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Elfjähriger kolumbianischer Umweltaktivist bekommt Morddrohungen

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Francisco Vera setzt sich mit vollem Einsatz für die Umwelt ein. Dabei ist der Kolumbianer erst elf. Nachdem er Morddrohungen bekam, erhielt er nun Post von der UN.

Die kolumbianischen Ökosysteme gehören zu den vielfältigsten Der Erde. (Bild: Getty)
Die kolumbianischen Ökosysteme gehören zu den vielfältigsten Der Erde. (Bild: Getty)

Wie viele Kinder auf der Welt sorgt sich Francisco Vera Manzanares momentan um den Zugang zu Bildung. Während der Corona-Pandemie ist dieser bei geschlossenen Schulen besonders schwierig. Diesen Zustand prangerte er in einem Online-Video an. Nur ist Francisco nicht irgendein Elfjähriger. In seinem Heimatland Kolumbien ist der Junge bekannt für seinen Umweltaktivismus. Und wie sein Vorbild Greta Thunberg bekommt auch Francisco sehr viel Gegenwind zu spüren. Als Reaktion auf das Schul-Video bekam er Mitte Januar sogar Morddrohungen per Twitter.

Ein UN-Brief zur Ermutigung

Doch der mutige Junge steht nicht alleine da. Die Vereinten Nationen schickten dem kleinen Aktivisten einen Brief, in dem sie seinen Einsatz für die Umwelt anerkannten und ihm zu seiner Pionierarbeit gratulierten. Der Brief wurde per Bote nach Kolumbien gebracht und von der UN-Menschenrechtsbeauftragten Michelle Bachelet persönlich unterzeichnet. Die ehemalige chilenische Präsidentin schrieb an Francisco, dass die Welt mehr junge Menschen brauche, die seine Leidenschaft den Planeten zu schützen teilten. Der so ermutigte Kolumbianer lässt sich offensichtlich nicht einschüchtern und postete ein Bild von sich mit einer Maske, auf der zu lesen war: “Wir Jungs und Mädchen haben das Recht, unsere Meinung zu sagen.”

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2020 gab es 53 Morde an Aktivisten

Francisco setzt sich vor allem für Umweltschutz und Kinderrechte ein. Beides Themen, die in Kolumbien durchaus brisant sind. Wie in ganz Lateinamerika kommt es immer wieder vor, dass Umweltschützer bedroht oder sogar ermordet werden. Deshalb hatte die Morddrohung gegen den beliebten Kinderaktivisten in Kolumbien für besonders viel Empörung gesorgt. Immer wieder verschwinden Menschenrechts- und Umweltaktivisten dort einfach, ohne dass die Polizei besonders bemüht ist, die Täter zu finden. Allein im vergangenen Jahr wurden 53 Aktivisten in Kolumbien ermordet, weitere 80 Mordfälle werden noch untersucht. Auf den öffentlichen Druck hin versprach Präsident Ivan Duque, die “Banditen” zu finden, die das Leben des Jungen bedroht hatten.

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Francisco Vera will sich trotzdem weiterhin für den Umweltschutz einsetzen. Neben Videos wie diesem zur Aufklärung über den Klimawandel und seine Folgen plant der Elfjährige eine Kampagne, um Einweg-Plastik zukünftig in Kolumbien zu verbieten.

Der britischen BBC sagte Francisco: “Kritik ist ein Teil des Lebens und willkommen, so lange sie konstruktiv und respektvoll ist.” Für Beleidigungen und Drohungen aber gebe es keinen Platz, fügte er hinzu. Er engagiert sich bereits seit fünf Jahren für die Umwelt, nachdem er als Sechsjähriger mit seinen Eltern Demonstrationen gegen Stierkämpfe besucht hatte. Vor zwei Jahren gründete er die Gruppe “Guardianes por la Vida” - “Beschützer des Lebens” in seinem Heimatort Vlleta etwa 90 Kilometer außerhalb von Bogóta. Dort begann er mit gleichaltrigen Freunden, Müll aufzusammeln und kleine Demonstrationen zu veranstalten.

Inzwischen haben sich mehr als 200 Aktivisten und Aktivistinnen seiner Gruppe angeschlossen und Ortsgruppen in elf weiteren Provinzen Kolumbiens gegründet. “Kinder müssen ein Mitspracherecht bei den großen Themen unserer Tage haben,” sagte Francisco der BBC. “Wir sind nicht nur die Zukunft. Wir leiden bereits unter den Entscheidungen, die Erwachsene treffen.”

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