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Der einzige Grund, warum Jeff Bezos einen Aktiensplit bei Amazon durchführen würde

Motley Fool Investmentanalyst

Amazon.com (WKN:906866) hat sich für seine langfristigen Aktionäre sehr gut entwickelt, da die Aktie im vergangenen Jahr um fast 75 % gestiegen ist und sich seit Mitte 2013 verfünffacht hat. CEO Jeff Bezos hat den E-Commerce-Giganten erfolgreich durch eine Vielzahl neuer strategischer Entscheidungen geführt, die von der Übernahme von Whole Foods Market bis hin zu Cloud Computing-Services und der Ergänzung des wachsenden Engagements im Internet-Einzelhandel reichen.

Eine Quelle der Frustration für einige Investoren besteht darin, dass der Aktienkurs extrem hoch ist. Mit mehr als 1.700 US-Dollar pro Aktie ist auch nur eine einzige Aktie für viele Investoren unerreichbar. Letztes Jahr kontaktierte ein Aktionär Bezos und fragte, ob er Amazon-Aktien aufteilen würde, um etwas dagegen zu unternehmen, und die Antwort des CEO war nicht zufriedenstellend. Aller Wahrscheinlichkeit nach gibt es nur einen Grund dafür, dass Amazon einen Aktiensplit durchführen wird, und der Zeitpunkt eines solchen Schrittes liegt mit ziemlicher Sicherheit außerhalb der Kontrolle des E-Commerce-Riesen.

Die bisherigen Amazon-Aktiensplits

Es ist nicht so, dass Amazon und Bezos kategorisch gegen Aktiensplits sind. Zu Beginn der Geschichte des Unternehmens, als die Internetaktien in den späten 1990er Jahren boomten, führte Amazon häufig Aktiensplits durch. In nur 15 Monaten von Mitte 1998 bis Ende 1999 machte das Unternehmen drei Splits in schneller Abfolge, darunter ein paar 2:1-Splits und ein einzelner 3:1-Split. Das hielt den Aktienkurs konsequent davon ab, zu weit in den dreistelligen Bereich zu klettern, was damals ein häufiger Grund dafür war, dass sich kleinere Anleger die Aktien auch leisten konnten.

Dennoch ist es denkbar, dass Bezos die Erfahrungen mit den Aktiensplits vorsichtig werden liesen. Nach dem Höhepunkt im Dezember 1999 erlitt Amazon einen steilen Rückgang, der schließlich zu einer Einbuße von rund 95 % seines Aktienkurses führte. Wegen der Split-Bewegungen fielen die Aktien in den einstelligen Bereich — ein Niveau, auf dem viele Investoren beginnen, ein Unternehmen als nicht mehr überlebensfähig zu erachten.

Für den E-Commerce-Riesen war es ein langer Weg zurück zu alter Stärke. Amazon hat wieder Fuß gefasst und begann in den 2000er Jahren Fortschritte zu machen, aber für diejenigen, die sich auf höchstem Niveau eingekauft hatten, dauerte es sehr lange, bis der Aktienkurs wieder dreistellige Werte erreichte. Nach der Finanzkrise gewann Amazon weiter an Boden, und viele fragten sich, wann der scheinbar unvermeidliche Aktiensplit kommen würde. Bisher wurden diese Investoren jedoch enttäuscht.

Auf der Suche nach Richtlinien

Im Jahr 2017 sprach sich schließlich ein langjähriger Aktionär für den Split  aus. Auf der Jahreshauptversammlung fragte er Bezos, ob Amazon in Erwägung ziehen würde, seine Aktien zu splitten, um jüngeren Investoren und dem Mittelstand die Möglichkeit zu geben, Aktien zu erwerben.

Bezos‘ Antwort war ablehnend. „Das ist etwas, das wir von Zeit zu Zeit in Betracht ziehen“, sagte der CEO. „Wir haben keine Pläne, dies zu diesem Zeitpunkt zu tun, aber wir werden es uns weiter ansehen.“ Das war, als die Aktie die 1.000 US-Dollar-Marke erreichte, und weitere 700 US-Dollar an Gewinnen veranlassten das Unternehmen nicht zu diesem Schritt.

Der einzige Grund, warum Amazon seine Aktien splitten würde.

Eigentlich ist ein Split nicht unbedingt notwendig, um Kleinanlegern den Zugang zu Amazon-Aktien zu ermöglichen. Es gibt einige Broker, die den Kauf von Teilen der Aktien erlauben, was den Aktienkurs irrelevant macht. Es ist unangenehm für diejenigen, die bereits anderweitige Maklerkonten haben, aber es ist nicht unmöglich.

Es ist wahrscheinlich, dass Bezos einfach keinen starken wirtschaftlichen Grund hat, einen Aktiensplit durchzuführen. Es gibt nur einen starken investitionsbezogenen Grund, warum der CEO von Amazon seine Meinung ändern könnte: die Möglichkeit, dem Dow Jones Industrial Average beizutreten.

Der preisgewichtete Dow wäre ohne Aktiensplit nie in der Lage, Amazon auf zu nehmen. Bei dem derzeitigen Aktienkurs würde Amazon den Durchschnitt dominieren und etwa ein Drittel seines gesamten Gewichts ausmachen. Das wäre fast das Fünffache dessen, was Boeing als Zweiter ausmachen würde.

Wie ein Split aussehen könnte

Wenn die Gruppe, die den Dow beaufsichtigt, ihr Interesse an Amazon deutlich machen würde, hätte der Marktführer im Online-Handel mehrere mögliche Optionen zur Auswahl. Ein Split im Verhältnis 5:1 würde den Aktienkurs im Einklang mit dem von Boeing bringen und ihn damit zu einem der führenden Unternehmen im DOW machen. Ein 7:1-Split wäre mehr im Einklang mit dem, was einige seiner Tech-Peers häufiger getan haben. Das würde den Aktienkurs bis in die Mitte der 200-US-Dollar-Marke senken, weit hinter Boeing, aber immer noch eine solide Nr. 2. Schließlich würde ein 10:1-Split Amazon in den Top 10 halten, aber seine Aktie würde sich fließender mit anderen Top-Komponenten im Dow vermischen.

Bis Dow seine Absichten erklärt, solltest du jedoch nicht damit rechnen, dass Amazon seine Aktien in absehbarer Zeit aufteilt. Bisher zeigt Bezos keine Neigung, in naher Zukunft einen Schritt ohne entsprechende Anreize zu gehen.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einer Tochtergesellschaft von Amazon, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Amazon. 

Dieser Artikel wurde von Dan Caplinger auf Englisch verfassst und am 18.06.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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