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Elektroflaggschiff von Mercedes protzt mit Riesenbildschirm

Hubik, Franz
·Lesedauer: 3 Min.

Die Stromlimousine EQS kommt Mitte 2021 mit einem 141 Zentimeter breiten Display. Daimler verspricht einen „Wow“-Effekt samt Künstlicher Intelligenz.

Drei Buchstaben sollen Tesla das Fürchten lehren: EQS. Hinter dem Kürzel verbirgt sich das erste vollelektrische Modell des Stuttgarter Autobauers Daimler, das auf einer Plattform für Stromer gebaut wird. Der EQS ist die größte Zukunftshoffnung des Mercedes-Herstellers und soll mit einer elektrischen Reichweite von mehr als 700 Kilometern, teilautonomen Fahrfunktionen und einem einzigartigen Bedienkonzept selbst den kalifornischen Konkurrenten Tesla in den Schatten stellen.

Mitte des Jahres wird der elektrische Zwilling der S-Klasse auf den Markt kommen und soll dann in jeder Hinsicht neue Maßstäbe setzen. So erhält das Elektroflaggschiff der Marke mit dem Stern beispielsweise einen sogenannten „Hyperscreen“, wie Daimler am Donnerstag bekanntgab.

Die opulente Bildschirmeinheit besteht aus drei Displays, die von einem geschwungenen Gorillaglas geschützt werden. Zusammengenommen entsteht dadurch ein Riesenbildschirm mit einer Breite von 1,41 Metern, der sich von der linken bis zur rechten A-Säule zieht.

Mercedes verspricht aber nicht nur wegen der schieren Größe des Hyperscreens einen „Wow“-Effekt. Das Bildschirmband sei schließlich der Kern des Multimediasystems MBUX und somit „zugleich Gehirn und Nervensystem des Autos“, erklärte Sajjad Khan, Chief Technology Officer (CTO) von Daimler. „Der MBUX Hyperscreen lernt den Kunden immer besser kennen und liefert ein maßgeschneidertes, personalisiertes Infotainment- und Bedienangebot, bevor der Passagier irgendwohin klicken oder scrollen muss.“

Konkret sollen dem Fahrer über 20 Funktionen auf Basis von Künstlicher Intelligenz proaktiv vorgeschlagen werden. Ein Beispiel: Schaltet der Benutzer regelmäßig zur Sitzheizung auch die Heizung vom Lenkrad ein, wird ihm das irgendwann automatisch vorgeschlagen, sobald er die Sitzheizung betätigt.

Oder: Nutzt der Fahrer immer wieder die „Vehicle-Lift-up“-Funktion im EQS, um das Fahrwerk bei steilen Garageneinfahrten oder Schwellen zur Verkehrsberuhigung anzuheben, merkt sich das System die GPS-Positionen. Nähert sich die Stromlimousine erneut einer bekannten Bodenschwelle, wird der Lenker proaktiv gefragt, ob das Fahrwerk wieder angehoben werden soll.

Ein eigenes Display für den Beifahrer

Derlei Funktionen sollen EQS-Kunden ein „Maximum an Komfort, Personalisierung und Annehmlichkeiten“ bieten, sagt Mercedes-Vorstand Khan. Der Digitalguru des Autobauers verspricht seinen Kunden vor allem eine Zeitersparnis. Es sei ihm nicht direkt darum gegangen, den wohl größten Bildschirm aller Zeiten in einem Pkw zu konstruieren, betont Khan.

Gleichwohl liegt der Vorteil des Megabildschirms auf der Hand: Alle wichtigen Funktionen wie die Straßenkarte zur Navigation werden durchgehend angezeigt, die Ansteuerung über mehrere Menüebenen wie bei herkömmlichen Infotainmentsystemen fällt weg. Zudem erhält auch der Beifahrer einen eigenen Displaybereich, der Reisen unterhaltsamer machen soll. Wenngleich Daimler betont, dass Entertainmentfunktionen während der Fahrt nur im Rahmen der länderspezifischen Vorschriften verfügbar sind.

So oder so dürfte sich Daimler den Hyperscreen teuer bezahlen lassen. Details dazu nennen die Schwaben zwar keine. Klar ist aber, dass Mercedes den EQS in zwei Ausführungen anbieten wird – einmal mit Hyperscreen und einmal mit einem zentralen, kleineren Bildschirm in der Mittelkonsole, so wie er auch in der aktuellen S-Klasse erhältlich ist. In der ersten Ausführung dürfte der EQS weit über 100.000 Euro kosten. Offiziell hält sich Daimler beim Gesamtpreis für sein Elektroflaggschiff und etwaige Sonderausstattungen allerdings noch bedeckt.