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Elring-Klinger-Chef Stefan Wolf: „Brennstoffzelle ist die Antriebsart der Zukunft“

·Lesedauer: 4 Min.

Wie sieht die Zukunft der Mobilität aus – rein batteriebetrieben oder mit Wasserstoffantrieb? Auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel wurde eifrig diskutiert.

Moderatorin Ina Karabasz im Gespräch mit Stefan Wolf (unten links), Jörg Burzer (oben rechts) und Stefan Reindl (unten rechts). Foto: dpa
Moderatorin Ina Karabasz im Gespräch mit Stefan Wolf (unten links), Jörg Burzer (oben rechts) und Stefan Reindl (unten rechts). Foto: dpa

„Die Brennstoffzelle ist die Antriebsart der Zukunft“, sagt Stefan Wolf, Chef des Autozulieferers Elring Klinger auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel. Bereits vor 20 Jahren hatte sein Unternehmen erste Schritte bei der Brennstoffzelle gewagt. Dutzende Millionen hat der mit Motordichtungen groß gewordene Mittelständler investiert, um in Zukunft weniger abhängig vom Verbrennungsmotor zu werden.

Wolf, auch designierter Chef des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, ist Fan der Brennstoffzellentechnik und sieht deren Vorteil vor allem beim Lastwagen, Bahn, Schiff und Flugzeug. Im Vergleich zu reinen Elektroantrieben sprächen die Reichweite, die im Vergleich zur Batterie höhere Speicherfähigkeit des Wasserstoffs sowie die Gesamtenergiebilanz für die Brennstoffzelle – trotz des geringeren Wirkungsgrads.
Das blieb auf dem in diesem Jahr rein digitalen Auto-Gipfel nicht unwidersprochen. „Im Pkw wird die Zukunft der Elektroantrieb sein“, sagte Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA), im Rahmen einer Diskussionsrunde auf der Fachtagung. Der mit 70 Prozent deutlich höhere Wirkungsgrad des Elektroantriebs sei entscheidend. Auch wenn der Autoexperte einräumt, dass es bei Nutzfahrzeugen gewisse Vorteile der Brennstoffzelle gebe.

Bei Personenwagen sei das Rennen aber gelaufen. Ein paralleler Aufbau eines engmaschigen Wasserstoff-Tankstellennetzes überfordere selbst eine so reiche Volkswirtschaft wie Deutschland. In anderen Ländern wäre das – allein finanziell – noch schwieriger.

Während Autoexperte Reindl fordert, dass die Politik sich für einen Weg entscheidet, präferiert Wolf verschiedene Ansätze: „Klimaschutz ist global, und die Märkte sind unterschiedlich“, betonte der Elring-Klinger-Chef und forderte Technologieoffenheit.

Japan und Korea etwa würden auch beim Pkw eindeutig auf die Brennstoffzelle setzen. „Selbst China schwenkt in die Richtung“, gab Wolf an. Auf Herstellerseite hatte sich Daimler zumindest bei den Lastwagen zu den Vorteilen der Brennstoffzelle bekannt. Mercedes-Produktionschef Jörg Burzer reagierte auf dem Auto-Gipfel gelassen. „Wir haben ja schon gezeigt, dass wir Brennstoffzellenfahrzeuge bauen können“, sagte er. Für sein Unternehmen sei es wichtig, flexibel auf die Kundennachfrage reagieren zu können, indem alle verschiedenen Antriebsarten in einem Werk gebaut werden können. Das gelte auch für Brennstoffzellenantriebe.

Elring Klinger mit Ambitionen

„Es kommt aber auf die Kunden an, ob sie diese Fahrzeuge kaufen“, spielte Burzer auf den höheren Kaufpreis an. Aktuelle Brennstoffzellen-Pkws von Toyota kosten selbst in der Kompaktklasse derzeit noch 80.000 Euro. Allein das Aggregat macht dabei ein Viertel des Preises aus.

Das Argument, dass ein Wasserstoff-Tankstellennetz mit zu hohen Investitionen verbunden ist, lässt Wolf nicht gelten: „Eine umfassende elektrische Ladeinfrastruktur einschließlich im privaten Bereich wird teurer, als nur Wasserstoffzapfsäulen in die bestehenden Tankstellen zu integrieren.“ In den nächsten fünf bis sieben Jahren werde Wasserstoff mit weniger Energieaufwand hergestellt werden und dadurch nachhaltiger. Der Elring-Klinger-Chef rechnet bereits bis 2025 mit einem deutlichen Anstieg der Zahl der Brennstoffzellenfahrzeuge. „Bis 2030 wird sich die Brennstoffzelle durchsetzen und danach sowieso“, ist Wolf überzeugt.

Sein eigenes Unternehmen versucht, mit Kooperationen noch schneller vorwärtszukommen. Aufsehen erregte Elring-Klinger mit der Zusammenarbeit mit Airbus. Die Schwaben stellen dem Flugzeughersteller ihre Brennstoffzellen-Technologie zur Verfügung und erhalten dafür einen zweistelligen Millionenbetrag. Ziel ist die Entwicklung eines Wasserstoffantriebs für Flugzeuge.

Vor einer Woche gab Elring-Klinger zudem eine weitreichende Kooperation mit Plastic Omnium bekannt. Die Franzosen wollen 100 Millionen Euro in das Gemeinschaftsunternehmen investieren und bringen Know-how beim Energiemanagement und der Steuerung von Wasserstoffsystemen ein. Beide Unternehmen rechnen damit, dass der Markt im Jahr 2030 auf eine jährliche Produktion von mindestens zwei bis drei Millionen Straßenfahrzeugen kommen wird.

Gemeinsam will man Brennstoffzellen-Stacks in Großserien produzieren und strebt bis zum Jahr 2030 einen Marktanteil von 10 bis 15 Prozent an. Das entspräche einem Umsatz von 700 Millionen bis einer Milliarde Euro. Auch ein weiterer schwäbischer Mittelständler, der Mahle-Konzern, forciert inzwischen Brennstoffzellenprojekte. Aktuell starten die Stuttgarter den Aufbau einer Wasserstofftestinfrastruktur am Stammsitz. Größer eingestiegen ist bereits zuvor der weltgrößte Automobilzulieferer Bosch. Er ist Lieferant des US-Projekts Nikola für den ersten Brennstoffzellen-Lkw.

Bei Brennstoffzellentechnik war Deutschland einmal Vorreiter. Zuletzt spielte die Musik aber in Asien, wo Milliardenbeträge in die Technologie investiert wurden. Jetzt rückt sie auch hierzulande wieder in den Fokus. Nicht zuletzt, weil die Bundesregierung der Wasserstoffwirtschaft sieben Milliarden Euro aus dem Corona-Konjunkturpaket zur Verfügung gestellt hat.