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Elon Musk feiert Tesla-Profit und wettert gegen Corona-Maßnahmen

Der Tesla-Chef zetert gegen die Ausgangssperren und Produktionsstopps in den USA. Dabei fallen die Zahlen des E-Autobauers eigentlich erfreulich aus.

So revolutionär Tesla auch ist, Elon Musk hat die Gabe, die Innovationen seiner Firma mit seiner exzentrischen Persönlichkeit in den Schatten zu stellen. Während der Vorstellung der Zahlen des Elektroautobauers startet dessen Chef plötzlich eine Tirade gegen die Ausgangssperren in den USA und anderen Ländern, die die Massenansteckung mit dem Coronavirus verhindern sollen, aber auch die Produktion seiner Autos unmöglich machen. „Menschen gegen ihren Willen zuhause einsperren“, nennt er die Maßnahmen; und „faschistisch“.

Die Schließung von nicht essenziellen Geschäften und Fabriken, füge nicht nur Tesla, sondern vielen anderen Unternehmen extremen Schaden zu. „Gebt den Menschen ihre verdammte Freiheit zurück!“, sagt er schließlich und beantwortet bereits eine Minute später wieder einem Analysten eine Frage nach den Margen des neuen Modells Y.

Musk lenkt mit diesen Ausfällen von durchaus positiven Nachrichten ab: Zum ersten Mal in der Tesla-Geschichte schreibt das Unternehmen in dem traditionell schwachen ersten Quartal des Jahres einen kleinen Profit nach dem international anerkannten Rechnungslegungsstandard (GAAP). 16 Millionen Dollar bei einem Konzernumsatz von 5,99 Milliarden Dollar - letztere Kennzahl liegt 38 Prozent höher als im Vorjahresquartal. Die Marge des Automobilgeschäfts, das den Großteil von Teslas Geschäft ausmacht, steigt um 5,3 Prozentpunkte auf 25,5 Prozent. Teslas Aktie gewann nachbörslich um mehr als acht Prozent an Wert.

Tesla kommt bislang gut durch die Coronakrise, vor allem verglichen mit den alten Kämpen seiner Branche. Am Vortag hat Ford seine Zahlen präsentiert: Der Traditionskonzern, der einst die Massenproduktion erfand, ist ein Sanierungsfall: Im ersten Quartal hat der Konzern zwei Milliarden Dollar verloren, im zweiten dürfte sich der Verlust mehr als verdoppeln. Die Produktion ist weitgehend eingestellt, der Absatz stürzt ins Bodenlose. Ende März wurde Fords Kreditwürdigkeit von der Ratingagentur S & P auf Ramsch-Niveau herabgesetzt. Und Tesla, für die Traditonskonzerne einst die Branchen-Witzfigur, schreibt schwarze Zahlen.

Ambitionierte Pläne

Technologisch ist Tesla ohnehin Vorbild für die Branche: „Bei uns kann man in fünf Minuten am Smartphone ein Auto bestellen, das dann vor die Tür geliefert wird“, sagt Musk. Während Corona ein unschätzbarer Vorteil, wohl aber auch danach. Konkurrent Ford versucht inzwischen nachzuziehen: „In China werden ein Drittel unserer Autos online bestellt“, sagte COO Jim Farley bei der Vorstellung der Quartalszahlen. In Nordamerika seien es derzeit immerhin schon 25 Prozent.

Weil Tesla nicht alle Autos ausliefern kann, sinkt der zuletzt positive Cashflow von 895 Millionen Dollar ins Negative. Geldsorgen hat Tesla wegen einer 2,3 Milliarden Dollar starken Kapitalerhöhung im Februar trotzdem erstmal nicht: Der finanzielle Abgrund, vor dem Tesla vor wenigen Jahren noch stand, ist inzwischen nur noch klein im Rückspiegel zu sehen: 8,1 Milliarden Dollar liquide Mittel sollten lange reichen.

„Während andere ihre Investitionen bremsen, treten wir das Gaspedal voll durch“, sagt Musk. Schon im Mai, spätestens aber im Juli, werde Tesla den Standort für eine weitere Gigafactory bekannt geben. Dabei hatte der E-Autobauer erst vor wenigen Monaten bekannt gegeben, ein Werk in der nähe von Berlin bauen zu wollen. Die neue Gigafactorty soll wieder in den USA liegen und ab 2021 den Roadster, den futuristischen Cybertruck und den Elektro-Lkw Semi produzieren. Auch Berlin liege im Plan, 2021 würden dort wie geplant die ersten Models Y ausgeliefert, so Musk.

Der Tesla-Chef kündigte zudem an, dass ein Software-Update für die „Full Self Driving Capability“ bis Ende des Jahres angeboten werden soll - zum Preis von 7000 Dollar oder gegebenenfalls auch für eine Abogebühr. Teslas Autopilot, verspricht Musk, soll dann in der Regel ohne Eingriff des Fahrers eine Pendelstrecke zurücklegen können. Ein Versprechen, das viele Experten für unhaltbar und fahrlässig halten. Vor wenigen Tagen erst hat Tesla ein Feature veröffentlicht, das Autos an Ampeln und Stoppschildern automatisch anhalten lässt, worauf Nutzer Videos von plötzlichen Bremsaktionen der Software posteten.

Einkassierte Ziele

Doch Teslas Autopilot verbessert sich mit zunehmender Nutzung. Kritiker halten Musk deshalb vor, seine Kunden als Versuchskaninchen zu missbrauchen. Er selbst vergleicht Tesla mit Google: „Niemand kann eine bessere Suchmaschine bauen, weil sie mit jeder Suche besser wird.“

Auch bei der Reichweite der Elektro-Fahrzeuge düse Tesla der Konkurrenz immer weiter davon: 630 Kilometer könne ein Model S mit einer Batterieladung inzwischen zurücklegen, erklärt Tesla, 212 Kilometer mehr als das reichweitenstärkste Auto eines Konkurrenten. Der Vorsprung sei seit 2017 um 56 Kilometer gestiegen. Für die dritte Maiwoche hat Musk Teslas „Battery Day“ angekündigt, bei dem mit der Vorstellung von noch leistungsfähigeren Batterien gerechnet wird.

Solche PR-Events werden fürs Erste die einzigen positiven Botschaften für Tesla produzieren: Die Probleme, die durch Corona und die bevorstehende Weltrezession bevorstehen, schlagen im zweiten Quartal voll auf den Autobauer durch. Die Fabrik im kalifornischen Fremont kann mindestens den ganzen Mai noch nicht wiedereröffnet werden.

Teslas Versuche, als lebensnotwendiges Gewerbe anerkannt zu werden, sind gescheitert - wohl auch ein Grund für Musks Rage. Seinen Ausblick auf Cashflow und Gewinn für das Gesamtjahr hat Tesla kassiert. Das Ziel, in diesem Jahr 500000 Autos auszuliefern, ebenso. Man werde nur die Kapazität dafür aufbauen und das Ziel für das nächste Jahr auf 1000000 anheben. Immerhin: Wachstum und eine erfolgreiche Zukunft nach Corona traut man Tesla gerade eher zu als vielen seiner Konkurrenten.