Millionen Deutsche frieren": Bei "Hart aber fair" wurde am Montagabend über die explodierenden Energiepreise debattiert. Wissenschaftler Harald Lesch mahnte dabei, diese politische Diskussion noch enger mit dem Klimaschutz zu verknüpfen.

Es ging zwar ausnahmsweise nicht um Corona und die damit verbundenen gesellschaftlichen Verwerfungen - allerdings hatte das Thema, über das Frank Plasberg am Montagabend in "Hart aber fair" debattieren ließ, kaum weniger soziale Sprengkraft: "Wer kann sich diese Energiepreise noch leisten?", lautete die zentrale Frage des ARD-Talks, der für sehr viele Zuschauer mit Blick auf die eigene horrende Strom- und Energierechnung fraglos passgenau angesetzt wurde. "Preisschock mitten im Winter: Strom und Gas reißen tiefe Löcher in die Haushaltskasse": Der markige Teaser dürfte Millionen Verbraucher aus dem Herzen gesprochen haben.

"Schön, dass Sie es sich leisten, den Fernseher laufen zu lassen, um 'Hart aber fair' zu sehen - kostet ja Strom": Gastgeber Frank Plasberg, der mit solchen Einleitungen seine Sendung auch ohne weiteres "Bitter, aber wahr" nennen könnte, zeichnete zu Beginn der Sendung ein spitzes, aber keineswegs übertriebenes Bild der Situation auf dem Energiemarkt: Die Verbraucher stöhnen, manch einer gerate bereits in soziale Not, nachdem ihm der Energiediscounter den Vertrag gekündigt hat und der Strom nun wesentlich teurer beim Grundversorger bezogen werden muss - und womöglich, so erläuterte der ARD-Talker weiter, ist all das noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Treibt die Energiewende die Preise weiter nach oben? Und was passiert, wenn Russland den Gashahn zudreht?

"Ich habe gedacht, die sind verrückt!" - Als Frank Plasberg seine Gäste fragte, was sie vom Vorschlag der EU-Kommission halten, die Atomstrom als "nachhaltig und klimaneutral" einstufen will, antwortete Wissenschaftler Harald Lesch unmissverständlich. (Bild: WDR / Screenshot)
"Ich habe gedacht, die sind verrückt!" - Als Frank Plasberg seine Gäste fragte, was sie vom Vorschlag der EU-Kommission halten, die Atomstrom als "nachhaltig und klimaneutral" einstufen will, antwortete Wissenschaftler Harald Lesch unmissverständlich. (Bild: WDR / Screenshot)

"Zwei Millionen Deutsche frieren"

Fragen über Fragen. Über Antworten und über die Hintergründe des mithin dramatischen Preisanstiegs setzen sich bei "Hart aber fair" Tilman Kuban (CDU), Jürgen Trittin (Die Grünen), Wissenschaftler Harald Lesch, Kerstin Andreae (Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW), Wolfram Weimer (Publizist) und Christina Wallraf (Energieexpertin der Verbraucherzentrale NRW) auseinander. Letztere stellte direkt klar: "Vorzeitige Kündigungen von Strom- und Gasanbietern sind unzulässig." Man könne jetzt Schadenersatzforderung geltend machen. Es ging in der Debatte ansonsten viel ums Detail: um politische Entscheidungen der Vergangenheit und um Ansätze, um hier und da gegenzusteuern. Um Ausgleichszahlungen und um technische Lösungen. Und immerhin, so wurde festgestellt, sind die erneuerbaren Energien ja auf dem Vormarsch ...

Konkret kündigte der Grünen-Mann Trittin zunächst an, dass die EEG-Umlage gesenkt und womöglich abgeschafft und aus Haushaltsmitteln ersetzt werden soll. Das immerhin wäre für die Verbraucher eine Entlastung. - Den Mut zur wirklichen Grundsatzdebatte brachte aber zunächst lediglich Astrophysiker Lesch auf, der in klaren Worten formulierte, worum es seiner Meinung nach geht: "Wir haben einen ganz wichtigen Markt, den Strommarkt, so flexibilisiert und liberalisiert, dass jetzt ein paar Geschäftsmodelle existieren, die so nicht funktionieren", schimpfte der Wissenschaftsvermittler und sprach von "Wild-Wild-West-Gebaren" auf dem Strommarkt, dem ein Riegel vorgeschoben werden müsse.

"Wir haben einfach nicht verstanden, wie teuer elektrische Energie tatsächlich ist", insistierte er, als Plasberg einwarf, ob diese Haltung nicht automatisch höhere Strompreise bedinge. Man habe die Energie "zu einer reinen Ware gemacht. Die eben einen Preis hat, aber keinen Wert", erklärte der Wissenschaftler daraufhin und wurde drastisch, als er von einer "energetischen Adipositas" sprach: "Wir sind energetisch verfettet. Und das fällt uns jetzt beim Klimaschutz auf die Füße." Später in der Sendung legte er noch nach, dass er es für "völlig verfehlt" halte, "die Energiedebatte ohne den Klimaschutz zu betreiben".

Politik und Wirtschaft riet Lesch, zur Wahrheit zu finden: Er "habe den Eindruck, dass sehr viele Beteiligte sich hier einfach nicht ehrlich machen, also nicht die Wahrheit sagen, was auf uns zukommt." Publizist Wolfram Weimer wollte das nicht unkommentiert stehenlassen. Die Energiewende sei zwar unstrittig nötig, doch der von Lesch vorgeschlagene Weg mache es "richtig teuer", meinte er. Weimer, selbst Unternehmer, verwies auf die erheblichen Probleme, welche die steigenden Energiekosten bereits jetzt in der Wirtschaft hervorriefen. Und: "Zwei Millionen Deutsche frieren. Und das finde ich einen sozial unhaltbaren Zustand", hielt Weimer Lesch entgegen. Der Wissenschaftler hatte jedoch prompt die Antwort parat: Umverteilung! Lesch sprach sich für die Abschaffung des "Dienstwagenprivilegs" aus und für eine Besteuerung von Kerosin. Überhaupt sei es an der Zeit, sich von "umweltschädlichen Subventionen" zu verabschieden.

"Ich habe gedacht, die sind verrückt!"

Die grundsätzliche politische Kontroverse des Abends lautete also wenig überraschend: Auf welchem Weg und zu welchem Preis ist die angestrebte Energiewende zu bewerkstelligen - so, dass sie sozial verträglich bleibt? - Da gehen die Meinungen in der Gesellschaft ebenso auseinander wie am Montagabend bei "Hart aber fair". Die einen schimpfen: "Energiepreisschock", die anderen machen Druck beim Klimaschutz, der, wie es Plasberg salopp formulierte, eben nicht "für Umme" zu haben sei.

An der Komplexität dieses Diskurses änderte sich logischerweise auch beim Thema Atomkraft nichts. Als Frank Plasberg seine Gäste fragte, was sie vom Vorschlag der EU-Kommission halten, die Atomstrom als "nachhaltig und klimaneutral" einstufen will, antwortete Lesch abermals unmissverständlich: "Ich habe gedacht, die sind verrückt!" Man müsse schon einen sehr schrägen Nachhaltigkeitsbegriff haben, wenn man zukünftigen Generationen ein solches Erbe auflaste. Lesch sprach von "Ewigkeitskosten" und einem Erbe, das den nachfolgenden Generationen aufgehalst werde - "da kann ich nur sagen: Oh, oh, oh!"

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