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Ich bin durch Elon Musks neuen Tesla-Tunnel gefahren – er löst kein einziges Verkehrsproblem

In Las Vegas hat Tesla-Chef Elon Musk ein neues Tunnelsystem installiert. Doch das löst keine Probleme und ist überflüssig.

Kaum Zeitersparnis, viel Personalaufwand: Das Tunnelsystem von Elon Musk in Las Vegas ist ein Rohrkrepierer. - Copyright: PATRICK T. FALLON / Kontributor
Kaum Zeitersparnis, viel Personalaufwand: Das Tunnelsystem von Elon Musk in Las Vegas ist ein Rohrkrepierer. - Copyright: PATRICK T. FALLON / Kontributor

Die Consumer Electronics Show (CES) ist in den vergangenen Jahren zur weltweit größten Mobilitätsmesse herangewachsen. Und das ausgerechnet in einer Stadt, die in Sachen alternativer Mobilitätsangebote überhaupt nichts zu bieten hat. Las Vegas ist komplett aufs Auto ausgerichtet.

Selbst am weltberühmten Touristenmagneten der Stadt, dem Strip, ist es schwer, sich zu Fuß fortzubewegen. Bürgersteige enden abrupt, Ampeln für Fußgänger gibt es nur wenige und abseits des Zentrums schon mal gar nicht. E-Scooter oder Leihfahrräder? Sucht man vergeblich. Es gibt schlichtweg keinen Platz für derartige Angebote. Besucher müssten zudem schon lebensmüde sein, um sich mit einem Fahrrad auf die sechs- bis achtspurigen Straßen in der Innenstadt zu begeben.

Ein Albtraum der alternativen Mobilität

Las Vegas ist ein Albtraum in Sachen alternativer Mobilität. Da helfen dann auch nicht die sporadisch fahrenden Busse (Fünf Dollar pro Fahrt) oder die Monorail-Bahn, die einige Hotels mit dem Konferenzzentrum verbindet.

Auftritt Elon Musk, der mit seiner Boring Company ein neues Tunnelsystem unter der Erde von Las Vegas installiert hat. Der sogenannte Tesla-Loop verbindet die Messehallen der Stadt mit immerhin einem Hotel. Ganze 2,5 Kilometer ist das Tunnelnetz lang, insgesamt sollen es mal 60 Kilometer werden und Las Vegas unterirdisch vom Flughafen bis zum Messezentrum vernetzen.

Gegenwärtig befindet sich das System in einer Testphase. Per Rolltreppe geht es zunächst unter die Erde, dort wird man von etlichen Helfern einer Parkbucht zugeordnet, wo die Fahrzeuge halten. Mehr als vier Personen können pro Fahrt aber nicht einsteigen. Das führt zu einigen Wartezeiten. In Zukunft sollen die Tesla-Fahrzeuge autonom durch den Tunnel fahren, aber im Moment erledigen das noch Menschen. Das System, so hört man auf Nachfrage, käme noch nicht mit dem Trubel an den Abholstationen zurecht. Damit fehlt noch das wichtigste Element, die die Idee von Elon Musk ausmacht.

Lange Wartezeiten fressen Zeitersparnis auf

Für Klaustrophobiker sind die engen Tunnel nichts. Da hilft auch die bunte Disco-Beleuchtung nicht. Die Tunnel sind gerade mal so breit, dass ein Tesla-Fahrzeug Platz hat. Notausgänge, wie sie beispielsweise in Europa vorgeschrieben sind, fehlen, ebenso Ausweichgassen. Bleibt ein Tesla liegen, stecken alle anderen Fahrzeuge dahinter fest. Und was passiert, wenn ein Fahrzeug Feuer fängt? Man möchte es sich nicht vorstellen.

Das entscheidende Argument gegen das Tunnelsystem aber ist ein anderes: Die Zeitersparnis, die Menschen durch den Loop haben, ist überschaubar. Statt 20 Minuten Fußmarsch werden circa zehn Minuten für die Strecke zwischen den Messehallen benötigt. Allerdings auch nur, wenn man direkt in ein Auto steigen kann. Ist viel Betrieb, frisst die Wartezeit den Zeitvorteil schnell auf.

Dazu ist der Personalaufwand für den Betrieb des Tunnelsystems bislang enorm. An den vier Haltepunkten arbeiten während der Öffnungszeiten jeweils ein paar Dutzend Personen, dazu kommen noch die Fahrer der rund 30 Tesla-Fahrzeuge. Diese sind permanent unterwegs. Knapp 55 Millionen Dollar hat das System bisher gekostet. Das Unternehmen von Elon Musk hat durchgerechnet, dass rund fünf Dollar pro Fahrt gezahlt werden müssen, damit sich die Tunnel refinanzieren können.

Es wäre günstiger, Autos eine Fahrspur wegzunehmen

Tatsächlich ist das System von Elon Musk günstiger als etwa der Bau einer neuen U-Bahn. Diese verschlingt pro Kilometer rund 200 Millionen Euro. Das liegt daran, dass Musk in seinen Tunneln keine komplizierte Technik verbauen muss und die Röhren deutlich schmaler und einfacher konstruiert sind. Allerdings erreicht der Tesla-Loop längst nicht die Auslastung, die eine U-Bahn schaffen würde. Überhaupt: Warum müssen ausgerechnet Autos den Transport erledigen? Autonome Bahnen gibt es weltweit schon jede Menge und sie transportieren Menschen sicher und zuverlässig.

Fazit: So dringend Las Vegas und viele andere Städte in den USA ein alternatives Transportsystem brauchen – der Loop von Elon Musk ist nicht die Lösung für die Verkehrsprobleme. Mit dem System lassen sich vielleicht ein paar Touristen von A nach B bringen. Aber als Ersatz für U-Bahnen taugen die Tunnel nichts. Der Loop in Las Vegas wird eine Randerscheinung bleiben. Für die Stadt wäre es billiger, Autos einfach eine Fahrspur wegzunehmen – um dort dann Fahrräder fahren zu lassen.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

Im Video: Elon Musk motiviert Tesla-Mitarbeiter mit E-Mail