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Empörung im Netz: Lufthansa stockt Kurzarbeitergeld für Piloten mit Steuergeldern auf

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 4 Min.

Die Lufthansa stockt mit den Corona-Milliardenkrediten des Staates das Kurzarbeitergeld ihrer Piloten auf. Im Internet sorgt das für einen Sturm der Entrüstung.

Munich, Germany - December 9, 2019: Lufthansa Airbus A350 airplane at Munich airport (MUC) in Germany. Airbus is an aircraft manufacturer from Toulouse, France.
Die Lufthansa in der Kritik: Die Airline verwendet die Milliardenkredite des Staates auch zur Aufstockung des Kurzarbeitergeldes ihrer Piloten. (Bild: Getty Images)

Fassungslos sind viele Menschen angesichts dieser Aktion der Lufthansa. Die Fluggesellschaft nutzt die Milliardenkredite, die ihr der Staat in der Corona-Krise gewährt hat, auch für die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes ihrer Piloten. Kritik daran regt sich nicht nur in den Reihen der Oppositionspolitik. Auch die Steuerzahler machen im Internet ihrer Empörung Luft.

Dass die Lufthansa das monatliche Kurzarbeitergeld für ihre Ex-A380-Piloten auf bis zu 15.000 Euro erhöht, hat Konzern-Chef Carsten Spohr gegenüber der Zeitung Welt am Sonntag bestätigt. Dafür fordert er Verständnis ein. Mit dem reinen Kurzarbeitergeld würden sich sonst die "monatlichen Grundbezüge mehr als halbieren", meint er, denn ein Großteil des Gehalts liege über der Beitragsbemessungsgrenze.

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Die Hilfsmaßnahme Kurzarbeitergeld

Mit dem Kurzarbeitergeld übernimmt der Staat je nach Dauer des vorübergehenden Arbeitsausfalls und abhängig davon, ob die Beschäftigten Kinder haben, zwischen 60 und 87 Prozent des ausgefallenen Netto-Entgelds. Der Arbeitgeber zahlt den Rest. Als Grundlage für die Berechnung dient das Gehalt bis zur Beitragsbemessungsgrenze, die dieses Jahr bei 6900 Euro liegt.

Das Vorgehen der Lufthansa kritisieren mehrere Oppositionspolitiker scharf. FDP-Fraktionsvize Michael Theurer glaubt, der Konzern habe jegliches Maß verloren. "Angesichts der Tatsache, dass bei vielen Selbstständigen und Mittelständlern die Hilfen nicht ankommen, ist der Umgang der Lufthansa mit Steuerzahlergeld schwer vermittelbar", sagte er der Welt am Sonntag. Nach Ansicht der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel nehme der Staat "dem Mittelstand die Luft zum Atmen", auf der anderen Seite finanziere er "üppige Gehälter in der subventionierten Luftfahrtbranche".

Kritik auch von vielen Internet-Nutzern

Auch viele Bürger, deren Steuergelder die Lufthansa für die Kurzarbeitergeld-Aufstockung schließlich verwendet, sind empört. Auf diversen sozialen Netzwerken drücken sie ihren Unmut aus. "Da helfen die 9 Milliarden Euro Staatshilfe doch nun wirklich den besonders Betroffenen", schreibt ein Mann auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Ein weiterer Nutzer merkt sarkastisch an: "Planwirtschaft rules".

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Ein weiterer Twitter-Nutzer ist der Meinung: "ja klar und entlassen im gleichen Rutsch mehrere 10.000 Angestellte." Er werde die Lufthansa in Zukunft "als Transportunternehmen meiden". Denn "das Verhalten mit z.T. meinen Steuergeldern ist für mich akzeptabel". Eine Nutzerin derselben Plattform glaubt, die Art wie die Fluggesellschaft das Corona-Hilfspaket verwendet, sei "überhaupt nicht" vermittelbar.

Empört ist auch dieser Twitterer: "Hätte fast mein Abendessen erbrochen, mir fehlen die Worte...." Auf dem sozialen Netzwerk Facebook heißt es in einem Kommentar: "Das passiert, wenn man gänzlich die Bodenhaftung und den Respekt gegenüber dem Steuerzahler verloren hat. Wie kann man da als Vorstandsvorsitzender noch in den Spiegel sehen!?"

Viele Kritiker nehmen das Verhalten der Lufthansa zum Anlass für eine Systemkritik. Ein Facebook-Nutzer versieht sein Posting mit dem Hashtag "Verkehrte Welt". Sein Kommentar: "Wäre genau dieses Geld nicht viel besser in den Pflegeberufen untergebracht […] Die wären mit Sicherheit auch schon mit 5.000 Glücklich! Aber nein, die bekommen ja Kekse und man soll Freitags um 18.00 klatschen."

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Auf Twitter meint ein Nutzer: "Ich glaube es hackt: Für Soloselbständige gibt’s nix, für Angestellte bis 15.000 Euro. Die #Groko hat so fertig wie nur irgendwas." Einer anderer glaubt: "Nicht die LH hat Schuld. Es ist die naive dt. Bundesregierung, die 9 Mrd. € einer Firma übergibt ohne Mitspracherecht zu haben." Auf Facebook schreibt eine Frau: "Alles nur Betrug in diesem Land"